Caritas vereint Integration und Umweltfreundlichkeit

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Frauen stehen um einen Tisch herum, auf dem Stoffe liegen
Auch „Sprache und Nähen“ ist ein Projekt der Caritas. (Foto: Fotos: Simon Schneider)
Simon Schneider

Der Upcycling-Gedanke ist bei der Caritas Schwarzwald-Alb-Donau längst ein zentrales Thema. Mit dem Buntgut-Projekt „Sprache und Nähen“ sowie „Fair statt Flucht“ verknüpft die soziale Einrichtung Klima- und Umweltfreundlichkeit mit der Nächstenliebe.

Alte Gegenstände, die letztlich nur noch für die Mülltonne bestimmt sind, werden beim Upcycling-Projekt Buntgut aufgewertet. Die Langzeitarbeitslosen und Flüchtlinge stellten erst vor kurzem aus ausrangierten Messebannern von regionalen Firmen, 1000 Sportbeutel für den Silvesterlauf her (wir berichteten).

Egal welche Artikel es sind, die Näherinnen von Buntgut lassen in der Nähwerkstatt ihrer kreativen Beschäftigung freien Lauf. So entstehen aus alten Gardinen, Netzen für Gemüse oder alten Kleidungsstücken unter der Nähmaschine neue Geschenkeartikel – alles der Umwelt zuliebe und damit der Schonung natürlicher Ressourcen durch die Wiederverwendung. Nicht nur die Kreativität fördert die Caritas dadurch, sondern auch den sozialen Aspekt – „Sprache und Nähen“.

Während der Arbeiten lernen die Flüchtlinge beispielsweise im alltäglichen Umgang die deutsche Sprache und bauen soziale Kontakte auf. Das sind wichtige Faktoren und Voraussetzungen für das Gelingen einer erfolgreichen Integration. Für mehrere langzeitarbeitslose Menschen wird dadurch sogar eine Beschäftigungsmöglichkeit angeboten. Seit 2015 gibt es Buntgut in Tuttlingen. Die Leiterin des Caritas-Zentrums Tuttlingen Ulrike Irion bezeichnet das Projekt mit Blick auf die vergangenen Jahre als „Erfolgsgeschichte auf vielen Ebenen“.

Ein noch jüngeres Projekt der Caritas Schwarzwald-Alb-Donau heißt „Fair statt Flucht“, das es seit 2017 gibt und auf dem Upcycling-Projekt aufgebaut ist. Durch „Fair statt Flucht“ soll den Menschen der Umgang mit Ressourcen bewusst werden, damit sie „nachhaltig handeln“ und „letztlich die Schöpfung bewahren“, sagte Irion, die in diesem Zusammenhang die „Aufklärungsarbeit“ erwähnte. „Wenn wir fair handeln und verantwortungsbewusst, kann auch Flucht verhindert werden. Das ist der Gedanke, der dahintersteckt“, ist sie sich sicher.

Deshalb sei es sinnvoll, dieses Projekt mit Kindern und Jugendlichen durchzuführen. „Die jungen Menschen sollen auf die Zusammenhänge von Handel und deren Wirkung aufmerksam gemacht werden. Was hat unser Konsumverhalten in Deutschland mit den Arbeitsbedingungen beispielsweise in Bangladesch zu tun?“, erklärte Irion.

Um darauf aufmerksam zu machen und damit zu werben, ist deshalb die Projektleiterin Birgit Nesper, die derzeit eine Webausbildung absolviert, beim Ferienprogramm dabei, geht aktiv auf Firm- und Konfirmationsgruppen sowie Schulklassen zu und bietet „Fair statt Flucht“ in unterschiedlichen Modulen an.

Bei der Durchführung des Projekts erhalten die Schüler durch eine Präsentation verschiedene Informationen und erfahren beispielsweise Wissenswertes über die Kleidercontainer der Aktion Hoffnung. Aber sie lernen dabei auch die Arbeitsbedingungen in armen Ländern kennen - unter welchen Bedingungen arbeiten die Menschen dort, wie ernten sie die Baumwolle, welche Pestizide werden eingesetzt und vieles mehr. „Wenn die Kinder die Präsentation sehen, sind sie betroffen“, beobachtete Irion. Im zweiten Schritt des Projekts überlegen die Schüler, welchen Beitrag sie leisten können, um diesen Missständen entgegenzuwirken. Auch ein Webstück dürfen die Kinder selbst im Rahmen des Projekts aus alten Stoffen wie T-Shirts, die die Caritas als Spende erhält, erstellen. „Die Schüler sind engagiert dabei und arbeiten eifrig mit“, betonte die Zentrumsleiterin.

Wenn es nach ihr geht, sollen die Erfolgsprojekte auch in Zukunft weiterhin angeboten werden. Aber: „Wir sind auf Spenden angewiesen“, appellierte Leiterin Ulrike Irion. Als nächster Schritt wolle die Caritas dieses noch junge Projekt bei „Fair Trade City“ vernetzen und mit der Stadt Tuttlingen kooperieren.

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