Biberbau von Menschenhand: Die Donaugalerie 2019 ist eröffnet

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Mann schwimmt inmitten von Holz
Der Künstler Thomas Putze wird zum Kunstwerk und arbeitet quasi stellvertretend für den Biber an einem überdimensionalen Bau in der Donau. (Foto: Siegrid Bruch)
Siegrid Bruch

An den Ufern eines bedeutenden europäischen Flusses ist am Sonntag ein bedeutendes Skulpturenprojekt mit großem Besucherandrang eröffnet worden:die Donaugalerie 2019. 19 namhafte Künstler aus der Region und der internationalen Kunstwelt beteiligen sich an dem spannenden Projekt, das erstmals im Jahr 2014 mit Erfolg stattgefunden hatte.

Die Donaugalerie 2019 will mit neuen und ungewöhnlichen Sichtweisen die spannungsvollen Wechselbeziehungen von Kultur und Landschaft mit dem verbindenden Element, der Donau, aufzeigen. Jedes Kunstwerk entfaltet so an seinem Ort Wirkung, verwandelt diesen und macht ihn auf neue Art erlebbar.

Viele Künstler und Kunstfreunde aus Tuttlingen und der Region fanden sich am Sonntagmorgen am Golem ein, um mitzufeiern. Tuttlingens Oberbürgermeister Michael Beck betonte bei der Eröffnung, die Donaugalerie trage dazu bei, Verbundenheit mit der Stadt Tuttlingen zu stärken, inhaltliche Bezüge zum Umfeld herzustellen und den Blick für das landschaftliche und architektonische Umfeld zu sensibilisieren. Mehrere Projekte machen auch eine Interaktion mit der Bevölkerung möglich. Kunst kann so den ganzen Sommer hindurch den städtischen Raum bereichern. Ein umfangreicher Prospekt mit Lageplan sorgt für gute Orientierung der Besucher, so der OB.

Die Galerieleiterin Anna-Maria Ehrmann-Schindlbeck gab eine Einführung in die Skulpturenausstellung. Geschichte und Geschichten ranken sich um die Donau, sie fließt seit ewiger Zeit, bahnt sich ihren Weg durch Regionen und Länder, unbeeindruckt vom Wandel der Zeiten. Die Donau und ihr beziehungsreicher Kontext aus Natur, Landschaft, Kultur, Gesellschaft und Ökologie ist nicht nur eine ideale Bühne für ein Kunstprojekt, sondern sie ist auch ein Stück Wirklichkeit, sagte die Galerieleiterin. „Alles ist im Fluss“ scheinen uns die Werke sagen zu wollen, deren Formen dem Organischen und Zellularen entlehnt sind und denen Energie und Bewegung innewohnen, hier vor allem die Werke von Jörg Bach, Marcus Gaudoin und Tony Cragg. Ehrmann-Schindlbeck stellte in ihrer Einführung kurz die Projekte der mitwirkenden Künstler vor. Es manifestiert sich hier, dass Kunstwerke sichtbar und konkret gewordene Träume und Ideen sind, die es in jedem Falle wert sind, um diese Möglichkeit der sinnlichen und geistigen Auseinandersetzung zu ringen, so die Galerieleiterin.

Thomas Putze wird selbst zum Kunstwerk: Er sorgte am Sonntagmorgen mit seiner Performance für Überraschung. Lediglich mit ein paar Ästen bekleidet – und quasi stellvertretend für den Biber – begab er sich zum Abschluss ins kalte Donauwasser und schwamm, einen Ast vor sich hertreibend, zu seiner „Beteiligungsskulptur“. Diesen Biberbau hatte er schon zuvor in einem Inklusionsprojekt „Zusammen für ein inklusives Tuttlingen“ in mehreren Workshops aufgerichtet.

Die Eröffnung wurde musikalisch umrahmt von Barbara Klobe. Anschließend startete das Fest in der Städtischen Galerie, wo ebenfalls noch kleinere Arbeiten der teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler zu sehen sind. Außerdem gibt es im Rahmen der Donaugalerie, die bis zum 20. Oktober dauert, noch viele weitere Künstlergespräche, Begleitprogramme Kunstworkshops für Kinder.

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