Archie Clapp gibt dem Publikum eigenwillige Erziehungstipps

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Mann liest aus einem Buch vor
Archie Clapp gibt dem Publikum in der Angerhalle ganz eigenwillige Erziehungstipps. Mit seinem Programm Programm „Scheiße Schatz, die Kinder kommen nach dir!“ begeisterte er rund 240 Zuhörer. (Foto: Simon Schneider)
Simon Schneider

Archie Clapp dürfte der Ansprechpartner Nummer eins bei Erziehungsfragen sein, zumindest wenn man sich davon einen amüsanten Comedyabend erhofft. Genau diesen haben rund 240 Zuhörer in der Möhringer Angerhalle am Freitagabend in voller Bandbreite bekommen. Der Komiker hat mit seinem Programm „Scheiße Schatz, die Kinder kommen nach dir!“ Lacher am Fließband produziert.

Zugegeben, entpuppten sich seine Antworten auf Erziehungsfragen vielleicht nicht gerade als Geheimtipp und sind in der Praxis nicht zu empfehlen, dafür aber umso lustiger. Die Besucher nutzten die Möglichkeit, um Fragen aufzuschreiben, die Archie Clapp gerne beantwortete. „Was sage ich zu meinem Sohn, wenn er wissen will, wo er herkommt?“, schrieb eine Zuschauerin auf. Seine Antwort: „Amazon“. Und was sagt Archie, wenn sein Sohn ihm beim ersten Joint rauchen erwischen würde? „Wo hast du mein Gras gefunden?“. Und kann man eigentlich seine fünfjährige Tochter noch in die Babyklappe legen? Der Erziehungsexperte sagt: „Ja, wenn sie Kleinwüchsig“ ist.

Zunächst betrat Archie Clapp aber mit Sorgen die Bühne in der Möhringer Angerhalle, gab zu, dass er nochmals Vater geworden ist. „Ich weiß nur noch nicht, wie ich es meiner Frau erkläre.“ Der Saal lachte. Seine Witze stammen aus dem typischen Familienalltag. Anlaufschwierigkeiten? Fehlanzeige! Sein Publikum lachte von Beginn an mit. Sein loses Mundwerk kam an. Kurzweilig gestaltete er seine Komik, auf die Pointen mussten seine Fans nicht lange warten. Ein Lacher folgte dem nächsten im Minutentakt, sodass viele über den zweistündigen Comedyabend ein Dauergrinsen im Gesicht hatten.

Im ersten Teil betrat er mit Kappe die Bühne, nach der Pause setzte er seinen irokesenähnlichen Haarschnitt und sein buntkariertes Sakko in Szene. Egal in welchem Outfit, woher sein „harter Humor“ kommt, weiß er genau: von seiner englischen und liebenswerten Oma. Dazu lieferte er direkt den Beweis und blickte dabei auf sein 13. Lebensjahr zurück, als er gemeinsam mit ihr ins Grab des verstorbenen Großvaters blickte und seine Oma fand: „Was für eine Verschwendung, er ist seit fünf Jahren das erste Mal steif und man kann nichts damit anfangen.“

Das Publikum lachte erneut. Sein harter Humor traf auf offene Ohren. Auch vor Tabuthemen, wie Fetisch oder Kiffen, schreckte er nicht zurück und präsentierte sie mit durchdachtem Humor.

Immer wieder lief er an seinen Sitzplatz, las aus seinem „Erziehungsbuch“ vor, wie er es bezeichnete – von der Schwiegermutter bis zur Notaufnahme. Und auch als Clown sorgte er für genügend Abwechslung in seinem Programm. Dabei ließ er mit Krawatte und in bunter Kleidung in seiner Show das ein oder andere Kondom auf seinem Kopf platzen, balancierte Gegenstände auf seiner Nase oder schoss aufgeblasene Modellierballons in die Ränge. Egal was, das Publikum feierte den Komiker. Seine Zaubertricks verblüfften anscheinend genauso die Häftlinge der JVA Berlin. Denn dort hatte der Familienvater einen Auftritt, zuvor sollte er aber an die Anstalt Plakate schicken. Archie fragte sich: „Warum dort Werbung machen? Die können eh nirgendwo hin.“

Und als er erfuhr, dass sich für lustige Auftritte nur wenige Häftlinge interessieren, erklärte er lieber Zaubertricks, genauer gesagt: „Verschwindetricks“. „Der Raum war mit Häftlingen voll“, so der Meister seines Fachs.

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