Willy Astor würde gerne noch mal „in dem Tross singen“

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Willy Astor präsentiert seinen FRA-gebogen.
Willy Astor präsentiert seinen FRA-gebogen. (Foto: Cornelia Addicks)
Schwäbische Zeitung

Von der Werkstatt auf die Bühne: Seit 25 Jahren, also sein halbes Leben lang, entlockt der Münchner Kabarettist Willy Astor seinen Zuhörern Lachsalven. So auch am Samstagabend im vollbesetzten Konzerthaus, wo er seine „Tonjuwelen“ unter die jubelnden Fans brachte.

„Sein Spiel mit der Sprache ist sensationell.“ – „Der ist genial.“ – „Mal was ganz anderes.“ – Schon in der Pause schwirrten die Lobesbekundungen durchs Foyer. Dicht umlagert war der Tisch, an dem der aus dem Münchner Stadtteil Hasenbergl stammende gelernte Maschinenbauer CDs und Bücher signierte, fast wie am Fließband.

Als „traumhafte Halle“ bezeichnete Wilhelm Gottfried Astor das Konzerthaus, setzte nach: „Bissle fifties, oder? Respekt!“

Die ersten zwanzig Minuten des Abends unterhielt er sich mit einigen Besuchern, stieß dabei auf Rottweiler, Spaichinger, Konstanzer, Gäste aus der Doppelstadt und aus Haigerloch. Zwei Zuspätkommer machte Astor schräg an: „Was war los? Die anderen haben's auch pünktlich g'schafft!“

Als er sich über die Klamotten einiger Leute in der ersten Reihe mokierte, zerdepperte er Glashausscheiben. Denn sein eigenes Outfit sah so aus, als hätte er es schon zu Beginn seiner Karriere, damals in dem Münchner Kleinkunstszene, getragen: Jeans, schwarzes Polohemd, Nadelstreifenjackett mit lila Einstecktücherl und himmelblaue Wildlederschuhe. Brrr.

Auch mit dem Sportdress („98 Prozent Polyester, 3 Prozent Baumwolle“), den er bei dem Hip-Hop-Song „Fasermacker“ trug, käme er nicht unter die hundert bestangezogenen Comedians.

Stolz führte Astor seine Erfindungen vor, machte im Handumdrehen aus dem mit „FRA“ bepinselten Schaumstoffteil einen „Fra-gebogen“. Solche Wortspielereien sind es, für die seine Fans ihn lieben. Ob er den Tagesablauf seines mit seines bayrischen Landsmanns Papst Beni karikiert, beschreibt wie der „am Abend malt“, ins „Zöli Bad“ steigt, im Trio namens „Sixtinische Kapelle“ „Oblati-Oblata“ singt oder als „guter Rat-Singer“ „urbi@orbi“ segnet. Oder in einem Querschnitt durch die „Leck-türe“ bekannte Autorennamen in einem Text verwurstet. Astor schaffte es, 141 Titel von Kinofilmen in eine knapp fünfminütige Story zu packen.

Eines seiner frühen Werke, die Mär vom „Radkäppchen und dem bösen Golf“ wird mit ebenso stürmischen Gelächter quittiert wie sein Spiel an der „südafrikanischen Gitarre“. Bei seinen Parodien bekannter Hits wird kräftig mitgesungen: „Grilling me softly ...“ Astor staunte selbst, wie er es immer wieder schafft, dass „vernünftige Erwachsene, zum Teil mit akademischer Bildung“ so einen albernen Text wie in „Kaulquappensocken“ singen.

Als er nach zweieinhalb Stunden so tat als wäre Schluss, wurde lautstark nach Zugaben gefordert. Unter denen war dann die wirklich witzige Parodie auf den „Seitenbacher Müsli“-Werbetext aber auch ein langatmiger ziemlich bärtiger Witz.

Die Fans aus der Region haben Grund zur Vorfreude: Astor war begeistert von dem Spontan-Chor der Zuschauer, er will unbedingt noch mal "in dem Tross singen".

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