„Das Interesse an dem Film ist nie abgeflaut“

Lesedauer: 6 Min
Von der Tuttlinger Friedensbewegung geprägt: Regisseur Carl-A. Fechner, der nun das gleichnamige Buch zum Film herausgibt.
Von der Tuttlinger Friedensbewegung geprägt: Regisseur Carl-A. Fechner, der nun das gleichnamige Buch zum Film herausgibt. (Foto: M. Schust)
Schwäbische Zeitung

Nachdem Carl-A. Fechners „Power To Change“ der erfolgreichste politische Kino-Dokumentarfilm des Jahres 2016 gewesen ist, erscheint nun das gleichnamige Buch. Darin zeigt sich der Regisseur aus Immendingen erneut als Vorkämpfer der Energiewende und gewährt den Lesern erstmals einen Einblick in die eigene Biographie, die auch von der Tuttlinger Friedensbewegung maßgeblich geprägt wurde. Unser Mitarbeiter Manuel Schust hat mit ihm gesprochen.

Herr Fechner, im Herbst 1983 hat Sie ein im Gränzboten veröffentlichtes Foto in die Bredouille gebracht. Was genau ist da passiert?

Die Tuttlinger Friedensbewegung protestierte damals gegen die Stationierung von Atomwaffen in Deutschland. Wir wollten eine „atomwaffenfreie Zone Tuttlingen“ einrichten und ich übergab dem damaligen Oberbürgermeister Koloczek symbolisch den Appell. Der Gränzbote veröffentlichte hiervon ein Foto, auf dem ich gut zu erkennen war. Im Prinzip war das mein Coming-Out und der Anfang meines öffentlichen Engagements. Damals stand ich noch im Dienst der Bundeswehr. Einer meiner Vorgesetzten hielt mein Verhalten für ehrenrührig und leitete ein Disziplinarverfahren gegen mich ein, das in einem strengen Verweis endete. Erst eineinhalb Jahre später sollte das Bundesverwaltungsgericht entscheiden, dass ein Offizier sich außer Dienst durchaus außerparlamentarisch gegen bestimmte Entscheidungen seiner Regierung wehren kann.

Ihr letztes Werk „Power To Change“ war einer der erfolgreichsten Dokumentarfilme des Jahres 2016. Wie kam es zu der Idee, nun das gleichnamige Buch zu veröffentlichen?

Das Interesse an dem Film, der in über 360 Städten gelaufen ist, ist nie abgeflaut. Daher ist das Gütersloher Verlagshaus auf mich zugekommen und hat mir angeboten, zu dem Film ein Buch zu machen. Und ich fand es sehr wichtig, mit dem Buch auch zusätzliche Interessenkreise erreichen zu können.

Durch die Verknüpfung von kenntnisreichen Fakten und biographischen Kapiteln lässt sich das Buch sehr kurzweilig lesen. Auf Gegenpositionen wird aber kaum eingegangen. Manch skeptische Leser könnten den Text als einseitige Kampfschrift auffassen.

Wenn das Buch als Kampfschrift bezeichnet wird, würde ich das als eine Ehre empfinden, weil ich auch glaube, dass wir kämpfen müssen. Ich halte es für wichtig, eine Gegenposition zur oft einseitigen Berichterstattung in den Medien zu setzen. Mit meiner Arbeit versuche ich, eine ehrliche Botschaft zu vermitteln. Ich behandele die Themen nicht so, als müssten sie abgewogen diskutiert werden, sondern gehe von der These aus, dass die Energiewende möglich ist.

Ist es ein Irrglaube, zu denken, dass es einer Übergangszeit und Brückentechnologien bedarf, um die Energiewende schaffen zu können?

Ja, denn es ist mehrfach widerlegt worden, dass es einer Übergangszeit bedarf. Wenn man konsequent auf das Ziel zugehen würde, könnte man das Land sehr schnell umstellen. Die Technik ist da, die ökonomischen Vorteile liegen auf der Hand und die Gesundheit der Menschen würde profitieren. Es graut einem, mit anzusehen, wie noch immer Geld für nicht zukunftsfähige Energiegewinnung und Brückentechnologien verbrannt wird.

Am 28. März hat Deutschland bereits das für 2018 vorgesehene CO2-Budget aufgebraucht und die Klimaziele weit verfehlt. Wie ist es angesichts solcher Meldungen um die Energiewende bestellt?

Nach solchen Meldungen müsste ein Aufschrei durch das Land gehen und der Wille durchgesetzt werden, die Energiewende radikal anzugehen. Dass es gelingen kann, sich als Gemeinde autark mit Energie zu versorgen, hat im Kreis Tuttlingen das Beispiel Mauenheim gezeigt, das als erstes Bioenergiedorf Baden-Württembergs bekannt geworden ist. Diese Erfolgsbeispiele müssen so kommuniziert werden, dass sie die Herzen der Menschen erreichen und beim Einzelnen für Begeisterung sorgen. Es ist wichtig aufzuzeigen, dass jeder eine Entscheidungsmöglichkeit hat und seinen Teil zur Energiewende beitragen kann.

Was empfehlen Sie dem Einzelnen, der gerne erste Schritte zur persönlichen Energiewende vollziehen will?

Es ist heutzutage nicht schwer, den Fleischkonsum zu reduzieren. Auch beim Modekonsum gibt es viele Alternativen. Man muss sich bewusst machen, wo Kleidung hergestellt wird. Das persönliche Mobilitätsverhalten kann auch leicht verändert werden. Inlandsflüge etwa sind bei unserem gut ausgebauten Bahnnetz völlig unnötig.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen