Bauarbeiten an Finkenstraße vorübergehend gestoppt

Lesedauer: 5 Min
Momentan stehen die Geräte auf der Baustelle still.
Momentan stehen die Geräte auf der Baustelle still. (Foto: IW)

Die Arbeiten an der Baustelle der Tuttlinger HIS Unternehmensberatung ist vom Baurechtsamt der Stadt Tuttlingen kurzzeitig unterbunden worden. Wie Oberbürgermeister Michael Beck bei der Rundfahrt des Gemeinderats sagte, habe das Unternehmen mit dem Ausheben der Baugrube an der Ecke Neuhauser Straße/Finkenstraße bereits begonnen gehabt, als noch keine Baugenehmigung vorlag. Markus Breinlinger, Geschäftsführer der Tuttlinger HIS-Gruppe, widerspricht: Mit dem Bauamt sei geklärt gewesen, dass die Arbeiten so ablaufen können. „Es war nicht so, dass wir etwas gemacht haben, was nicht abgesprochen war.“

Zwei Baukörper mit 30 Wohneinheiten und 36 Tiefgaragenstellplätzen mit einem Projektvolumen von 4,3 Millionen Euro sollen an der Finkenstraße entstehen. Doch seit Donnerstag vergangener Woche ist dort alles ruhig. Als Grund für die Arbeitspause verweist Markus Breinlinger auf Anwohnerbeschwerden wegen Baulärms, die bei der Stadt eingegangen seien. Die Arbeiten seien daraufhin eingestellt worden, bis dieser Konflikt geklärt sei, sagt er unserer Zeitung.

Der Pressesprecher der Stadt, Arno Specht, erklärt dagegen, dass diese Beschwerde nicht ausschlaggebend für den Baustopp gewesen sei. Specht: „Das ist der übliche Lärm, der beim Bauen entsteht.“ Das städtische Bauamt sei durch diese Beschwerde vergangene Woche aber darauf aufmerksam geworden, dass an der Finkenstraße bereits gebaut wird, obwohl die Baugenehmigung noch nicht erteilt wurde.

Daraufhin seien die Arbeiten von Amts wegen eingestellt worden. In der Tat habe ein Mitarbeiter des Baurechtsamts Breinlinger mündlich zugesagt, dass er schon vor dem Vorliegen der Genehmigung damit anfangen könne, die Baustelle herzurichten. Damit seien Arbeiten gemeint gewesen wie Einzäunen, Müll beseitigen, Gestrüpp roden und die oberste Erdschicht abtragen. „Dies hat der Unternehmer offensichtlich anders aufgefasst und auch gleich die Baugrube ausgehoben“, so Specht.

Bauantrag liegt vor

Der Bauantrag der HIS Unternehmensberatung, Abteilung Immobilien/Projektentwicklung, liege seit Mai in der Stadtverwaltung vor. Der Eingang wurde bestätigt, sagt Specht, mit der Bitte an das Unternehmen, Gutachten und Untersuchungen nachzureichen: zum Brandschutz sowie Schallschutz, der Belüftung der Tiefgarage und Plänen zur Außen- und Spielplatzgestaltung. Die fehlenden Unterlagen seien peu à peu nachgereicht worden. Das letzte noch ausstehende Gutachten zum Brandschutz sei am Montag dieser Woche eingegangen. Parallel dazu ist die Baugenehmigung vorbereitet worden, die noch diese Woche erfolgen soll – HIS kann jetzt ordnungsgemäß weiter bauen.

Vergünstigter Wohnraum

Die Verwaltung prüft derzeit, ob das Unternehmen wegen des vorgezogenen Baubeginns mit einer Strafe rechnen muss, sagt der Stadtsprecher. Allerdings sei ein Unterbrechen der Arbeiten bei solch einem Projekt schon Strafe genug, zumal sich die Pläne schon einmal verzögert haben.

Der Bau der Wohnanlage gehört zu jenen Projekten, deren Bebauungspläne Anfang des Jahres vom Gemeinderat zurückgestellt wurden. Wie berichtet, brachte das Gremium den Vorschlag auf, dass eine Quote an geförderten und vergünstigten Wohnungen für alle Neubauprojekte in Tuttlingen verpflichtend werden soll. Wie diese jedoch konkret umgesetzt werden soll, wird derzeit ausgearbeitet.

Da die Planungen für das Wohnprojekt schon vor dem Einführen einer verpflichtenden Klausel gestartet sind, gelte die Quote an der Finkenstraße nicht, sagt Specht. Der Investor habe aber eine Absichtserklärung abgegeben, drei Wohnungen zum Kauf für einen Quadratmeterpreis von unter sieben Euro anzubieten. Dieses Konzept kommt laut Breinlinger durch Einbeziehen eines Wohnraumförderprogramms zustande. Zudem plant HIS eine Senioren-Wohngemeinschaft.

Nicht realisiert werden konnte die Idee, dass die Lebenshilfe, eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung, Wohnungen anmietet. „Das ging mit den Planungen nicht konform“, erklärt Breinlinger.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen