Uralt und doch brandaktuell

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Simon Hegele lässt sich als Bürgermeister van Bett von seinen Untergebenen umschmeicheln.
Simon Hegele lässt sich als Bürgermeister van Bett von seinen Untergebenen umschmeicheln. (Foto: icks)

„In der Fremde fremd sein“: Zu diesem uralten und dennoch brandaktuellen Thema hat die Opernwerkstatt 2018 am Samstagabend Szenen aus acht Opern von sechs Komponisten auf die Bühne des Hochschul-Konzertsaals gebracht.

Fremdsein - Zu dem Semesterthema durchsuchten die Professorinnen Padmini G. Baun und Petra Wolko die Opern- und Operettenliteratur und sie wurden bei Mozart, Händel und Gluck ebenso fündig wie bei Verdi, Lortzing und Lehár. Mangelnde Integration, Einsamkeit und Ausgrenzung, zuletzt bitteres Heimweh spielen in den zwischen 1724 und 1929 uraufgeführten Werken eine große Rolle. Dabei sind die Ursachen des Aufenthalts in der Fremde ganz unterschiedlich: Wissensdrang, Verliebtsein, Kriegslust bis hin zu Entführung und Verschleppung.

Die körperliche Übermacht des Aufsehers über die Gefangene war besonders drastisch in den Ausschnitten aus Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“. Umso netter war die Szene, als Ye-Eun Won (als zierliche Zofe Blonde) den korpulenten Aufseher Osmin (Dong-Ho Park) von Stuhl schubste. Stühle, mehr als ein Dutzend, in Formaten von XXS bis XXL, bildeten den Großteil der Bühnenbilder. Dazu kamen vier große Rahmen, die ganz unterschiedlichen Zwecken dienten. So zum Beispiel als Kerkerzellen in „Iphigénie en Tauride“, in denen Jiacheng Tan als Orestes schmachtet und auf Französisch seine Verzweiflung singt. Auch der Kontertenor Xuhui Du singt als Orpheus hinter Gittern. War dies schon anrührend, so geht Verdis Gefangenenchor aus Nabucco besonders unter die Haut. Die hervorragende Mezzosopranistin Elisabetta Picello überzeugt hier als die politische Geisel Fenena.

Originell ist die Umsetzung zweier Arien aus Lortzings „Zar und Zimmermann“, getrennt durch den Text „Die Fremden“ des Münchner Humoristen Karl Valentin. Simon Hegele, kräftig aufgepolstert als der „von Amtspflicht ganz aufgeblasene“ Bürgermeister van Bett, singt in seiner schönen Bassstimme „O ich bin klug und weise, und mich betrügt man nicht“. Nur hat er nicht mit der Tücke des Zaren (Jiacheng Tan) gerechnet…

Um zweifachen Kulturschock handelt es in Lehárs „Land des Lächelns“: Lea Decker bezaubert als Lisa in Wien den chinesischen Prinzen Sou Chong (gesungen von Tenor Kang-Chun Seo) und folgt ihm in seine Heimat. In Ägypten, in den Jahren 48 und 47 v. Chr., agieren unter anderen Florence Awotula und Olivia Peschke, die sich die Rolle des Sextus teilen und die Arien „Svegliate nel core“ bzw. „L'angue offeso mai riposa“ singen.

Der lange und kräftige Beifall galt nicht nur den Solisten und den beiden Professorinnen, sondern auch den Choristen, dem musikalischen Leiter, Prof. Peter Nelson, den Pianisten Stefanos Katsaros, Leonardo Spadaro und Ivan Moisieiev, sowie allen anderen, die an diesem arbeitsintensiven Projekt beteiligt waren.

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