Das Mittelalter kehrt 2018 zurück

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Und jetzt doch: Im Juni 2018 soll es auf dem Honberg einen Mittelalter-Markt geben. Die endgültige Entscheidung trifft der Geme
Und jetzt doch: Im Juni 2018 soll es auf dem Honberg einen Mittelalter-Markt geben. Die endgültige Entscheidung trifft der Gemeinderat am Montag. (Foto: arc/clst)
Schwäbische Zeitung

Ja zu einem Mittelalter-Markt in Tuttlingen: Die Räte im Ausschuss für Verwaltung und Finanzen haben in der Sitzung am Montag für einen solchen Markt im Juni 2018 auf dem Honberg gestimmt. Nicht ganz einig waren sie sich aber, ob 375 Jahre Schlacht bei Tuttlingen und 125 Jahre Zinnenturm auf dem Honberg die richtigen Aufhänger für ein fröhliches Marktgeschehen sind.

Die LBU vertrat den pazifistischen Gedanken. „Sollte man eine Schlacht wirklich feiern“, fragte Petra Schmidt-Böhme in die Runde. Sie will eher die Befriedung der Stadt in den Mittelpunkt stellen. Hellmut Dinkelaker (SPD) wies auf die Lebensumstände von vor 375 Jahren hin. Um 1643 habe der 30-Jährige Krieg geherrscht und die Pest wütete – „das war eine unglaubliche humanitäre Katastrophe“. Im übrigen spreche man im 17. Jahrhundert vom Barockzeitalter und nicht vom Mittelalter.

Wie auch immer: Wer an einem Sonntag Gewerbe treiben will – der Mittelalter-Markt soll von Freitag, 15. Juni, bis Sonntag, 17. Juni 2018 stattfinden – braucht eine Genehmigung, in diesem Fall eine Marktfestsetzung. Dafür gelten klare Regeln, die besagen, dass es eines außergewöhnlichen Anlasses bedarf. „Wir sind da kreativ“, gab Tuttlingens Oberbürgermeister Michael Beck mit Blick auf die beiden Jubiläen zu. „Bei der Begründung sind wir ganz offen“, sagte auch Frieder Schray (CDU). Hauptsache einen Mittelalter-Markt.

Veranstalter wirbt bereits

Als Partner hat sich die Stadt den Veranstalter „Fabula Corvinus“ aus Haiterbach ausgesucht, der den Markt organisieren soll. Die Stadt Tuttlingen wird die notwendige Infrastruktur und einen Shuttle-Busverkehr zum Honberg beisteuern. Kostenpunkt: rund 11 000 Euro. Damit kommt die Stadt einer Petition Tuttlinger Bürger nach, die sich mit Unterschriftenlisten für eine Wiederholung eines Mittelaltermarktes eingesetzt habe, nachdem dieser bei der 600-Jahr-Feier Marktrecht im Jahr 2015 hervorragend angekommen sei (wir berichteten). Damals wurden weit mehr als 6000 Besucher gezählt.

50 Marktbestücker sind geplant

Rund 50 Händler- und Handwerkerstände sowie Tavernen soll der Markt auf dem Honberg im kommenden Jahr umfassen, ergänzt durch ein Lager und ein professionelles Kinderprogramm mit Mitmachaktionen, so Claus-Peter Bensch, Abteilungsleiter Kultur und bürgerschaftliches Engagement in der Stadtverwaltung. Auch Tuttlinger Mittelalter-Fans werden dabei sein, wie die „Gilde der Mittelalter-Freunde zu Honberg“.

Da die Veranstaltung aufgrund amtlicher Auflagen kein reines Freizeitangebot sein sollte, sondern Bezug zu den historischen Ereignissen aufweisen muss, „liegt der Fokus der Veranstaltung auf einer möglichst naturgetreuen Nachbildung eines Marktes aus dem 16. Jahrhundert“, heißt es in der Vorlage der Stadt für die Gemeinderäte. Der Termin im Juni bringe zudem den Vorteil mit sich, dass ein Großteil der Infrastruktur, wie Beleuchtung, Toiletten, Beschilderung und Schranken, für den Honbergsommer im Juli verwendet werden könne.

„Fabula Corvinus“, mit dem die Stadtverwaltung den Markt gerne umsetzen will, sei vom Ambiente der Burgruine sehr angetan gewesen und habe ein umfangreiches Sicherheitskonzept für die besondere Situation auf dem Berg vorgelegt. Dennoch soll das Thema Sicherheit und Ordnung in städtischer Regie gehalten werden. Auch bei der Ausgestaltung des Marktes und der Gestaltung des Eintrittspreises behalte die Stadt ein Mitspracherecht.

Jubiläen 2018

2018 wird das Jahr der Jubiläen in Tuttlingen: 50 Jahre Musikschule, 30 Jahre Jugendkunstschule – und jetzt auch noch 375 Jahre Schlacht bei Tuttlingen und 125 Jahre Zinnturm auf dem Honberg. „Der Stadtarchivar und die Museumsleiterin waren sich einig, dass die Schlacht bei Tuttlingen ein denkwürdiges Ereignis sei“, sagte Claus-Peter Bensch in der Ausschusssitzung des Gemeinderates – die Nachbildung des Turms auf dem Honberg eher nicht, fügte er an.

Die Schlacht bei Tuttlingen wurde 1643 geschlagen. Durch den Sieg der kaiserlichen und bayerischen Truppen sei Tuttlingen befreit worden und die Lage für die französische Besatzung in Württemberg unhaltbar geworden. Dieses Ereignis will die Stadt Tuttlingen nun heranziehen, um die Genehmigung für den Mittelalterlichen Markt 2018 zu bekommen. Herwig Klingenstein (SPD) hob auf die reiche Marktgeschichte des badischen Ortsteilstädtchens Möhringen ab. „Waren denn die Württemberger zu knickrig, um einen Markt zu machen?“, fragte er nach, denn das wäre ja auch ein möglicher Aufhänger für einen Mittelalter-Markt. „Wir werden uns darum kümmern, dass es was Vernünftiges wird“, versprach ihm Bensch. (iw)

Wer schauen will, was 2018 in Tuttlingen geplant ist, kann hier nachschauen:

www.fabula-corvinus.de

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