Chirurgiemechaniker sind Mangelware

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Prüfen ihr Pausenbrot auf seine Essbarkeit: Ratsmitglied Rainer Buggle (links) mit den geschäftsführenden Gesellschaftern von KL
Prüfen ihr Pausenbrot auf seine Essbarkeit: Ratsmitglied Rainer Buggle (links) mit den geschäftsführenden Gesellschaftern von KL (Foto: Dorothea Hecht)
Schwäbische Zeitung

Gute Auszubildende, gerade in handwerklichen Berufen, sind schwer für die Medizintechnik zu gewinnen. Das ist die Nachricht, die der Tuttlinger Besuch auf der Medizin-Messe Medica in Düsseldorf, Oberbürgermeister Michael Beck und Schulleiter wie Gemeinderat Rainer Buggle, oft zu hören bekamen. Aber die Firmen merken auch, dass es bei den Akademikern langsam besser wird: Die Hochschule hinterlässt ihre Spuren.

Da wäre etwa Medicon, wo immer mehr Studenten vom Tuttlinger Campus Praktika absolvieren oder ihre Abschlussarbeiten machen. Der eine oder andere sei schon hängen geblieben, heißt es dort. Ähnlich ist es bei KLS Martin, wo Geschäftsführer Michael Martin sagen kann: „Leute mit Hochschulabschluss – das klappt inzwischen ganz gut.“ Hanno Haug, Vice President von Geomed, ist etwas kritischer: „Die Hochschule hätte zehn bis 15 Jahre eher kommen müssen“, meint er. Inzwischen gebe es eine Lücke, Fachleute fehlen.

Gemeinsame Initiative von Stadt und Medizintechnik-Unternehmen

Noch schwieriger ist es bei Chirurgiemechanikern. Es werde es immer schwerer, im Handwerk Fachleute zu finden, heißt es unisono, auch bei der Suche nach Auszubildenden schütteln die Geschäftsführer und Personaler die Köpfe.

Nicht zum ersten Mal bekommt OB Beck diese Klagen zu hören. Schon vor Jahren habe es eine Initiative von der Stadt gemeinsam mit einigen Firmen gegeben, um schlechteren Absolventen von Haupt- oder Werkrealschule eine Ausbildung zu vermitteln. Acht Schüler durften eine Probe-Ausbildung anfangen. „Da ging es teilweise nur darum, ob sie jeden Morgen pünktlich in der Firma erscheinen“, sagt Beck. Von acht bekamen fünf tatsächlich eine Ausbildung. Aber es werde schwieriger, überhaupt Jugendliche für Ausbildungsberufe zu gewinnen. „Da haben wir auch mit der Schulreform zu kämpfen, es machen einfach mehr Schüler Abitur“, so Beck.

Auch die Ansprüche der Firmen wachsen. Das klassische Scherenschleifen ist rar geworden. Heute gehöre auch viel CNC-Technik zum Beruf, sagt Hebu-Geschäftsführer Thomas Butsch. Er bevorzugt deshalb Bewerber mit Realschulabschluss. „Aber die Guten bekommen oft mehrere Zusagen und können es sich dann aussuchen.“

Auch Absolventen der Werkrealschule könnten derzeit gut eine Ausbildungsstelle finden, weiß Rainer Buggle, Leiter der Schillerschule, „wenn sie es denn wollen“. Mit schlechten Noten, das weiß er auch, wird es für die Schüler schwer. Die Schule versucht trotzdem, sie bei Unternehmen unterzukriegen, vermittelt sie zunächst in einen vereinfachten Ausbildungsberuf wie Zerspaner oder Maschinenbediener, der zwei Jahre dauert. „Bei einigen platzt dann der Knoten, die kriegen danach eine Ausbildung“, sagt er. Bei anderen dagegen bleibt dieser Knoten und ergeben sich wenig Zukunftsperspektiven.

Der Nachwuchs wird weniger, das spüren die Firmen deutlich. Wo keine Auszubildenden sind, sind später keine Facharbeiter. Personalmangel bedeutet für kleinere Firmen schon mal Lieferprobleme.

Thomas Butsch setzt deshalb darauf, seine Azubis auch zu behalten – und gleichzeitig damit am Ruf der Firma arbeiten. „Ob es in einer Firma gut oder schlecht ist, das spricht sich rum.“

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