Damit sich jeder eine neue Brille leisten kann

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 Die Kreisdiakonie Tuttlingen will Geringverdiener beim Kauf einer neuen Brille finanziell unterstützen.
Die Kreisdiakonie Tuttlingen will Geringverdiener beim Kauf einer neuen Brille finanziell unterstützen. (Foto: imago stock&people)
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Rund zwei Drittel der Deutschen sind Brillenträger. Doch eine Sehschwäche ist eine teure Angelegenheit. Nach einem Besuch beim Optiker für neue Brillengläser und eine schicke Fassung ist der Geldbeutel schnell um ein paar Hundert Euro leichter. Für Menschen mit einem geringen Einkommen ist das kein Pappenstiel, eine neue Brille gibt das Budget in vielen Fällen schlichtweg nicht her. Die Kreisdiakoniestelle Tuttlingen möchte solchen Menschen nun mit einer speziellen Aktion unter die Arme greifen.

„Land in Sicht“ heißt das neue Projekt der Kreisdiakoniestelle, bei dem Geringverdiener finanzielle Unterstützung für ihre Sehhilfe bekommen sollen. „Wir erleben häufig, dass Menschen, die zu uns zur Sozial- und Lebensberatung kommen, kein Geld für eine neue Brille haben, so sind wir auf die Idee zu dieser Aktion gekommen“, berichtet Dennis Kramer von der Kreisdiakoniestelle Tuttlingen.

Denn seit 2004 ist die Anschaffung einer Brille keine Regelleistung der Krankenkasse mehr. Wer schlecht sieht, muss also in der Regel ganz alleine für seine Sehhilfe löhnen. Für Normalverdiener eine Kröte, die es alle paar Jahre zu schlucken gilt – für Geringverdiener schlicht nicht machbar, meint Kramer.

Viele tragen „veraltete“ Brille mit falscher Sehstärke

Zwar sei etwa beim Hartz-IV-Regelsatz ein Betrag von 13,80 Euro monatlich für die „Gesundheitspflege“ vorgesehen. Letztendlich werde das Geld dann aber doch eher für die Waschmaschine oder Lebensmittel ausgegeben als für eine neue Brille.

So würden viele Menschen, die zur Beratung in die Diakoniestelle kommen, eine „veraltete“ Brille tragen, deren Gläser längst nicht mehr der jeweiligen Sehstärke entsprechen. „Oder die Leute tragen gar keine Brille, obwohl sie schlecht sehen“, weiß Kramer.

Das ist nicht nur ungesund, sondern kann auch gefährlich werden: Nur, wer gut sehen kann, kann seine Umwelt richtig wahrnehmen und sicher durch den Straßenverkehr kommen. „Armut macht krank“, heißt es in der Pressemitteilung der Kreisdiakonie, „Wir wollen, dass auch Menschen mit wenig Geld die Möglichkeit haben, sich eine Brille zu leisten und wir wollen auf das Problem von fehlenden Gesundheitsleistungen aufmerksam machen.“

Mit rund 10 000 Euro will die Diakonie das Problem im kommenden Jahr angehen. Die Hälfte davon stellt sie aus eigenen Mitteln zur Verfügung, die restlichen 5000 Euro sollen durch Spenden finanziert werden. „Geht der Plan auf, können wir Anfang 2019 mit der Aktion starten“, sagt Dennis Kramer. Er schätzt, dass damit durchschnittlich 33 neue Brillen finanziert werden können. „Ich gehe aber davon aus, dass der Bedarf deutlich größer sein wird“, meint er weiter.

Bis zu 90 Prozent Förderanteil für neue Gläser

90 Prozent der Kosten für die Brillengläser übernimmt dann die Diakonie. Den Rest sowie die Kosten für die Fassung muss jeder selbst aufbringen. Um das Angebot in Anspruch zu nehmen, können Menschen, die sich normalerweise keine neue Sehhilfe leisten könnten, einen Kostenvoranschlag für Brillengläser bei einem Optiker ihrer Wahl einholen. Bei einem anschließenden Beratungstermin in der Kreisdiakoniestelle wird dann entschieden, ob die Brille bezuschusst wird oder nicht. „Dazu machen wir eine Einkommensprüfung, die Leute müssen einen Bescheid vorlegen, dass sie Sozialleistungen beziehen“, erklärt Kramer.

Er hofft nun, dass sich bis Januar noch viele Unterstützer für das Projekt finden. Denn das Problem, dass sich viele keine Brille leisten können, betreffe zahlreiche Menschen aller Altersschichten im ganzen Landkreis. „Wir hätten das Ganze theoretisch auch für Zahnersatz machen können, da gibt es ein ähnliches Problem“, sagt Kramer.

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