ASV-Ringer können ihre Topleistung nicht abrufen

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Germania Weingarten hatte, wie hier der Kubaner Alejandro Valdes (oben) Andrej Perpelita, im Halbfinale der Deutschen Ringerliga
Germania Weingarten hatte, wie hier der Kubaner Alejandro Valdes (oben) Andrej Perpelita, im Halbfinale der Deutschen Ringerliga den ASV Nendingen fest im Griff. (Foto: hkb)
Manuel Schust

Am kommenden Samstag findet der erste Finalkampf in der Deutschen Ringerliga (DRL) zwischen dem KSV Ispringen und Germania Weingarten statt. Zum Zuschauen ist der ASV Nendingen verdammt, der trotz vielversprechendem Kader Weingarten im Halbfinale zweimal deutlich unterlegen war.

Auch einige Tage nach der erneuten Niederlage gegen den Dauerrivalen aus Weingarten merkt man ASV-Geschäftsführer Markus Scheu die Enttäuschung über die beiden klar verlorenen Halbfinalkämpfe deutlich an: „Es gibt wirklich keine Entschuldigung dafür, dass wir zweimal derart chancenlos gegen Weingarten unterliegen“, findet Scheu deutliche Worte. Nach der blamablen 8:21-Niederlage im ersten Halbfinale brauchte man sich beim ASV vor dem Rückkampf keine allzu großen Hoffnungen mehr auf einen Finaleinzug machen. Dennoch wiegt das zweite, mit 9:19 verlorene Halbfinale schwer. Auch wenn der ASV nach der Absage von gleich fünf Siegringern nicht seine beste Mannschaft aufstellen konnte, hätte gegen Weingarten sicher mehr drin sein müssen.

„Als ich die Aufstellung beider Mannschaften gesehen habe, war ich mir ziemlich sicher, dass wir die Saison zumindest mit einem Sieg in Weingarten abschließen können“, schildert Scheu seine Erwartungshaltung vor Kampfbeginn. Doch was dann folgte, war ein erneuter Abend zum Vergessen. Der kubanische Weltmeister von 2018, Yowlys Bonne Rodriguez (60 kg, F), setzte seinen Abwärtstrend weiter fort und verlor gleich den Auftaktkampf in Weingarten gegen seinen Landsmann Reineri Andreu. Bonne war stark in die Saison gestartet, kassierte gegen die Germanen aber seine sechste Saisonniederlage in Folge – zu viel für einen Athleten, der ursprünglich als Leistungsträger und Siegringer eingeplant gewesen war.

Die zweite Auflage des kubanischen Gigantenduells zwischen Mijain Lopez (130 kg, G) und Oscar Pino ließ die Intensität des ersten Aufeinandertreffens vermissen. Nendingens Lopez hielt sich zwar schadlos, holte aber nur einen knappen Punktsieg gegen seinen elf Jahre jüngeren Landsmann.

Dass Sergej Baumann (63 kg, G) und Benjamin Raiser (72 kg, G) in ihren Kämpfen gegen internationale Topringer hohe Niederlagen einstecken mussten, war nicht überraschend. Dass Nendingen es aber selbst nicht schaffte, bessere Ergebnisse aus den Duellen gegen die deutschen Ringer in Reihen der Gastgeber zu erzielen, sollte sich rächen. Während Tarzan Maisuradze (97 kg, F) den erwartbaren hohen Sieg gegen Etienne Wyrich erringen konnte, musste sich Oleksandr Shyshman (87 kg, G) unerwartet klar gegen Jan Fischer geschlagen geben. Auch Daniel Cataraga (77 kg, G) tat sich gegen Ringer-Oldie Adam Juretzko in dessen Abschiedskampf überraschend schwer. Dem U23-Weltmeister des Vorjahres gelang nur ein hauchdünner Punktsieg gegen den 48-jährigen Juretzko, den er in der vergangenen Saison noch deutlich geschlagen hatte.

Was Markus Scheu über die Halbfinal-Niederlage gegen Weingarten resümiert, lässt sich auch problemlos als Saisonanalyse verwenden. „Wir haben es viel zu selten geschafft, unsere Topringer auf die Matte zu bekommen“, führt Scheu aus. Tatsächlich gelang es dem ASV über die ganze Saison nicht ein einziges Mal, Ex-Weltmeister Zurabi Iakobishvili oder Neuzugang Azamat Seitov einzusetzen. Auch mit Olympiasieger Sharif Sharifov (zwei Einsätze) und Georgi Vangelov (ein Einsatz) hatte der ASV große Namen im Kader, die aber zu selten ihre Klasse zeigen konnten. „Dazu kommt dann halt noch, dass unsere Leistungsträger im Saisonendspurt nicht mehr ihre Topleistungen abrufen konnte“, hadert Scheu mit seiner Mannschaft, die ihr hohes Potenzial nicht ausschöpfen konnte.

In der sportübergreifend wohl einzigen Profiliga Deutschlands, in der sich regelmäßig die Weltspitze in Form von Olympiasiegern, Welt- und Europameister gegenüberstehen, reicht das nicht für den großen Wurf. Während mit Weingarten und Ispringen die beiden Topteams im Finale stehen, muss der ASV in der im September startenden Saison einen erneuten Anlauf auf den Titel unternehmen.

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