Asyl: Landratsamt weist Vorwürfe zurück

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Asyl: Landratsamt weist Vorwürfe zurück
Asyl: Landratsamt weist Vorwürfe zurück (Foto: Kim Graf)
Schwäbische Zeitung
A. Lothar Häring

Von „teilweise chaotischen“ Zuständen in der Karlsruher Erstaufnahmestelle für Asylbewerber berichten Augenzeuge. Dagegen geht es im Asylheim des Landkreises Tuttlingen auf dem Witthoh vergleichsweise geordnet zu. Zwar quillt das mit 193 Menschen vollgestopfte Gebäude fast über, trotzdem herrscht auf den ersten Blick eine erstaunlich friedliche Stimmung im Eingangsbereich und auf den Fluren. Doch das täuscht, drinnen, in den alten, engen Zimmern, rumoert es. Wer die Asylbewerber anspricht, hört zahlreiche Klagen über angebliche Missstände.

Wir haben das Landratsamt damit konfrontiert. Deren Sprecherin, Sarah Honold, weist sie nach Rücksprache mit den Verantwortlichen zurück:

Der versprochene regelmäßige Busverkehr finde nicht statt, so die Kritik der Asylbewerber. Oft kämen nur Kleinbusse mit acht Sitzen, so dass viele Fahrgäste stehen gelassen würden.

Antwort Landratsamt: Es sei richtig, dass Kleinbusse wegen der Sperrung Hintschingen, die aber zeitlich befristet ist, eingesetzt werden. Im Heim sei aber ein Aushang, wann Kleinbusse eingesetzt werden. Die Bewohner seien also informiert.

Es gibt Kritik, dass die ärztliche Versorgung nicht funktioniert.

Landratsamt: „Die Krankenverwaltung ist nicht einfach für uns, es kann zu Engpässen kommen. Die sich jetzt diskutierte Gesundheitskarte für Flüchtlinge, wäre eine Entlastung.“

Asylbewerber aus südlichen Ländern klagen, die Heizung sei nicht an, obwohl es nachts auf dem Witthoh sehr kalt sei.

„Die Heizung ist seit etwa drei Wochen ist wieder an“, erklärt das Landratsamt.

Weiterer Vorwurf: „Ganz schlimm“ sei der Zustand der Toiletten. Zwar werde regelmäßig geputzt, aber die Klos seien so heruntergekommen, dass man sie gar nicht mehr richtig sauber machen könne.

Nach Angaben des Landratsamt werden die Toiletten täglich gereinigt. Dies erledigen Heimbewohner im Rahmen der gemeinnützigen Arbeit. Von Zeit zu Zeit machen die Hausmeister eine Generalreinigung. Jeder der die Toilette benutzt, sollte diese sauber hinterlassen. Dies ist aber meistens nicht der Fall, gerade bei den männlichen Einzelpersonen. Die Toiletten sehen dann entsprechend aus.

Die Herde in den beiden Küchen funktionierten „mal und mal nicht“, lautet eine weitere Beschwerde von Asylbewerbern.

Dazu das Landratsamt: „Die Herde werden systematisch kaputt gemacht. Kaputte Herde werden ausgetauscht. Im Altbau waren es in den letzten Wochen fünf Stück.

Das Problem mit der Arbeit

Schwere Vorwürfe gehen an das Ausländeramt, von dem sich manche Flüchtlinge „unfreundlich behandelt und oft auch schikaniert“ fühlen.

„Das ist uns nicht bekannt“, sagt Sarah Honold.. „Wenn es Einzelfälle gibt, wären diese zu benennen. Nur weil etwas abgelehnt wird, bedeutet dies keine unfreundliche Behandlung.“ Allerdings könne man das als Betroffener „so empfinden“ .

Arbeit und Langeweile sind wichtige Themen für Asylbewerber. Viele wollten arbeiten, bekämen aber keine Chance, hört man im Heim. Das liege vor allem auch daran, dass sich das Ausländeramt nicht bemühe und die Anträge sehr schleppend bearbeite. Bei der Ablehnung gebe es dann keinerlei Begründung. Die Asylbewerber tun sich sehr schwer damit, dass sie einerseits arbeiten, dann aber nichts davon hätten, weil der Verdienst mit dem Regelsatz abgezogen würde. Ein Asylbewerber komme ohnehin auf keinen Verdienst über 450 Euro monatlich.

Da verweist das Landratsamt auf die Arbeitsagentur, die sei für die Arbeitsaufnahme verantwortlich.“ Die Anträge werden von uns zügig bearbeitet, müssen aber an das Arbeitsamt Duisburg weiterleitet werden. Wartezeiten haben wir nicht zu vertreten.“ Das Gesetz schreibe vor, das Einkommen einzusetzen. Nach dieser Vorschrift werde berechnet, ob und wie viel Anspruch auf Sozialleitungen noch bestehe.

Schließlich gibt es noch Kritik an den Hochbetten, die nicht stabil genug seien. Größere und schwerere Männer müssten deshalb auf dem Boden schlafen.

Dazu erklärt Sarah Honold: „Die Hochbetten sind stabil genug. Aber einzelne Personen möchten nicht oben schlafen. Wenn die Matratzen auf den Boden gelegt und die Betten abgebaut werden, dann weil die Leute so schlafen möchten. Möglicherweise entspricht das ihren Schlafgewohnheiten.“

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