Vanja Cirkovic gilt als Ausnahmetalent

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 Vanja Cirkovic und Andreas Nebl.
Vanja Cirkovic und Andreas Nebl. (Foto: pm)
Schwäbische Zeitung

Es gibt am Hohner-Konservatorium sehr viele talentierte Akkordeonisten. Unter den jetzt verabschiedeten Musikern ist aber ein richtiges Ausnahmetalent dabei: Vanja Cirkovic aus Serbien, die von Andreas Nebl, Dozent für das klassische Akkordeon am Hohner-Konservatorium, ausgebildet wurde. Bei ihm absolvierte Vanja Cirkovic auf Empfehlung von Prof. Zoran Rakic von der Musikakademie Sarajewo in den vergangenen drei Jahren ihr Studium in der Solistenklasse bei Nebl.

Auch Arnold Kutzli, den ehemaligen Geschäftsführer der Institution, hat sie beeindruckt. „Die Frage stellt sich in diesem Zusammenhang, wie breit ist die Spitze der gut ausgebildeten Akkordeonisten inzwischen, und welchen positiven Einfluss hat sie auf das große Feld der Laienakkordeonisten“, so Kutzli.

Er erinnert sich an die Anfänge des Akkordeons: „Begonnen hat ja alles unter anderen Vorzeichen. Ein Musikinstrument fürs Volk sollte es sein. Und natürlich auch Stückzahlen bringen, denn im Hintergrund standen die Hersteller in Trossingen und auch in Klingenthal. Für einfache Spielstücke gab es bald auch Noten. Die etablierte Musikwelt hatte für diese noch nicht absehbare Entwicklung zunächst nur ein Lächeln übrig.“

Doch es sollte anders kommen. Der Trossinger Unternehmer Ernst Hohner steckte neue Ziele ab. Das weltweit agierende Hohner-Akkordeon-Symphonie-Orchester ist dabei nur ein Beispiel. Ein Musikverlag wurde gegründet. Eine Harmonika-Fachschule musste her. „Von Hermann Schittenhelm über Rudolf Würthner bis zu Hugo Herrmann zeigten sich weiterführende Impulse. Multiplikatoren fanden eine wirtschaftliche Existenz“, sagt Kutzli. Die Akkordeon-Welt blühte auf. „Doch damit nicht genug. Das Instrument kann mehr, viel mehr.“

Der Deutsche-Harmonika-Verband war angetreten, um die Vielfalt in Orchestern, Ensembles bis zum Solisten deutlich und spielbar zu machen. Eine Massenbewegung war die Folge. „Dies wurde noch deutlicher, als das Akkordeon auch in Fachklassen der Musik-Hochschulen und Konservatorien aufgenommen wurde. Ehrgeizige Ziele entwickelten sich“, so Kutzli. „Letztlich auch an der Musikhochschule in Trossingen, allerdings relativ spät, trotz des beispielhaften Engagements, weil der Name Hohner Voreingenommenheiten gegenüber wirtschaftlichen Interessen aufkommen ließ, die erst allmählich abgebaut werden konnten.“

Andreas Nebls pädagogische beziehungsweise künstlerische Denkweise geht nicht vom Akkordeon aus, sondern von der Musik. Was er seinen Studierenden vermitteln möchte, ist von menschlich-musikalischen Ansätzen getragen, die am Ende mit dem Instrument verwirklicht werden. „Das kann man als eingefleischter Akkordeonist als anarchistisch bezeichnen, es war aber für seinen Werdegang, wie er selbst sagt, unbedingt notwendig, sonst wäre er während seiner Studienzeit in den aus seiner Sicht damals ,halbwahren Trossinger Dogmen‘ erstickt“, erläutert Kutzli.

Die Welt des Akkordeons sei heute ohnehin viel offener geworden. Eine ganze Anzahl von Musikverbänden, Institutionen und fördernden Interessengruppen sind entstanden. „Man reibt sich kaum mehr aneinander, sondern orientiert sich gegenseitig“, meint Kutzli. „Ein großes Potenzial der unterschiedlichsten Plattformen ist aktuell. Das Akkordeon wurde längst international. Confederation Internationale des Accordeonists, die entstandenen nationalen Aktivitäten, die Komponisten, die Entwickler und Produzenten, die Pädagogik, die Darstellung, Kooperationen, hochqualifizierte Meinungsbildner - das ist eine unvergleichliche Palette mit zukunftsfähigen Zielen. Können setzt aber zunächst einmal starke Persönlichkeiten voraus.“

Die Akkordeon-Solistin Vanja Cirkovic, die in besonderer Weise von der Foundation of International Accordion Exchange im Rahmen ihres Studiums gefördert wurde, besitzt diese Stärke. Als „robuste Tasten-Virtuosin“, wie sie Andreas Nebl damals kennenlernte, hat sie sich während der Weiterbildung in der Solistenklasse zu einer feinsinnigen Klangästhetin mit breiter Ausdruckskraft entwickelt, die ihr Programm mit unvergleichlicher Expressivität präsentieren kann. „Einfach phänomenal“, findet Kutzli, „Akkordeon-Spielkunst vom Feinsten.“

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