Begeisterter Biker: 19-jähriger Tuttlinger radelt durch Vietnam

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 Mittendrin im asiatischen Leben: Der Tuttlinger Jakob Diener ist derzeit mit seinem Fahrrad in Vietnam unterwegs, hier auf eine
Mittendrin im asiatischen Leben: Der Tuttlinger Jakob Diener ist derzeit mit seinem Fahrrad in Vietnam unterwegs, hier auf einer Fähre unter zahlreichen Mopedfahrern. (Foto: Jakob Diener)
Michelle Fallert

Der 19-jährige Jakob Diener aus Tuttlingen fährt momentan mit seinem Fahrrad durch Vietnam. 2019 hat er sein Abitur am Otto-Hahn-Gymnasium absolviert und sich danach, wie so viele andere Abiturienten, überlegt, wo er hinreisen könnte, um seine neu gewonnene Freiheit zu genießen.

Nordamerika und Neuseeland waren im Gespräch, doch Jakob Diener hat sich für Vietnam entschieden. „Ich wollte in ein Land, in das man später eher nicht mehr hingehen wird und wohin nicht alle Abiturienten auf einmal rennen.“

Nun stellte sich die Frage, wie er das Land bereisen sollte. Diener ist seit langem begeisterter Biker und Sportler, somit ständig in der Natur unterwegs. Er ist jemand, der nicht still sitzen kann, und entschied sich, mit seinem Fahrrad durch Vietnam zu radeln.

Mit einem Fahrrad für längere Zeit unterwegs zu sein, bringt Herausforderungen mit sich: Es muss ein stabiles Rad sein, das nicht beim ersten Straßenloch auseinanderfällt. Der Tuttlinger ist mit einem 30 Jahre alten Rad mit Stahlrahmen unterwegs. Dazu kommt, dass beim Packen Minimalismus gefragt ist: Fünf Wechselshirts sind nicht drin, so wenig wie möglich muss reichen. Was nicht fehlen durfte, waren eine Action-Kamera und eine Drohne, um spektakuläre Erlebnisse aufnehmen zu können, sowie ein Erste-Hilfe-Set und eine Reise-Apotheke. Jakob Diener hat sein ganzes Gepäck in wasserfesten Fahrradtaschen untergebracht.

Jakob Diener kannte sich bereits gut über den Vietnamkrieg aus, nun jedoch hat er sich spezieller über das Land informiert, sich eingelesen und viel recherchiert. Der Plan war vorerst, im Süden des Landes in Ho-Chi-Minh-Stadt zu starten und nach Norden zu fahren. Er bekam ein Visum für drei Monate, der tatsächliche Aufenthalt kann auch kürzer ausfallen.

„Vor dem Antritt von meiner Reise hat sich alles noch unwirklich und weit weg angefühlt. Deswegen hatte ich eigentlich keine Ängste, 10 000 Kilometer von zu Hause weg allein Rad zu fahren.“ Auch der Abschied von Familie und Freunden am Flughafen sei surreal gewesen, mehr als ein „bis in zwei Wochen“. Bei der Ankunft in Ho-Chi-Minh-Stadt, dem früheren Saigon, war der 19-Jährige zwischen dem Gefühl von euphorischer Abenteuerlust und Einsamkeit hin- und hergerissen. Die Frage kam auf, ob es nicht doch schöner gewesen wäre, mit einer anderen Person diese Reise zu bestreiten. Man habe niemanden, mit dem man reden und Erfahrungen teilen könne.

Jakob Diener erzählt von der „stress geladenen“ und hektischen Stadt, in der teilweise sehr viele Touristen unterwegs seien. „Man fühlt sich zwischen den ganzen Menschen auf ihren Mopeds wie in einem Bienenschwarm, der ohne irgendwelche Regeln durch die Gegend schwirrt.“ Autos sehe man kaum auf den Straßen, die meisten Menschen führen auf ihren Mopeds herum, auf denen sie alles transportierten: von der fünfköpfigen Familie, einem Grill, über einen großen Baum, bis zu einem 200 Kilogramm schweren Sack voller Eiswürfel. Außerdem könne man überall auf den Straßen kleine Garküchen sehen, es sei billiger, als selbst zu kochen.

Allgemein seien die Preise doppelt bis dreifach so günstig für ein Produkt im Vergleich zu Deutschland. Seine Unterkünfte, beziehungsweise Hostels oder Hotels, bucht Jakob Diener spontan, je nach Lust und Laune, auf booking.com ein paar Tage im Voraus. Meistens übernachtet er in Schlafsälen oder Gruppenquartieren.

Die Menschen in Vietnam seien allgemein praktischer veranlagt, fänden simplere Lösungen für ihre Probleme im Alltag „und denken nicht viel darüber nach. Sie sind sehr lieb und hilfsbereit, auch wenn fast keiner ein Wort englisch spricht. Vor allem in den ländlichen Regionen winken und hupen einem die Menschen zu, wenn man mit dem Fahrrad vorbeifährt, Kinder rufen Hello und man fühlt sich schon fast wie eine kleine Attraktion“, berichtet Jakob Diener: „An einem Tag sind mir ein paar Schulkinder entgegengekommen, und als sie mich sahen, drehten sie um und fuhren ein Stück mit. Das sind Momente, die einem so viel zurückgeben.“

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