Ärgerlich für Passagiere: Tuttlinger Busfahrer streiken

Lesedauer: 6 Min
Tuttlinger Busfahrer streiken
Die Tuttlinger Busfahrer treten am Donnerstag in den Streik. Für die Fahrgäste hat das deutliche Auswirkungen.
Claudia Steckeler

Rote Fahnen am Tuttlinger ZOB: Mehrere Busfahrer haben am Donnerstag gestreikt. Die innerstädtischen Linien wurden deshalb nur mittels eines Notfallplanes bedient, der Überlandverkehr fiel zum Teil aus. Die streikenden Busfahrer machten indes mit gelben Westen und Trillerpfeifen lautstark auf sich aufmerksam.

Betroffen war das Unternehmen Stadtbus Klink. Von 30 Bussen, die es im Stadtverkehr täglich betreibt, waren am Donnerstag nur zehn im Einsatz. Von 45 Fahrern waren nur vier am Steuer, die meisten anderen hatten sich dem Aufruf zum Streik angeschlossen. „Wir konnten aber einige Mitarbeiter mit Busführerschein aus der Verwaltung abziehen“, sagt Frank Seeger, Betriebsleiter bei Klink. Mit ihnen hätten die Busse gemäß Notfallfahrplan fahren können. Dafür haben auch die Busfahrer Verständnis: „Wir wollten wichtige Linien, wie zum Beispiel zum Krankenhaus, nicht ausfallen lassen“, erklärte Busfahrer Thomas Hoser, der dem Betriebsrat angehört und zu den ältesten Beschäftigten des Busunternehmens gehört.

Andere Unternehmen nicht tarifgebunden

Andere Linien im Landkreis Tuttlingen wurden nicht bestreikt und fuhren regelmäßig. Das liegt daran, dass das Unternehmen, das den Trossinger und Spaichinger Bereich bedient, im Gegensatz zu Klink nicht tarifgebunden ist.

Den Busfahrern, die am Donnerstag auch in anderen Städten in Baden-Württemberg zu Warnstreik zusammenkamen, geht es um eine Lohnerhöhung von 5,8 Prozent für zwölf Monate. Der Arbeitgeberverband WBO will diese Erhöhung auf drei Jahre strecken. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, die die Verhandlungen führt, hat das abgelehnt.

Er habe bedingt Verständnis für den Unmut der Fahrer, sagte Frank Seeger, Betriebsleiter bei Stadtbus Klink, unserer Zeitung. Er könnte sich auch eine Verteilung der Lohnerhöhung auf zwei Jahre vorstellen. In einer Pressemitteilung des WBO heißt es: „Mindestens 24 Monate Laufzeit beim Lohntarifvertrag – wie in den Vorjahren – ist für die Betriebe von existenzieller Wichtigkeit.“

Um die 2800 Euro monatlich

Nach Angaben der Tuttlinger Busfahrer verdienen sie bei einer 39-Stunden-Woche im Schnitt etwa 2800 Euro brutto monatlich. Laut Seeger kommen mit Schichtzulagen noch etwa zehn Prozent monatlich dazu.

Ärgerlich sei aber die tägliche Arbeitszeit, hieß es vor Ort am ZOB. Sie liege oft bei 13 bis 14 Stunden. „Wir bekommen aber nicht alle bezahlt, vor allem auch die vorgeschriebenen Pausen, die mittels eines Fahrtenschreibers auch überprüft werden, werden nicht bezahlt“, so Busfahrer Hoser. Unmut ruft auch hervor, dass die Fahrer nur noch wöchentliche statt monatliche Arbeitspläne erhalten. Private Termine könnten so nur schlecht geplant werden.

Streik der Busfahrer geht weiter
Der Streik der privaten Busunternehmen geht weiter - heute haben auch Busfahrer in den Kreisen Ludwigsburg und Böblingen für einen ganzen Tag ihre Arbeit niedergelegt.

„Einige Schichten sind nicht ideal“, räumt auch Betriebsleiter Seeger ein. Allerdings bei weitem nicht alle. Einer von 36 Diensten am Tag habe eine Vier-Stunden-Pause. Diese Schichten würden per Rotationsprinzip gleichmäßig auf die Fahrer verteilt. Was die Schichtpläne angehe: „Auch uns wäre ein Monatsplan lieber“, sagt Seeger. Die Erfahrung, vor allem mit neuen Fahrern, habe aber gezeigt, dass ein Monatsplan mit zahlreichen Änderungswünschen verbunden sei. Ein Wochenplan, bei dem schon vorab Wünsche möglich seien, habe sich da als pragmatischer erwiesen.

Am Montag, 18. Februar, wollen die beiden Parteien erneut verhandeln – und möglichst eine Einigung erzielen.

Busverkehr teilweise lahmgelegt
In Göppingen sind die Busfahrer heute auf die Straße gegangen.
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen