„Zucker ist wie eine Droge“

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 Süßigkeiten sind meist bunt, immer zuckersüß und leider ungesund. Doch es gibt Alternativen dazu.
Süßigkeiten sind meist bunt, immer zuckersüß und leider ungesund. Doch es gibt Alternativen dazu. (Foto: Archiv: DPA/Kalaene)
Sabine Felker

An Aschermittwoch verspricht sich so mancher, in den nächsten Wochen auf Süßigkeiten zu verzichten. Ina Toriello beschäftigen sich mit gesunder Ernährung für Kinder und hat kürzlich den Kurs „Naschen mit gutem Gewissen“ bei der Volkshochschule angeboten. Unsere Redakteurin Sabine Felker hat sich mit ihr über Schokolade, die Lust auf Zucker und gesunde Alternativen unterhalten.

Glauben Sie, dass es für Kinder sinnvoll ist, komplett auf Süßigkeiten zu verzichten?

Rein gesundheitlich betrachtet benötigt unser Körper keinen industriellen Zucker, der in so gut wie allen Fertigprodukten enthalten ist. Denn wir nehmen genügend Zucker durch Obst, Gemüse und Getreide zu uns. Da wir aber schon von Geburt an den süßen Geschmack, angefangen bei der Muttermilch, lieben, ist es natürlich schwierig, komplett darauf zu verzichten. Ich halte es jedoch auf jeden Fall für sinnvoll, auf die Konsummenge und die Qualität der Naschereien zu achten. Es gibt guten Ersatz, so dass es den Kindern an nichts fehlen muss. Jeder Anfang einer Umstellung ist schwer, aber es lohnt sich allemal, wenn es einem erstmal bewusst ist, dass man sich auf Dauer etwas Gutes tut.

In Ihrem Kurs haben Sie Alternativen zu Schokoriegeln und Chips gezeigt. Mit welchen Rezepten überzeugen Sie Jungen und Mädchen, auf Süßigkeiten zu verzichten?

In meinem Kurs müssen die Kinder nicht komplett auf Süßes verzichten. Ich zeige welche natürlichen Süßungsmittel wie zum Beispiel Kokosblüttenzucker, Ahornsirup, Dattelsüße, Apfelsüße, Trockenfrüchte, Honig und Vollrohrzucker es in Kombination mit frischen Zutaten ohne künstliche Zusätze gibt.

Die Kinder lernen beim dem Zuckerdetektivspiel, wieviel Zucker in der Schokoladentafel, Nutella oder Fruchtzwergen versteckt ist. Geschweige denn noch viele andere unnötige Zusatzstoffe. Wir bereiten zum Beispiel Süßigkeiten bestehend aus Nüssen, Trockenfrüchten und Kakaopulver zu, die genauso süß und lecker sind, jedoch viel mehr wichtige Nährstoffe liefern, die gerade für die kindliche Entwicklung besonders wichtig sind.

Trotz guter Zutaten enthalten diese Lebensmittel Kalorien. Und in der heutigen Zeit führen wir uns meistens viel mehr Kalorien zu, als wir abbauen. Da die Bewegung bei den Kindern leider auch immer mehr abnimmt.

Gibt es bei Ihnen Zuhause nur gesunde Naschereien oder darf es auch mal Schokolade sein?

Ich versuche zu Hause soviel wie möglich selbst herzustellen und die Konsummenge zu kontrollieren. Wir naschen auch alle gerne mal. Ab und zu gibt es auch fertige Produkte. Dabei achte ich jedoch sehr auf die Qualität und die Zutatenliste. Nach Möglichkeit Bio und die Zutatenliste sollte so klein wie möglich sein.

Ein Grund, warum so viele Menschen gerne Schokolade essen, ist der überraschende Effekt den sie hat: Für ein paar Minuten vermittelt sie ein gutes Gefühl. Können das gesunde Alternativen auch?

Natürlich können sie das auch. Am Anfang vielleicht für manch einen etwas ungewöhnlich, da sie zum Teil

nicht ganz so süß schmecken wie die gängigen Produkte, doch die natürlichen Zutaten machen den Geschmack aus und überzeugen die meisten. Wenn man erstmal den ersten Schritt gewagt hat, etwas zu verändern, dann entwöhnt sich auch der Körper allmählich von dem extrem süßen Geschmack. Ich und meine Kinder empfinden inzwischen Vollmilchschokolade für zu süß sowie viele Gebäckstücke mit gewöhnlichem Haushaltszucker, die außerhalb unserer Küche probiert werden. Zucker ist wie eine Droge, je mehr wir davon konsumieren, desto mehr verlangt der Körper danach.

Wenn Kinder mit solchen Alternativen groß werden, greifen sie Ihrer Meinung nach dann auch als Jugendliche und Erwachsene weiter dazu oder werden wir alle zwangsläufig Opfer der bunten Werbung?

Wie schon gesagt, der Körper entwöhnt sich irgendwann von diesem extrem süßen Geschmack und somit wird auch das Verlangen nach dem Naschen weniger. Natürlich bleiben wir von der Manipulation der Werbeindustrie nicht verschont und kommen immer wieder in Versuchung etwas zu probieren. Aber wenn wir die Alternativen gewöhnt sind, schmeckt uns die schön verpackte Verlockung auch nicht mehr.

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