Robert Alan
Robert Alan (Foto: Claudia Steckeler)
Claudia Steckeler

Der dritte Krähe-Abend ist mit einer Überraschung gestartet: Moderator Matthias Brodowy hat als ersten Teilnehmer nicht Don Clarke angekündigt, sondern Robert Alan. Don Clarke fiel krankheitsbedingt aus. In die Bresche gesprungen ist Robert Alan, der am Morgen davon erfuhr, und aufgrund der „Pünktlichkeit“ der Deutschen Bahn erst um 19.59 Uhr in der Angerhalle in Tuttlingen-Möhringen eintraf. Kurz darauf stand er schon auf der Bühne.

Robert Alan: Mit Elvis geht’s los

Robert Alan startete diesen dann auch gleich mit einem Elvis-Klassiker, „Love me tender, love me…“, und versetzte das Publikum in Rock’n’Roll-Stimmung – jedoch nicht lange: Denn Alan scheint charmant, nett und lieb zu sein, auf den ersten Blick. Doch dann entpuppt er sich als wortgewandter Provokateur. Überhaupt nicht brav, sondern augenzwinkernd frech.

Wenn er von seinem Werdegang vom Rapper zum Komiker erzählt, dabei gekonnt Poetry-Slam einbaut, in einem Songs behauptet, „dass alles besser wird, wenn man es mit Käse überbäckt, außer den Nazis“, hinterfragt was aus dem eigenen Leben geworden ist, „der Opa war Nazi, der Vater Hippie und du bist vegan“, oder verschmitzt feststellt, dass „Sex ohne Hintergrundmusik wie Schnitzelklopfen ist“, amüsierte sich das Publikum köstlich.

Quichotte gegen Windmühlen

Danach ging es „mit dem Kämpfer gegen Windmühlen der seichten Unterhaltung“ weiter, wie Quichotte ankündigte. Eigentlich Lehrer, entschied er sich für Stand-Up-Comedy, Slam-Poetry, Hip-Hop und Rap. Dabei erklärte ihm sein Vater: „Ich weiß nicht, ob das so gut ist mit dem Rap-Shit, du bist doch schon über 30.“ Doch Quichotte wäre nicht Quichotte, wenn er sich aufhalten ließe. Charmant, aber treffend hintergründig erzählt er scharfzüngig skurrile Geschichten aus dem Alltag.

Zu der Tatsache, dass seine Freunde angesichts der Wunschkinder total überfordert und enttäuscht sind, hatte er mit seinem sarkastischen Song „Bring die Kinder ins Heim, dann seid ihr endlich allein, sie werden euch irgendwann verzeih‘n“, eine Lösung parat. Super: sein nachdenklicher, aufrüttelnder Orchester-Abschluss, bei dem jedes Instrument einem Land zugeschrieben wurde – und am Ende trotz aller unterschiedlicher eingebrachter Melodien und Klänge, einem Kammerspiel in Dur, unter dem Dirigenten Hoffnung zu einer Einheit verschmolz.

Josef Brustmann, der Oberbayer

„Es wird immer behauptet, dass wir Oberbayern Preußenfresser sind“, bemerkte Josef Brustmann in seiner ruhigen, besonnenen Art. „Das stimmt nicht, denn was wir nicht mögen, essen wir auch nicht.“ Der Musikkabarettist servierte dem Publikum trocken und geraderaus so manchen deftigen Witz: „In Bayern gibt es eine seltene Vogelrasse“, zum Beispiel, „die trägt ihren Schwanz vorne: die Regensburger Domspatzen“, klärte er auf, um dann gleich noch mit „Dabei hat der Kardinal Ratzinger lieber den Spatz in der Hand als ...“, einen drauf zu setzen, so dass der eine oder andere im Publikum erst mal tief Luft holen musste, bevor er lachte. Bei seinem „Gstanzl“ in Urbayrisch brauchte es für alle erst einmal eine Übersetzung, aber köstlich war es trotzdem wie er sich auf der Diatonischen begleitet, oder auf der Zither den AC/DC-Song „Highway to hell“ zum Besten gab.

Duo Full House macht Abschluss

Zum Abschluss des dritten Krähe-Abends servierte das Duo Full House Action-Comedy mit vollem Körper-, Stimmen-, Mimik- und Musikeinsatz. In ihrer tempogeladenen Show lieferten sich Henry aus New York und Gaby aus dem schweizerischen Effretikon, in einem turbulenten Wettstreit witzige Wortgefechte, spontane Situationskomik, boten virtuoses Klavierspiel, Akrobatik und Jonglage, der unterstützt durch den Gedanken lesenden „Mp-6-Player“, auch das Publikum mit einbezog.

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