Balinger Straße: Hindernisse missfallen

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 Mit den grün gekennzeichneten Maßnahmen waren die Mitglieder des Technischen Ausschusses mehrheitlich einverstanden, die rot ge
Mit den grün gekennzeichneten Maßnahmen waren die Mitglieder des Technischen Ausschusses mehrheitlich einverstanden, die rot gekennzeichneten wurden abgelehnt. Die Diskussion wird am Montag, 19. November, im Gemeinderat fortgesetzt. (Foto: Grafik: Matthias Wagner)
Sabine Krauss
Redakteurin

Wie stark soll die Balinger Straße verkehrsberuhigt werden und wie viele Hindernisse eingebaut werden, damit die Strecke für Autofahrer unattraktiv wird: Über diese Fragen ist in der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses heftig diskutiert worden. Längst nicht alle waren mit den geplanten Maßnahmen der Stadtverwaltung einverstanden, was sich auch in der Abstimmung niederschlug. Am Montag, 19. November, wird das Thema erneut im Gemeinderat behandelt.

Der Plan sieht vor, die Balinger Straße an mehreren Stellen zu verengen – an den Bushaltestellen gar so, dass die Straße dort nur noch einspurig ist. Nach diesen Maßgaben ist in den vergangenen Wochen bereits die Bushaltestelle an der Plettenbergstraße umgebaut worden. Im Bereich Risiberg-/Plettenbergstraße soll zudem mit einem Mini-Kreisel ein weiteres Hindernis eingebaut werden. Hintergrund ist, dass durch das Neubaugebiet Thiergarten nicht noch mehr Verkehr auf der Straße entsteht.

„Zu viel des Guten“

Mit den Maßnahmen überhaupt nicht einverstanden waren vor allem die Räte der CDU. Als „zu viel des Guten“ und „Belastung“ stufte Joachim Klüppel die „sieben Verengungen auf knapp 1000 Meter Länge“ ein. „Es ist ein Unding, wenn ein Bus hält und in beide Richtungen geht nichts mehr“, sagte Franz Schilling zur geplanten Einengung der Fahrbahn im Bereich der Bushaltestellen.

„Meines Erachtens sind das nicht die richtigen Maßnahmen“, kritisierte auch Gesine Barthel-Wottke (FDP). Statt langsam fließenden Verkehr zu erzielen, würden die geplanten Maßnahmen in erster Linie einen „Stop and Go-Verkehr“ mit sich bringen. Ihrer Meinung nach reiche es, wenn der geplante Quartiersplatz im Neubaugebiet die Balinger Straße in Richtung Rußbergstraße unterbreche. Und Hellmut Dinkelaker (SPD) fragte sich: „Führen die Einengungen durch das ständige Bremsen und Wieder-Anfahren nicht eher zu mehr Unruhe?“

Kritik äußerten die Räte auch im Hinblick auf den Radverkehr. Hürden in die Balinger Straße einzubauen, sei kontraproduktiv zum Vorhaben, die Menschen aufs Fahrrad zu bringen, sagte Bathel-Wottke. „An den Engstellen werden die Radfahrer gefährdet.“ Henner Lamm (SPD) missfiel, dass die Planungen den Radverkehr nicht berücksichtigen, obwohl man die Balinger Straße als Haupt-Radachse definiert habe. „Das kommt hier überhaupt nicht vor“, sagte er.

Die Stadt Tuttlingen verteidigte ihre Pläne mit Verweis auf die mehrfach stattgefundenen Bürgerversammlungen und -gespräche. „Weniger Verkehr in der Balinger Straße: Das ist eine Forderung der Bürger“, stellte Oberbürgermeister Michael Beck klar. Ziel sei es, durch den Einbau der Hindernisse die Straße möglichst unattraktiv für Autofahrer zu machen. Rückendeckung bekam er von der LBU. Man wolle diese Verkehrsberuhigung doch schon lange, „ich verstehe diese Diskussion jetzt nicht“, sagte Ulrike Martin.

Jeweils mehrere Nein-Stimmen

Bei der Abstimmung lehnten die Räte die Fahrbahn-Einengung an den zwei weiteren Bushaltestellen Altwegen und Egerstraße ab. Den anderen Maßnahmen – Straßeneinengungen und Minikreisel – wurde im Technischen Ausschuss mehrheitlich zugestimmt, auch wenn es jeweils mehrere Nein-Stimmen gab.

Dass die Stadt die Straße an der Bushaltestelle Plettenbergstraße noch vor den anderen Maßnahmen umgebaut hat, liegt an einer Anwohnerbeschwerde. Wie Stadtsprecher Arno Specht auf Nachfrage unserer Zeitung sagte, hatte sich der Anwohner beschwert, dass die Haltestelle nicht barrierefrei sei.

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