Alles aus Papier: Ausstellung im Landratsamt Tuttlingen eröffnet

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Eigentlich nur schwarze Papierbahnen: Künstler Daniel Erfle, Kunsthistorikerin Anne Schaich und Landrat Stefan Bär betrachten ge
Eigentlich nur schwarze Papierbahnen: Künstler Daniel Erfle, Kunsthistorikerin Anne Schaich und Landrat Stefan Bär betrachten gemeinsam eines der ausgestellten raffinierten Kunstwerke. (Foto: siegrid bruch)
Siegrid Bruch

Hans-Joachim Schuster wies auf die Begleitveranstaltungen hin: Am Donnerstag, 28. März, um 16.30 Uhr im Foyer des Landratsamtes „Daniel Erfle im Gespräch“ und am Donnerstag, 11. April, um 16 Uhr, Atelierbesuch bei Daniel Erfle mit Atelierausstellung.

„Wer würde erwarten, dass man mit einem flachen Stück Papier so viel Raum schaffen kann?“ Diese Frage hat die Kunsthistorikerin Dr. Anne Schaich gestellt, die am Mittwochabend im Foyer des Landratsamtes in die Ausstellung „Da-Zwischen – In-Zwischen – Zwischen-Durch“ von Daniel Erfle einführte.

Vor allem jüngere Arbeiten wie Papierplastiken und Papierrisse werden bis einschließlich 18. April gezeigt. Die Kunsthistorikerin vergleicht die schwarzen Papierbahnen mit Sonetten – und sie zitierte zu Beginn das Gedicht „Natur und Kunst“ von Goethe, in dem es heißt: „In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister“. Denn das Wunderbare an diesen strengen Kunstformen sei, dass aus der formalen Beschränkung eine Vielfalt erwächst, dass sie geradezu aufblühen, indem sich das Werk aus der gegebenen Form herauswindet und ganz eigene Räume erobert.

Räumlichkeit im Luftraum

Daniel Erfle setzt dies um, mit der bewussten Beschränkung der Mittel wird ein unerwartetes Ergebnis erzielt. Im Foyer zeigt sich damit mehr Raum vor, unter und hinter den Skulpturen (und vor allem „dazwischen“). Oben im Foyer schwebt eine riesige Raum-Produktionsanlage, eine Papierbahn, die gewellt und geschwungen dem Luftraum erst Räumlichkeit verschafft.

Der abmessbare Raum ist aber nicht das, worauf es dem Künstler ankommt. Es geht ihm um den gedanklichen Raum, der sich eröffnet, so Anne Schaich. Man kann in diesen Plastiken lustwandeln, mit dem Auge oder dem Geist und unbekannte Wege gehen. Die Beschränkung des Künstlers bezieht sich indessen nicht nur auf die Ausgangsform der Objekte, sondern auch auf ihr Material: einfaches schwarzes Tonpapier, gerissen, verleimt und verdrahtet, mit Gips bestäubt, fast asketisch. Für das Material gilt ebenso: aus der Beschränkung erwächst die Fülle. Auch die Dimension Zeit spielt bei den Plastiken eine Rolle, denn sie sind meist zu unendlichen Schleifen zusammengeklebt. Der Zusammenhang zwischen Zeit und Raum wird an Erf-les Skulpturen fast modellhaft deutlich. Dazu kommen noch die Komponenten Licht und Schwerkraft hinzu. Was der Künstler den physikalischen Theorien voraus hat: Man kann all diese Begriffe in einem Modell sehen und sogar annähernd begreifen.

Landrat Stefan Bär würdigte zu Beginn der Ausstellung das Werk von Daniel Erfle und sprach über seine Vita. Nach dem Besuch der Kunstgewerbeschule in Zürich habe er bei verschiedenen Bildhauern hospitiert und eine Steinbildhauerlehre absolviert. Aufgrund einer Entzündung am Handgelenk habe sich Erfle vor 20 Jahren dem Werkstoff Papier zugewandt. Seit 1987 unterhält der Künstler ein Atelier in Emmingen-Liptingen. Bis 2017 war Erfle Dozent an der Jugendkunstschule in Tuttlingen.

Die Ausstellung wurde von Rafael Diesch am Vibraphon musikalisch umrahmt.

Hans-Joachim Schuster wies auf die Begleitveranstaltungen hin: Am Donnerstag, 28. März, um 16.30 Uhr im Foyer des Landratsamtes „Daniel Erfle im Gespräch“ und am Donnerstag, 11. April, um 16 Uhr, Atelierbesuch bei Daniel Erfle mit Atelierausstellung.

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