Waschbär und Marderhund im Trossinger Wald gesichtet

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Zwischen Trossingen und Schura ist Naturfotograf Edgar Biehle dieser Schnappschuss eines Waschbären gelungen. (Foto: Edgar G. Biehle)
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Seit einigen Jahren hält der Biber die Trossinger am Schönbach in Schura auf Trab. Tierische Verstärkung scheint er nun vom Waschbären und dem Marderhund zu bekommen. Der Naturfotograf Edgar Biehle hat einen Waschbären im Wald zwischen Trossingen und Schura gegenüber der Heuberghöfe entdeckt und fotografiert.

„Von Waschbären war mir bisher nichts bekannt“, sagt Schuras Ortsvorsteher Dieter Kohler und lacht. Nach all den Problemen, den die Biber verursacht haben (wir haben mehrfach berichtet), hält sich Kohlers Begeisterung für eine weitere zugewanderte Tierart in Grenzen. Wegen der Biber musste die Renaturierung des Schönbachs mehrfach umgeplant werden, weil die Tiere unter Naturschutz stehen. Waschbären hingegen stehen nicht unter Naturschutz und dürfen in Deutschland gejagt werden.

„Gefährdung unserer Singvögel“

Eben die Jagd ist es, die Paul Jung, der für die Pflege der Gaugeranlage mit dem Wildgehege zuständig ist, befürwortet: „Heutzutage will jeder Tiere schützen, aber das bringt auch Probleme mit sich.“ Denn der Waschbär, der in unserer Region nur zugewandert ist, greift in das Ökosystem ein. „Die Tiere fressen jedes Gelege, das sie finden“, weiß Paul Jung. „Das stellt natürlich eine Gefährdung unserer Singvögel dar.“

Für Paul Jung ist der Waschbär, der nun aufgetaucht ist, jedoch keine Überraschung: „Vor etwa zehn Jahren ist schon einmal ein Tier aufgefallen. Damals war nicht klar, ob es aus Gefangenschaft gekommen oder zugewandert war.“ Seither seien immer wieder einmal Waschbärspuren im Wald gefunden worden. Die große Invasion der fremden Tierart, wie sie in Norddeutschland durchaus geschehen sei, sei dies aber noch lange nicht. „Bei uns sind das nur einzelne Tiere“, so Paul Jung.

Einer dieser vereinzelten Exoten ist der Marderhund oder Enok, der wie eine Mischform aus Marder und Hund aussieht, aber wohl zu den Hundeartigen gehört. Seit etwa drei Monaten, so Hegering-Leiter Michael Vatter, sichten Jäger einen solchen Marderhund, der ursprünglich aus Sibirien stammt, inzwischen aber auch über die Ukraine und Polen vereinzelt bis nach Deutschland gelangt, rund um Trossingen. Auch Vatter selbst, dessen Revier rechts und links der Straße nach Aixheim verläuft, hat in der Nähe des Maier-Hofs den Enok gesehen.

Auch wenn der Marderhund nachts gerne um die Hühnerställe schleicht, hält er sich von menschlichen Ansiedlungen eher fern. Ganz anders dagegen der Waschbär, „der kann schon unangenehmer sein“, so Michael Vatter, „weil er gerne in die Gärten kommt und Mülleimer durchsucht und umwirft. Und nachts kann der ganz schön Radau machen.“

Neben Exoten, deren Verwandte zuvor niemals hier gelebt haben, gibt es aber auch immer mehr ursprünglich einheimische Tierarten, die wieder zurückkommen. So seien in den 80er-Jahren in Trossingens Wäldern einmal Rothirsche aufgetaucht, erinnert sich Michael Vatter.

Die Wölfe kommen

In spätestens zehn bis 15 Jahren, so habe ihm eine Expertin der Landesregierung gesagt, werde es wohl auch die ersten Wölfe in Baden-Württemberg geben, so Vatter. „Aber keine Angst“, beruhigt er, „die werden sicher nicht nach Trossingen kommen, weil sie hier keinen geeigneten Lebensraum finden, wohl aber im Schwarzwald oder in den Vogesen.“

Im Pfälzer Wald, wo Michael Vatter herkommt, gibt es schon seit langem Wildkatzen und Luchse. Und in Sachsen wurden bereits die ersten Elche gesehen. „Die Tiere“, so Vatter, „holen sich die Lebensräume zurück, die sie vor hunderten von Jahren einmal hatten“.

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