„Wir dürfen die Musik nicht verleugnen“

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Um Kultur ging es am Mittwochabend bei der CDU. Vorsitzender Werner Hauser (Mitte) freute sich, dass Susanne Wolf und Frank Goli
Um Kultur ging es am Mittwochabend bei der CDU. Vorsitzender Werner Hauser (Mitte) freute sich, dass Susanne Wolf und Frank Golischewski zu dem Thema informierten. (Foto: Larissa Schütz)

Werbung mit und für die Kultur: Darum hat sich die Hauptdiskussion bei der CDU-Gesprächsrunde „Kultur in Trossingen nach der Neuaufstellung“ am Mittwochabend gedreht. Einig waren sich alle, dass in Trossingen ein funktionierendes Stadtmarketing fehlt, das an zentraler Stelle gebündelt werden müsste.

Für die Kommunalpolitische Gesprächsrunde hatte der CDU-Ortsverband Frank Golischewski vom Kulturbüro Südwest eingeladen, „den Mann, der die Kultur in Trossingen prägt.“ Im Januar hatte der Gemeinderat beschlossen, ein Stadtmarketing-Konzept unter besonderer Berücksichtigung der Trossinger Kulturszene in Auftrag zu geben. Was sich seitdem in der Kulturarbeit getan hat und welche Pläne und Ideen er hat, stellte Golischewski am Mittwoch vor. Mit den Anwesenden diskutierte er vor allem über Zukunftsfragen.

Fazit des Abends: Trossingen habe tolle Veranstaltungen zu bieten (Golischewski: „Fast alles, was wir machen, sind Unikate.“), nur nütze das wenig, wenn diese kaum wahrgenommen würden. Ein funktionierendes Stadtmarketing müsse her, gebündelt an zentraler Stelle, forderten Anton Hermann vom Klavierhaus Hermann, Auberlehaus-Chef Volker Neipp und Gemeinderat Jürgen Vosseler. Die Kultur sei dabei selbst ein ungeheurer Marketingfaktor: „Trossingen hat keinen anderen Marketingfaktor, für den Geld ausgegeben wird“, so Golischewski.

„Wir dürfen die Musik nicht verleugnen“, stellte auch Hermann fest und plädierte dafür, dieses Alleinstellungsmerkmal als roten Faden zu nutzen. Ein Bonuspunkte-System für vergünstigte Eintrittskarten beim Einkaufen in den Geschäften könne er sich da vorstellen.

Volker Neipp kritisierte in diesem Zusammenhang die Stadtverwaltung. „Wir haben einen funktionierenden Einzelhandel, aber die Stadt versteht es nicht, das zu vermarkten, ebensowenig wie die Touristenattraktionen.“ Er setze viel Hoffnung in den neuen Hauptamtsleiter Ralf Sulzmann, so Neipp. Ein Gedanke, den Golischewski teilt: „In dieser Hinsicht werden sicher bald wichtige Schalter umgelegt.“

Susanne Wolf will Kinder- und Jugendarbeit intensivieren

Dabei unterstützt Golischewski im Kulturbüro Südwest seit November Susanne Wolf. Beide haben früher bereits zusammengearbeitet, auch für Produktionen in Trossingen wie das Kesselhaustreiben 1997. „Ich habe ganz große Lust darauf, in Trossingen zu arbeiten“, sagt die gebürtige Schwenningerin. Sie habe hier ein „richtig gutes Netzwerk“ und viele Ideen, die sie gerne einbringen möchte.

Mehr Lesungen wünscht sie sich beispielsweise in der Musikstadt - wofür sie mit der Stadtbücherei und allen Schulen zusammenarbeiten möchte. „Lesekompetenz liegt mir sehr am Herzen. Ich könnte mir Lesenächte in der Grundschule vorstellen. Und ich möchte eine Autorin herholen, die Workshops und Schreibwerkstätten mit den Kindern veranstaltet.“ Sie und Golischewski wollen die Literaturveranstaltungen von den bisherigen zwei auf vier pro Saison erweitern.

Eine weitere Herzensangelegenheit Golischewskis ist die Troase. Sein Konzept, sollte es die Stadt denn umsetzen, sieht vor, aus der Troase ein „Naturbad und Kulturbad“ zu machen. „Etwa 60 000 Euro würde es kosten, auf der Wiese Zuschauerränge einzurichten und die Troase als Freispielstätte nutzbar zu machen“, so Golischewski, „eine Summe, die mich nicht so wahnsinnig erschreckt.“

Während Tuttlingen mehr als drei Millionen Euro in die Kultur pumpe und Villingen-Schwenningen sogar rund fünf Millionen, liege das Trossinger Budget seit zehn Jahren bei 160 000 Euro im Jahr. Dazu kämen Sponsoren wie die Stadtwerke, die beispielsweise die Reihe EnTrotainment ermöglicht haben. 18 kulturelle Veranstaltungen werden im Jahr realisiert. Dabei profitiere das Kulturbüro von Kooperationen mit der Bundesakademie, der Musikhochschule, dem Konservatorium und den anderen Trossinger Institutionen sowie Vereinen. „Die Zusammenarbeit hat es schon immer gegeben. Wir möchten sie aber weiter intensivieren.“

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