60 Katzen und zahlreiche Kaninchen: Tuttlinger Tierheim platzt aus allen Nähten

 Rund 60 Katzen befinden sich momentan im Tuttlinger Tierheim.
Rund 60 Katzen befinden sich momentan im Tuttlinger Tierheim. (Foto: Klaus-Dietmar Gabbert)
Redakteurin

Rund 60 Katzen, zahlreiche Nager und viele andere Tiere: Das Tuttlinger Tierheim ist aktuell so voll wie schon lange nicht mehr. Eine Besserung ist erst einmal nicht in Sicht, weiß Tierheimleiterin Birgit Ströhle. Denn es werden weitaus mehr Tiere gebracht, als geholt.

„Im Moment ist es wirklich extrem“, bilanziert Birgit Ströhle. Ganz besonders seien es grade Kaninchen und Katzen, die im Tierheim abgegeben werden. „Wir bekommen aktuell täglich Mails von Katzenbesitzern, die ihre Tiere nicht mehr haben wollen“, sagt die Leiterin.

Unterschiedliche Gründe für Abgaben

Und woran liegt das? „Die Gründe dafür sind ganz unterschiedlich. Und natürlich zum Teil auch nachvollziehbar“, sagt sie und nennt einige Beispiele: „Oft sind die Besitzer verstorben und die Familie möchte das Tier nicht selbst aufnehmen. Einige haben sich mit der Verantwortung übernommen und wieder andere bringen Tiere, die sie gefunden haben“, sagt sie. So hätte man ihr vor einiger Zeit ein Kätzchen gebracht, das an einer Haltestelle in einem Karton in Emmingen-Liptingen ausgesetzt wurde - vollkommen durchnässt vom Regen. „So etwas ist natürlich schlimm“, sagt Ströhle.

Tierarzt wird teurer

Ein weiterer Grund seien die Kosten. Denn auch wenn man aktuell beim Futter noch keinen großen Preisanstieg spürt, ändert sich das ab kommenden Monat beim Tierarzt. Denn wer ein Haustier besitzt, muss ab Oktober tiefer in die Tasche greifen – und das erstmals seit mehr als 20 Jahren.

Denn die Gebühren für Behandlung und Untersuchung erhöhen sich. „Die Höhe der einzelnen Gebühr bemisst sich, soweit nichts anderes bestimmt ist, nach dem Einfachen bis Dreifachen des Gebührensatzes“, heißt es in der Gebührenordnung. Heißt also, wer früher für eine Untersuchung mit Beratung für seine Katze laut Gebührenverordnung 8,98 Euro gezahlt hat, muss künftig 23,62 Euro zahlen. Ähnlich ist es bei den Hunden, deren Untersuchung und Beratung vorher 13,47 Euro und nun ebenfalls 23,62 Euro kostet.

„In Anbetracht dessen glaube ich nicht, dass sich die Situation hier bald verbessert“

Birgit Ströhle

Diese Kosten können und wollen viele nicht mehr stemmen. „Das Problem ist, dass sie die Kosten dann einfach auf uns umgewälzt“, sagt Ströhle. Und in Anbetracht der finanziellen Situation sei das kein Kinderspiel. „An die kommenden Tank- und Stromrechnungen möchte ich jetzt noch gar nicht denken“, sagt die Leiterin mit Sorge. Ein weiteres Problem: Die Spenden sind extrem zurückgegangen. „Geld, das wir eigentlich unbedingt brauchen, damit uns das Wasser nicht bis zum Hals steht. Wir hoffen, dass die Leute wieder spendenfreudiger werden“, sagt Ströhle.

Tierheim am Ende der Kapazität

Die Situation sei so angespannt, dass das Tierheim aktuell keine Katzen mehr aufnehmen kann. „Da müssen wir dann eine andere Lösung finden“, sagt sie. Aber viel mehr Kapazität gebe es einfach nicht. „Wir sind zu voll“, fasst sie zusammen. Viele Tiere, die aktuell im Tierheim leben, könnten nach einer Prüfung direkt vermittelt werden. Auch ganz kleine Katzen, die normalerweise beliebt sind, gebe es viele. „Allerdings vermitteln wir die nur zu zweit, damit sie einen Spielkameraden haben“, sagt sie.

Trotz der kritischen Situation sei es besser, die Tiere im Tierheim abzugeben, als sie auf sich alleine gestellt auszusetzen, betont die Leiterin. Denn am schlimmsten sei es „, die Türe hinter einem Haustier zu und dann einfach nie wieder aufzumachen“.

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