3400 Kilometer zu Fuß bis Moskau

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Der Schweizer Christian Zimmermann kommt auf dem Weg nach Moskau mit seinem Einkaufswagen in Tuttlingen vorbei.
Der Schweizer Christian Zimmermann kommt auf dem Weg nach Moskau mit seinem Einkaufswagen in Tuttlingen vorbei. (Foto: Simon Schneider)
Simon Schneider

Eine ungewöhnliche Reise unternimmt derzeit der Schweizer Christian Zimmermann. Von seinem Heimatort Flumenthal hat er sich auf den 3400 Kilometer langen Weg bis in Russlands Hauptstadt Moskau aufgemacht und ist am vergangenen Samstag entlang der Donau durch Tuttlingen gezogen.

Was für viele eine Vision bleibt oder sich wie ein Scherz anhört, ist für Zimmermann derzeit Realität. Er legt von seinem Schweizer Wohnort Flumenthal einen 3400 Kilometer langen Fußmarsch bis nach Moskau zurück. Und der Schweizer weiß, was er da tut und auf sich nimmt. Denn bereits 2016 zog er über 3000 Kilometer quer durch Australien, schrieb darüber sogar das Buch „TransAustralia“. „Mit meinem Bruder Andreas mache ich seit vielen Jahren Multivisionsshows und Live-Reportagen. 1993 erlebten wir unsere erste und einzige Reise zusammen mit dem Kanu. Es folgten viele Reiseshows, beispielsweise über Land und Leute in Kuba“, erzählte Zimmermann unserer Zeitung bei seinem Zwischenstopp in Tuttlingen. 2015 verspürte der Schweizer dann den Drang, „wieder etwas Abenteuerliches zu machen“. Dabei stand der rote Kontinent ganz oben auf seiner Wunschliste.

Und nun startete er am 5. Mai in seinem Heimatdorf mit einer Abmarschparty in die weite Welt. Auf seinem langen Fußmarsch bekommt der 50-Jährige Unterstützung von Mrs. Molly, die bei jedem Schritt seine ständige und treue Begleiterin ist und auf die er sich verlassen kann. Dabei handelt es sich um einen umfunktionierten und derzeit 92 Kilogramm schweren Einkaufswagen.

„Mein Bruder kam auf die Idee mit dem Einkaufswagen“, verriet er. Bei seiner Reise durch Australien stellte ihm eine Firma diesen Einkaufswagen zur Verfügung und rüstete diesen passend für seinen langen Trip um. Die Achsen sind verstärkt, die Räder sind stabiler und größer als gewöhnlich und auch ein Deckel ist drauf. Den Radabstand stellte er für seine Reise nach Moskau wieder auf Originalzustand, damit Mrs. Molly durch alle Türen passe. „Ich habe den Einkaufswagen zusätzlich mit einer Teichfolie wasserdicht ausgekleidet“, fügte der Fotograf hinzu. Selbstgespräche führe er während seiner langen Reise nicht. „Dafür ist Mrs. Molly hier. Sie hört mir zu und widerspricht mir nicht“, verriet Zimmermann mit einem Augenzwinkern.

Zelt, Matte, Schlafsack, seine Kamera, Kleider, eine Jacke zum Wechseln, eine Kappe, Hygieneprodukte, Pflaster, Proviant und neun Liter Wasser gehören zu seiner Ausrüstung. „So muss ich nicht unbedingt am Abend bis ins nächste Dorf laufen, um was zu trinken.“

Am Anfang seiner Route legt der Schweizer zwischen 25 und 30 Kilometer pro Tag zurück. „Der Körper muss sich erst daran gewöhnen“, findet Zimmermann, der sich nicht bewusst mit einem Sportprogramm auf diese Reise vorbereitete. Häufig schläft er im Zelt. Es gibt aber auch Tage, an denen er in einem Gasthaus übernachtet und dort auch die kulinarischen Spezialitäten aus den Regionen verspeist. Gefällt es ihm an einem Ort besonders, plant er auch mal eine längere Rast ein. Eine genaue Zeitvorgabe, um sein Ziel zu erreichen, habe er nicht. Von Verletzungen, bis auf Blasen und kleinere Wehwehchen blieb er bisher verschont.

Nachdem Zimmermann in der Schweiz den Fluss Aare bis zum Rhein entlanglief, überquerte er diesen bei Koblenz und lief die Wutach entlang. Über Blumberg und Immendingen gelangte er schließlich nach Tuttlingen. „Es ist wunderschön hier entlang der Donau durch Tuttlingen zu wandern. Die Strecke ist flach, die Region sehr sympathisch und die Leute sind nett“, freute er sich beim Gang durch Tuttlingen.

Begegnungen mit verschiedenen Menschen erlebte der 50-Jährige viele: „Die Leute, mit denen ich ins Gespräch komme, sind fasziniert von dem, was ich unternehme. Die kleinen Geschichten am Wegesrand sind die spannendsten“, berichtete er.

Für Zimmermann ging am vergangenen Wochenende die Reise über das Donautal und entlang der Donau weiter in den Landkreis Sigmaringen. Über Regensburg und Wien will er in rund vier Monaten nach insgesamt 3400 Kilometern glücklich und zufrieden Moskau erreichen – hoffentlich mit noch genug Profil an den Schuhen.

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