Zwischen Euphorie und Abschiedskummer

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Das SBJO hatte zur Generalprobe eingeladen.
Das SBJO hatte zur Generalprobe eingeladen. (Foto: Cornelia Addicks)

Schwere Kost und junge Musiker: Das 80-köpfige Schwäbische Jugendblasorchester (SJBO) hat am Samstagabend zu einer öffentlichen Generalprobe in die Bundesakademie eingeladen. Toni Scholl dirigierte Werke von Trachsel, Williams, Borrás und Márquez.

Seit 30 Jahren besteht das schwäbische Auswahlorchester und zum Jubiläum hat dessen Freundeskreis einen Kompositionswettbewerb ausgelobt. Rund eine Minute lang sollte der Erkennungs-Jingle für das SJBO dauern und einen Schwierigkeitsgrad von mindestens 5 haben. Zwanzig Werke aus sechs Ländern gingen ein, die Jury wählte die Fanfare mit der Wettbewerbsnummer 999888111222 des Komponisten Julien Meisenzahl aus.

Während des sechstägigen Aufenthalts in der Trossinger Bundesakademie einigten sich die Musiker im Alter zwischen 14 und 27 Jahren auf den Titel „Epic Opening“. Warum Dirigent Scholl das auf eine Minute und sechs Sekunden ausgelegte Stück dann aber auf über drei Minuten ausdehnte, ist schwer verständlich. Es fehlte der Pepp und der Beifall war entsprechend verhalten. Gerne hätte man die Melodie im Originaltempo gehört, um einen Vergleich zu haben.

Mit dem Hauptwerk für das Jubiläumskonzert in Kempten ging Scholl ein Wagnis ein: Selbst Thomas Trachsel, Komponist der viersätzigen Symphonie „Melancholia“, hatte während seines Besuchs der Probenwoche gesagt, dass er niemals erwartet habe, das tragische, 45 Minuten währende Stück einmal von Jugendlichen gespielt zu hören. Dies berichtete Querflötistin Katharina Mecheels.

Dirigent zeigt Körpereinsatz

Der erste Satz, ein „grave et pensante“, drückte inneren Tumult, Getriebensein und Verzweiflung bis hin zur Weltuntergangsstimmung aus. Das tiefe Blech und die große Trommel verströmten im Scherzo ein sanftes Wogen, bis die sechs Trompeten nahendes Unheil ankündigten. Im Adagio wechselten hauchzarte Klänge von Triangel, Querflöte und Oboe mit schwermütigen Tutti-Passagen ab. Gut gefiel hier das Zusammenspiel der vier Mallet-Akteure. Großen Körpereinsatz zeigte Toni Scholl, der von 2006 bis 2012 einen Lehrauftrag für Dirigieren an der Trossinger Musikhochschule hatte, beim Finale, das zwischen Euphorie und Abschiedskummer changierte. Sechs Querflöten interagierten flirrend mit den sechs erdigen Posaunen.

Im 2/4-Takt erklang in der zweiten Konzerthälfte der Paso doble, den Francisco Esteve Pastor 1973 dem Drehbuchautor Eduardo Borrás gewidmet hatte. Kräftigen Beifall gab es für den Ausflug nach Veracruz mit Arturo Márquez‘ perfekt umgesetztem Paradestück „Danzón Nr.2“. Einen Großeinsatz für die sieben Schlagwerker bedeutete John Williams „Star Wars Trilogy“.

Als Zugabe erklang Williams „March of the Resistance“. Eine echte Überraschung folgte zum Schluss: Der 19-jährige Tubaspieler Florian Frank brillierte mit dem vierminütigen Solo „FNUGG“ des Norwegers Øystein Baadsvik. Tuba mit Didgeridoo-Effekt – Jubel garantiert.

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