Besucherrekord bei der Tuttlinger Azubibörse

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 Die OJG-Schülerin Emely Berberich informiert sich bei der Ausbildungsbörse. Sie sucht eine Herausforderung im sozialen Bereich.
Die OJG-Schülerin Emely Berberich informiert sich bei der Ausbildungsbörse. Sie sucht eine Herausforderung im sozialen Bereich. (Foto: Simon Schneider)
Simon Schneider

Das Buhlen und Ringen um Nachwuchskräfte ist am Wochenende bei den weit mehr als 100 regionalen Betrieben in der Tuttlinger Stadthalle bei der Ausbildungsbörse im Fokus gestanden. Und auch die Schüler haben dabei die Chance genutzt, um mit den Unternehmern und Azubis ins Gespräch zu kommen.

Eine davon ist Emely Berberich. Die 14-Jährige besucht derzeit das Otto-Hahn-Gymnasium in Tuttlingen und will sich rechtzeitig über die verschiedensten Ausbildungsmöglichkeiten und Studiengänge informieren: „Mir gefällt es, dass ich hier auf der Ausbildungsbörse ganz kurze Wege habe und sich die Firmen an einem Ort versammeln“, sagt Emely Berberich auf dem Weg zur Stadthalle. Bevor sie ihre Tour durch die Ausbildungsbörse in der Stadthalle startet, legt sie ihren ersten Stopp bereits im Außenbereich beim Deutschen Roten Kreuz ein, denn für sie ist klar: „Ich will später in einem sozialen Beruf arbeiten.“

Im Eingangsbereich, bleibt sie am Stand von der Leiber Group stehen. Schnell kommen zwei Auszubildende auf sie zu. Das Buhlen um den Nachwuchs beginnt. Emely erfährt die breite Palette an Ausbildungsmöglichkeiten des Unternehmens. „Ich finde es gut, dass die Azubis mir die verschiedenen Berufsfelder erklären und mir einen Einblick in ihren Arbeitsalltag geben. Mit ihnen kann ich mich auf Augenhöhe unterhalten“, findet sie. Von einer klassischen Ausbildung über ein duales Studium bis hin zum Vollzeitstudium ist alles dabei. Die Schülerin schnappt sich die Gratis-Stofftasche, packt die Flyer dazu und schlendert an weiteren Unternehmen vorbei.

Das duale Ausbildungssystem hob auch die neue IHK-Präsidentin Birgit Hakenjos-Boyd, die zum ersten Mal die Tuttlinger Börse besuchte und sie offiziell eröffnete, in ihrer Ansprache hervor. Sie bezeichnet das duale System als „optimalen Start ins Arbeitsleben“ und es sei Priorität, mehr Menschen für diese Art der Ausbildung zu begeistern. Ebenso findet sie, dass die Region eine „hervorragende Hochschullandschaft“ besitze und die Industrie intensiv einbinde. Eine Ausbildung könne zudem laut Hakenjos-Boyd das „Fundament des Lebens“ sein.

Egal ob Ausbildung oder Studium – bei Emelys Blick wandert beim Gang durch die Börse von links nach rechts, bis sie den Stand des Klinikums des Landkreises Tuttlingen in den Fokus nimmt. Welche Tätigkeiten ein Pfleger ausüben darf, welche Weiterbildungsmöglichkeiten es gibt und was eine Ausbildung mit Herz bedeutet, erfährt sie aus erster Hand von einem gelernten Krankenpfleger.

Beide Seiten nicht abgeneigt

Den interessantesten Stand entdeckt sie allerdings einen Stock höher in der Galerie beim Schwarzwald-Baar-Klinikum. Schnell ist der Kontakt mit Sandra Doser von der Personalabteilung hergestellt. Dort ist sie direkt an der richtigen Stelle. Aufmerksam hört sie zu und erfährt von dualen Studiengängen, wie die soziale Arbeit im Gesundheitswesen und die Sozialwirtschaft bis hin zu dualen Ausbildungsberufen als medizinische Fachangestellte. Auch ein Bogy-Praktikum, das bei Emely im Otto-Hahn-Gymnasium ansteht, ist im Schwarzwald-Baar-Klinikum möglich. Am Ende des Gesprächs steht fest: Von einem Wiedersehen in Villingen-Schwenningen sind beide Seiten nicht abgeneigt.

Hängen bleibt sie auch bei der Kreissparkasse Tuttlingen und dem Ausbildungsleiter Alexander Jung. Obwohl die 14-Jährige nicht anstrebt, ihre berufliche Laufbahn bei einer Bank zu starten, nimmt sie am Gewinnspiel teil – auch das gehört zur Ausbildungsbörse. Wie es ist als Chirurgin zu arbeiten, darf sie bei Karl Storz ausprobieren. Mittels mehrerer endoskopischer Instrumente darf sie in einem Knie virtuelle Sterne fischen und obendrauf versucht sie sich bei Stryker am Billard.

Mit vielen neugewonnenen Informationen und Eindrücken, mehreren Taschen und Flyern läuft sie aus der Stadthalle hinaus. „Die Ausbildungsbörse war super. Ich habe viele Einblicke gewinnen können. Anders als im Internet habe ich meine Fragen direkt an die Verantwortlichen stellen können und habe alle für mich wichtigen Infos aus erster Hand erhalten“, erzählt sie am Ende ihrer Tour rundum zufrieden. Aber will sie nach den vielen Eindrücken immer noch einen sozialen Beruf erlernen? „Auf jeden Fall“, antwortet die OHG-Schülerin.

Viele weitere Schüler und Interessierte besuchten am Wochenende die Ausbildungsbörse, die laut dem Organisator Gerd Rettkowski vom Handels- und Gewerbeverein ProTut wieder ein Besuchermagnet gewesen sei: „Wir hatten laut Hochrechnung am Samstag 3000 und am Sonntag 3500 Interessierte, die durch den Haupteingang kamen. Damit haben wir einen neuen Besucherrekord“, sagte Rettkowski erfreut, der von den allermeisten Ausstellern eine „gute Gesprächsqualität“ als Rückmeldung bekam.

Als „Minuspunkt“ erwähnte er den Standplatz des Trucks der Maler- und Lackiererinnung, der auf dem Parkplatz der Stadthalle „etwas untergegangen“ sei, wie Rettkowski sagte.

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