Adem Sari: „Wir haben grandios gespielt“

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 Die Trossinger Abwehr (weiß) war mehrmals nicht auf der Höhe. Hier zappelt der Ball (ganz links) nach dem Schuss von Sebastian
Die Trossinger Abwehr (weiß) war mehrmals nicht auf der Höhe. Hier zappelt der Ball (ganz links) nach dem Schuss von Sebastian Nann (nicht im Bild) zum zwischenzeitlichen 3:0 für den SV Gosheim im Netz. (Foto: hkb)
Sportredakteur
Markus Peiker und Hans Herrmann

Jubel beim SV Gosheim, Ernüchterung in Trossingen – davon sowie einem starken Zimmerner Torhüter Chris Fast und erfolgreichen Geisingern lesen Sie heute in der Nachspielzeit.

Das war nix, was die SpVgg Trossingen am Sonntag bei der 1:3-Niederlage gegen den SV Gosheim abgeliefert hat. Vier Tage nach der Trennung von Trainer Mario Bibic mussten sich die Musikstädter zum dritten Mal in Folge vor eigenem Publikum geschlagen geben. Mit hohen Erwartungen und Ansprüchen gestartet, findet sich die Mannschaft nach acht Spielen mit neun Punkten auf dem neunten Platz wieder.

Rosario Vetere, der vom Co-Trainer zum Chefcoach aufgestiegen ist: „Ich hatte nach dem 3:0-Sieg in Winzeln gedacht, dass die Spieler wieder Selbstvertrauen haben. Aber das war nicht so. Wenn wir im Ballbesitz waren, ist jeder gestanden, keiner wollte den Ball. Schon nach fünf Minuten hat man gesehen, da stimmt was nicht, da war kein Feuer zu spüren.“ Die Laufbereitschaft ließ zu wünschen übrig und Abwehrfehler machten es den Gästen leicht, zum ersten Saisonsieg zu kommen. Vetere: „Der Elfmeter hat Gosheim in die Karten gespielt. Wenn es länger 0:0 steht, bekommen wir vielleicht das Spiel in den Griff. Dann kommt bei einer 4:1-Überzahl von uns, als aber keiner drauf geht, auch noch das 0:2.“

Die Trossinger traten am Sonntag auch nicht wie eine Mannschaft auf. „Wir haben gute Einzelspieler, aber um Erfolg zu haben, geht es nur über das Team“, sagte Vetere.

Der Rückstand auf Tabellenführer SC 04 Tuttlingen, mit dem die Trossinger vor der Saison als heißer Titelkandidat gehandelt wurden, beträgt 13 Punkte. „Wir müssen uns nun anders orientieren“, sagt Markus Stegmann, Vorsitzender Sport der SpVgg. Und Trainer Vetere will nun auch nichts überstürzen: „Wir müssen die Ruhe bewahren, Aufbauarbeit leisten und dann schauen, dass wir Punkte holen.“

Beim SV Gosheim war nach dem Spiel die Erleichterung über den ersten Saisonsieg spürbar. Mit dem Schlusspfiff brandete Jubel bei den Spielern, Betreuern und Zuschauern auf. „Wir haben einen Sieg und drei Punkte gebraucht. Wir haben grandios gespielt, Hut ab vor meiner Mannschaft“, freute sich Spielertrainer Adem Sari. Seine Mannschaft war im Gegensatz zur Vorwoche beim 0:1 gegen den SC 04 Tuttlingen wesentlich offensiver ausgerichtet. „Wir haben versucht, unser Spiel zu spielen, vorne zu pressen, und dann mutig in die Tiefe zu spielen. Wir haben uns super Torchancen herausgespielt und diese gut ausgenutzt.“

Die frühe 2:0-Führung nach 16 Minuten gab dem Gosheimer Team Sicherheit. Ali Sari zog im Mittelfeld die Fäden, die Mannschaft überzeugte nicht nur kämpferisch, sondern auch spielerisch. Adem Sari: „Wir haben auch in den vergangenen Wochen nicht schlecht gespielt. Aber wir hatten ein bisschen Pech mit dem letzten Pass und im Abschluss.“ In Trossingen fanden auch mutige Zuspiele in die Spitze ihren Abnehmer, doch bei zwei guten Konterchancen verhinderte der SpVgg-Torhüter Mustafa Avci den vierten Gäste-Treffer. „Uns hat zuvor ein Erfolgserlebnis gefehlt, damit wir Selbstvertrauen bekommen. Ich bin glücklich über den Erfolg. Er wird uns weiterbringen und nach vorne tragen“, blickt der Coach bereits den nächsten Aufgaben entgegen. Adem Sari: „Wir wissen, was wir können. Unsere Qualität entspricht nicht dem momentanen Tabellenplatz. Gerade in der Offensive haben wir einige gute Fußballer in unseren Reihen.“

In erster Linie ist da Sebastian Nann zu nennen. Der Kapitän trat in Trossingen als zweifacher Torschütze in Erscheinung und war an vielen gefährlichen Aktionen beteiligt. Spielertrainer Adem Sari droht in den nächsten Partien auszufallen. Er musste sich in der 45. Minute verletzt auswechseln. Sari: „Ich habe unten am Fuß etwas gespürt, denke, dass die Achillessehne vielleicht wieder angerissen ist.“

Torhüter Chris Fast rettet Sieg

„So ist Fußball“ – kaum treffender hätte Rottweils Sportkoordinator Oliver Wanner das 1:2 der eigenen Mannschaft im Landesliga-Lokalderby gegen den SV Zimmern kommentieren können. Da bestimmt der Aufsteiger die zweite Hälfte gegen den Lokalrivalen aus Zimmern eindeutig, erarbeitete sich Chancen um Chancen, scheiterte aber immer wieder am Teufelskerl im SVZ-Kasten, Torhüter Chris Fast.

Die Rottweiler Spieler verstanden nach der Partie die Welt nicht mehr. „Unfassbar, wie er diesen Ball noch um den Pfosten drehte“, war Rottweils Stürmer Marius Otte noch eine Stunde nach dem Derby fassungslos und sprach die Szene an, als sein Mannschaftskamerad Johannes Schick aus 20 Metern, per Direktabnahme, flach abzog, aber Chris Fast, den kurz vor ihm aufspringenden Ball noch mit den Fingerspitzen um den Pfosten drehte. Noch spektakulärer die Tat in der 85. Minute, als der SVZ-Keeper einen Kopfball des eingewechselten Andy Graf aus fünf Metern noch an die Querlatte lenkte. „Klar, benötigt man in solchen Situationen auch das nötige Glück“, sagte der junge SVZ-Torhüter nach dem Schlusspfiff. „Wir haben unserem Torhüter den Sieg zu verdanken“, sagte der zur Pause verletzt ausgeschiedene SVZ-Innenverteidiger Nino Eisensteck. Rottweils Stürmer Johannes Wenzler, der wie seine Mannschaftskameraden eine gute Partie machte, schüttelte nach dem Spiel den Kopf. „Da haben wir in der zweiten Halbzeit alles unter Kontrolle, auch Zimmerns Torjäger Christian Braun, und dann belohnen wir uns nicht. Das war einfach unfassbar.“

Das Derby am vergangenen Freitag vor rund 650 Zuschauern stand auch unter dem Motto „United by Football“, als offizielle Veranstaltung des württembergischen Fußballverbandes (WFV) zur deutschen Bewerbung um die Austragung der Europameisterschaft 2024 im eigenen Land. So war ein Infostand des WFV am Eingang im Rottweiler Stadion aufgebaut, an dem wo der neue Verbands-Spielausschussvorsitzende Harald Müller und WFV-Mitarbeiterin Rebecca Schiefers über die Aktion informierten. Als einer von 21 Landesverbänden des DFB hatte der WFV die Aufgabe, ein Amateurspiel für diese Aktion auszuwählen. Die Entscheidung fiel auf das Landesliga-Derby Rottweil gegen Zimmern.

„Wir haben uns beim WFV viele Gedanken gemacht, aber ich denke, die Auswahl hat gepasst. Der Rahmen war toll, die Zuschauerzahl ansprechend und auch das Spiel hatte alles, was von einem Derby erwartet wird“, sagte der Verbandsspielausschussvorsitzende.

Auch der Bezirksvorsitzende Marcus Kiekbusch (Aldingen) war zufrieden. „Als ich mit den Rottweiler Verantwortlichen sprach, waren diese gleich begeistert. Die ganze Organisation hat hervorragend geklappt und alles ist gut abgelaufen.“

Stark verbesserte Defensive

Dank Teamgeist und großem Einsatzwillen besiegte der SV Geisingen in der Landesliga Südbaden den FC Löffingen 4:1. Spielertrainer Marijan Tucakovic: „Die Mannschaft hat ihre Vorgaben perfekt umgesetzt. Mit dem neuen 4-2-3-1-Spielsystem hat sich mein Team als kompakte Einheit präsentiert. Dazu kam ein absoluter Siegeswillen.“

Vor allem die Defensive um Abwehrchef Alexander Othmer präsentierte sich gegenüber den vergangneen Spielen stark verbessert. Im Mittelfeld machten Johannes Amann und Peter Ochs die Räume zu und eroberten viele Bälle. Ein Sonderlob verdiente sich Linksverteidiger Antonio Zubcic, der trotz einer frühen Kopfverletzung mit weißem Turbanverband eine kämpferische Bravourleistung ablieferte.

Im Spiel nach vorne unterstrich der SV Geisingen seine Gefährlichkeit. Mit seinen Treffern vier und fünf war auf Torjäger Luca Arceri wieder einmal Verlass. Mit seiner Bulligkeit sicherte er den Ball in vielen Zweikämpfen. „Alle Spieler haben gut gearbeitet und vorbildlichen Einsatz gezeigt“, verteilte Trainer Tucakovic ein Gesamtlob.

Er selbst will nach seinem Handbruch in drei bis vier Wochen wieder auflaufen. Auch im Umfeld um den sportlichen Leiter Benjamin Degen gab es nur zufriedene Gesichter. Mit dem aktuellen sechsten Rang liegt man mehr als im Soll.

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