Acht Tuttlinger Projekte auf dem Prüfstand: Das hat sich seit 2006 getan

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Fast 13 Jahre ist es dieses Jahr her, dass in Tuttlingen zwei neue Bürgermeister ihr Amt antraten: 2006 wurden der Erste Bürgermeister Emil Buschle und Baubürgermeister Willi Kamm vom Tuttlinger Gemeinderat gewählt. 14 „Hausaufgaben“ hatte unsere Zeitung den beiden – gemeinsam mit Oberbürgermeister Michael Beck – zum Amtsantritt mitgegeben: brachliegende oder anderweitig lukrative Flächen, die es zu entwickeln galt.

Was ist daraus geworden? Nachdem Baubürgermeister Kamm sein Amt vergangenes Jahr krankheitsbedingt niedergelegt hatte, ist es Zeit, eine Zwischenbilanz zu ziehen. Hier zeigen wir, was aus acht der 14 Brachen geworden ist. Sechs weitere folgen in einer unserer nächsten Ausgaben.

1 – Pfauen-Brauerei

Das 5000 Quadratmeter große Areal an der Unteren Vorstadt lag seit Mitte der 1990er-Jahre brach, die Brauerei war aufgegeben worden. Schon früh entwickelte sich die Idee, dort ein Altenpflegeheim anzusiedeln. Die alten Firmengebäude wurden 2007 abgerissen. Mehrere Investoren interessierten sich dafür, sprangen jedoch wieder ab. Die Gründe waren vielfältig, problematisch waren bei der Bebauung aber vor allem die tiefen Keller der Brauerei. Erst 2014 war die Zusage der Aktiv Wohnbau aus Neckarsulm von Dauer. Das Pflegeheim mit 100 Plätzen wurde Ende 2018 fertig, noch im Bau sind vier Häuser mit insgesamt 32 Wohnungen im hinteren Bereich des Areals.

2 – Alte Feuerwache

Für das Grundstück der alten Feuerwache hatte die Stadtverwaltung unfreiwillig mehr Zeit als geplant. Eigentlich hätte die Wehr schon 2010 an den neuen Standort in der Stockacher Straße umziehen sollen. Aufgrund der Finanzkrise verschob sich der Bau der neuen Feuerwache aber. Erst 2016 wurde sie fertiggestellt. Den Investorenwettbewerb für das Grundstück der alten Feuerwache an der Königstraße/Gaußstraße gewann die FWD Hausbau aus Dossenheim. Neun Gebäude mit 79 Wohnungen sollen bis 2020 entstehen.

3 – Bahnhofsvorplatz

Ein paar Wartehäuschen mehr, dazu einige Baumreihen, ansonsten sieht der Tuttlinger Bahnhof aus wie vor 13 Jahren. Zwar hat sich an der Umgebung einiges getan – die Bundesstraße wurde ausgebaut, der Aesculap-Kreisel neu gebaut, die Firma Aesculap mehrfach erweitert – jetzt erst soll es aber ans Gebäude und den Vorplatz gehen: Die Co-Eigentümer, Aesculap und die Stadt Tuttlingen, haben einen Investorenwettbewerb für die Umgestaltung ausgeschrieben. Das Gebäude soll saniert, mehr Parkraum geschaffen und ein neues Wohn- und Geschäftshaus gebaut werden. Sechs Interessenten haben es in die nächste Runde geschafft, Ende Februar 2019 sollen sie konkrete Vorschläge vorlegen.

4 – Gränzbote-Areal

Das alte Gränzbote-Gebäude stand an der Königstraße/Gutenbergstraße. Nach dem Umzug ins neue Haus in der Jägerhofstraße 2005 wurde es abgerissen und als Standort für ein Hotel und Wohnungen ausgelobt. Die Tuttlinger Wohnbau nahm sich 2009 dem Projekt an, Investor wurde die Fibona-Gruppe, die seit April 2013 dort das Légère-Hotel betreibt. Aus Alternativplänen, dort ein Ärztehaus anzusiedeln, wurde nichts.

5 – Birk-Areal

Die Kartonagenfabrik Birk war den Stadt-Häuptlingen wegen der zentralen Lage zwischen Zeughaus-/Karl- und Wilhelmstraße lange ein Dorn im Auge. Eine Ersatzfläche in Tuttlingen gab es für die Firma nicht. 2012 verkaufte Birk das Gelände an die Stadt, 2013 zog die Firma nach Messkirch um. Zuerst hatte sich ein privater Investor vergeblich um eine Neuentwicklung bemüht, dann kaufte die Tuttlinger Wohnbau 2013 die Fläche und baute darauf die Tuttlinger Höfe, vier Wohnhäuser. Das fünfte Haus, der Kopfbau an der Bahnhofstraße, wurde 2018 fertiggestellt.

6 – Straßenbau Storz

Stolze 40 000 Quadratmeter misst das Gelände, auf dem die Straßenbaufirma Storz an der Nendinger Allee zuhause ist. Heute sieht es genauso aus wie 2006. Seit Jahren laufen die Gespräche zwischen der Stadt und den Firmeninhabern über eine Verlagerung, ein Grundstück nahe der A 81 bei Tuningen ist avisiert. Letztlich hänge es nur noch am Preis, den die Stadt bereit sei zu zahlen, heißt es hinter den Kulissen. Offiziell erwartet die Stadt 2019 eine Einigung. Das Gelände gilt als „Jokerfläche“ der Stadtentwicklung, zuletzt war eine Wohnbebauung angedacht.

7 – Alte Stadtgärtnerei

Das Gelände der alten Stadtgärtnerei an der Nendinger Allee ist derzeit eine Wiese. In den Nullerjahren war eine Nutzung für ein Hotel oder Gewerbe angedacht. Aktuell wird das Projekt nicht konkret verfolgt. „Mit Blick auf die weiteren Pläne für das Straßenbau-Storz-Areal macht es Sinn, diesen Bereich gemeinsam zu überplanen“, teilt Stadtsprecher Arno Specht mit.

8 – Ludwig-Uhland-Realschule

Sie galt als unsanierbar, der Abriss war 2007 fest geplant, dann schwenkte die Stadt um: 2009 stellte sie die alte Ludwig-Uhland-Realschule an der Uhlandstraße der Hochschule Furtwangen zur Verfügung. Nach einer Generalsanierung ist es heute offiziell Gebäude B des Hochschulcampus Tuttlingen. Die Realschule war 2007 in einen Neubau an der Werderstraße umgezogen.

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