Blutspende im Selbstversuch: „Haben Sie genug getrunken?“

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Reporter Manuel Schust im Selbstversuch beim Blutspenden.
Reporter Manuel Schust im Selbstversuch beim Blutspenden. (Foto: Privat)
Manuel Schust

Jeder weiß es, kaum jemand tut es: Nur drei Prozent der Bevölkerung in Deutschland spendet regelmäßig Blut, obwohl allgemein bekannt ist, dass viele Operationen in Krankenhäusern nur durch moderne Transfusionsmedizin möglich sind. Dabei ist eine Blutspende auch für den Neuling ein unkomplizierter Vorgang – wie unser Mitarbeiter Manuel Schust bei der jüngsten Tuttlinger Blutspendenaktion im Selbstversuch festgestellt hat.

Freitagnachmittag im Tuttlinger Immanuel-Kant-Gymnasium – und ich finde mich in einer Warteschlange wieder, die so lang ist, dass ich zunächst auf den Treppenstufen stehen muss. Sind das wirklich alles bereitwillige Blutspender um mich herum? Vor ein paar Tagen war ich im Internet auf einen Artikel gestoßen, der die rückläufigen Zahlen beim Blutspenden thematisierte. Und jetzt das? Nein, das sei leider nicht die übliche Resonanz, versichert mir eine freundliche Helferin im Anmeldebereich, sondern eher Zufall, dass gerade so viele Leute gleichzeitig hier wären.

Vor Abgabe der Spende muss zunächst der Blutspender-Fragebogen ausgefüllt werden, in dem meine Personalien aufgenommen, aber auch Fragen zum aktuellen Gesundheitszustand, Vorerkrankungen und dem Sexualverhalten beantwortet werden müssen. Man gibt zwar einiges von sich preis, die Daten werden jedoch alle gemäß der Datenschutzrichtlinien verarbeitet. Die Gesundheit des Empfängers habe absolute Priorität, heißt es auf Nachfrage.

Gegessen und getrunken?

Nach Blutdruckmessung und der Ermittlung des Hämoglobinwerts folgt eine Untersuchung beim Arzt, der schließlich meine Eignung als Spender feststellt. Immer wieder wird betont, wie wichtig es sei, genügend getrunken und gegessen zu haben, um nicht während oder nach der Spende mit Kreislaufproblemen zu kämpfen zu haben. Sicherheitshalber trinke ich noch einen Liter Wasser und betrete anschließend die Aula des IKG, in der bereits fleißig Blutspenden gesammelt werden.

Hierfür wird den Spendern etwa ein halber Liter Blut abgenommen, der später verarbeitet, in seine wesentlichen Bestandteile aufbereitet wird und überwiegend bei Operationen zum Einsatz kommt.

Dann bin auch ich an der Reihe und werde zu einer frei gewordenen Liege begleitet. Obwohl gerade Blutproben von mehr als 20 Personen gleichzeitig genommen werden, ist die Atmosphäre entspannt. Vertieft ins Gespräch mit einer Helferin bemerke ich den Einstich der Nadel kaum. Keine zehn Minuten später ist der Behälter mit meinem Blut gefüllt und ich begebe mich in den Ruhebereich. Einen ganz leichten Schwindel verspüre ich, der aber schnell verflogen ist.

Früher kamen bis zu 800 Spender

Im Essensbereich, in dem die Spender abschließend verköstigt werden, treffe ich Organisator und DRK-Ortsgruppenmitglied Thomas Schad und greife nochmal meine Verwunderung über die Warteschlangen

auf. Doch der Organisator bestätigt mir: „Früher hatten wir in der Spitze bis zu 800 Spender an einem Tag. Mittlerweile hat sich das auf 400 bis 500 eingependelt.“

Es bestehe jedoch kein Grund zur Panik, da der Bedarf an Blutspenden noch gedeckt werden könnte. Doch angesichts einer immer älter werdenden Gesellschaft und der mangelnden Bereitschaft vieler Jüngerer komme man schon ins Grübeln, wie es zukünftig weitergehen könnte, meint Schad: „Ich würde das Durchschnittsspenderalter unserer Spender auf zwischen 50 und 60 Jahre schätzen und es sind nur vereinzelt unter Dreißigjährige hier.“

Der nächste Blutspendetermin in Tuttlingen findet am Freitag, 1. März, von 14.30 bis 19.30 Uhr in der Baptisten-Kirchengemeinde statt. Dabei handelt es sich um eine kleinere Veranstaltung. Der nächste größere Termin des Roten Kreuzes wird voraussichtlich in der dritten Augustwoche angeboten.

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