Auf Willi Neubrand ist immer noch Verlass

Lesedauer: 6 Min

 Willi Neubrand
Willi Neubrand (Foto: Claudia Steckeler)
Claudia Steckeler

Für Willi Neubrand ist alles, was er in seiner Freizeit für die Kolpingsfamilie Tuttlingen getreu dem Motto „Verantwortlich leben, solidarisch handeln“ tut, einfach selbstverständlich. „Wenn ich einem Verein angehöre, dann ist es für mich normal, dass ich mich mit in die Gemeinschaft einbringe, sie unterstütze und mithelfe“, erklärt der 81-Jährige, der dem Verein schon seit 1952 angehört.

Als Willi Neubrand 1951/52 die Schule beendete, kam der damalige Altsenior – zu jener Zeit gab es noch keine Vorsitzenden – Ferdinand Mattes auf ihn zu und fragte ihn, ob er denn nicht Mitglied der Kolpingsfamilie werden wolle. „Da ich erst 16 Jahre alt war, kam ich in die Jugendkolpinggruppe. Mit 18 Jahren wurde ich dann am Kolpinggedenktag im Dezember 1954 in die Kolpingsfamilie aufgenommen“, erinnert sich Neubrand. Seit dieser Zeit ist er im wahrsten Sinne des Wortes aktiv dabei.

Leiter der Jugendkolpinggruppe

Zunächst war er „nur“ normales Mitglied, doch recht schnell leitete er dann die Jugendkolpinggruppe, bis diese mangels Nachwuchses aufgelöst worden ist. Zeitgleich war er auch Verbindungsmann im Ausschuss. Während der Zeit von Friedmann Litterst, Karl Kübler und Rainer Buggle als Vorsitzende der Kolpingsfamilie hatte Willi Neubrand stets den Posten des zweiten Vorsitzenden inne. „Wie lange das genau war, weiß ich nicht mehr. Auf jeden Fall mehr als 15 Jahre“, meint er lachend. Dann, als Joachim Klüppel den Vorsitz übernahm, zog sich Willi Neubrand aus der Vorstandschaft zurück. „Ich wollte nach so langer Zeit einfach Platz machen für Jüngere“, bemerkt er.

Doch damit nicht genug, denn es gab auch eine Fußballgruppe, die 1952/53 von Helmut Gaiser und Elmar Effinger gegründet worden war. „Sie bestand hauptsächlich aus Jugendspielern des FC 08. Wir spielten sporadisch, trainierten aber jede Woche einmal“, erzählt Willi Neubrand. Im 1960 hat er die Leitung dieser Gruppe übernommen, bis er sie 2011 krankheitsbedingt aufgeben musste. „Bis zum vergangenen Jahr habe ich aber trotzdem noch mittrainiert“, berichtet er fröhlich. Einmal richteten die Tuttlinger die Diözesanmeisterschaften aus und da war es auch selbstverständlich, dass Ehefrau Maja mithalf. Sie machte unter anderem die Maultaschen für das gesamte Fußballturnier.

Frau bei Kolping kennengelernt

Kennengelernt hatten sich die beiden bei der Theatergruppe der Kolpingsfamilie, die Kurt Nädele Ende der 1940er-Jahre wieder aufleben ließ. „Ich selbst habe seit meinem Eintritt mitgespielt, und bei den Proben hat es dann gefunkt“, erklären beide strahlend, 1962 wurde in St. Gallus Hochzeit gefeiert. Als Kurt Nädele 1969 tödlich verunglückte ruhte die Theatergruppe. „Bis 1991/92, als Sigesmund Martin sie dann übernahm“, erinnert sich Willi Neubrand. Neben der Schauspielerei brachte er sich aber auch noch beim Bau der Requisiten, der Gestaltung des Bühnenbildes – einfach überall mit ein. Selbstverständlich auch beim Kartenvorverkauf, der von Zuhause aus gemanagt wurde. Zurzeit ruht der Theaterbetrieb, „weil wir keine Frauen mehr haben“ stellt Willi Neubrand fest. „Unsere jungen Frauen sind alle Mütter geworden, oder werden es gerade, so dass sie momentan keine Zeit mehr haben.“

Und heute ist Willi Neubrand immer noch aktiv, er trägt oder fährt die Post aus. „Wir haben viele ältere Mitglieder, die keine E-Mail-Adresse haben, oder sie nicht herausgeben wollen“, erzählt er. Gemeinsam mit Ehefrau Maja tütet er am Esstisch alle Briefe ein, verschickt die, die an Auswärtige gehen, und die anderen trägt beziehungsweise fährt er selbst aus.

Ach ja, da war ja auch noch das Stadtfest Tuttlingen, an dem die Neubrands auch aktiv beteiligt waren, beim Auf- und Abbau zum Beispiel, außerdem wurde zuhause schon Tage vorher das Sauerkraut für den Stand vorgekocht. „Das ganze Taubentäle roch danach“, erzählt Willi Neubrand lachend.

Inzwischen beteiligt sich die Kolpingsfamilie nicht mehr am Stadtfest. „Der Aufwand ist einfach zu groß, es werden viele Leute benötigt“, erklärt er. Dafür betreibt die Kolpingsfamilie am Fasnachtssamstag nach dem großen Umzug den „Narrenpalast“ im Gemeindezentrum St. Josef – und da wird natürlich auch jede helfende Hand gerne angenommen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen