Trossinger Heimatforscher Karl Martin Ruff ist verstorben

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Karl Martin Ruff war vielseitig interessiert.
Karl Martin Ruff war vielseitig interessiert. (Foto: Archiv: DHM)
Schwäbische Zeitung

Nach langer Krankheit ist Karl Martin Ruff am Sonntag, 12. Juli, im Kreise seiner Familie verstorben. Stadtarchivar Martin Häffner erinnert an Ruff, Oberlehrer i. R. und vor allem bekannter und geschätzter Fachmann der Trossinger Heimatgeschichte.

Seine Verdienste sind nicht hoch genug einzuschätzen. Am 27. Dezember 1937 in Tübingen geboren, verbrachte Karl Martin Ruff seine Kindheit und Jugend in Balingen, wo ihn die Kriegs- und Nachkriegszeit nachhaltig prägte. Mit dem Besuch des Internats in Nagold, des „Lehrerseminars“, war der berufliche Lebensweg vorgeprägt. Der geschichtlich und auch sonst überaus interessierte junge Mann sollte Volksschullehrer werden. Einen Beruf, den er später mit Leib und Seele ausübte.

Nach dem Studium an der PH Weingarten und nach ersten Anstellungen bei Münsingen und in Schramberg war Karl Martin Ruff als Junglehrer acht Jahre lang in Wolfschlugen bei Nürtingen tätig. Die längste Zeit seines Lehrerdaseins verbrachte er aber an der Grundschule Friedensschule in Trossingen, wo er Generationen von Kindern unterrichtete und mit seiner empathischen Art und mit seiner Gabe, spannend zu erzählen, die schulische Grundausbildung vermittelte.

Als ruhig und liebenswert beschrieb ihn der damalige Rektor Heinz Reichle anlässlich seines 40. Dienstjubiläums 1997. Zwei Jahre später, im April 1999, ging Oberlehrer Ruff in Ruhestand; etwas verfrüht, weil ihn der Rücken plagte. Der belesene Pädagoge interessierte sich für die württembergische Landesgeschichte und dabei insbesondere für die Lokalhistorie seiner zweiten Heimat Trossingen. Von diesem profunden Wissen, so Reichle im Rückblick, habe auch das Kollegium profitiert.

Nach Trossingen verschlug es Karl Martin Ruff nicht zufällig, sondern der Liebe wegen: 1966 heiratete er die Trossingerin Renate Burgbacher. Vor diesem Hintergrund fand 1973 der Wechsel auf die Lehrerstelle an der Friedensschule statt.

Die Familie war damals dreiköpfig. Zu Tochter Katharina gesellte sich 1974 dann Sohn Eberhard. Erstere lebt mit Ehemann Achim Denz und Sohn Patrick noch heute in Trossingen, während Eberhard in Düsseldorf heimisch wurde.

Leider verstarb Ruffs Ehefrau Renate allzu früh im Sommer 2007. Nach längerer Zeit des Witwerdaseins erlebte Karl Martin Ruff noch ein spätes zweites Glück und hatte mit Elsbeth Leiber in den letzten Jahren eine treue Lebensgefährtin. Das Glück war beiderseitig.

In seiner bescheidenen Art drängte sich Ruff nie in den Vordergrund und nie nach Ehrungen. Tatsächlich hat er aber enorme Verdienste. Er gehörte in den 1970er Jahren zu den Geburtshelfern des Heimatmuseums Auberlehaus und fungierte als dessen erster Museumsleiter. Ebenso stand er mit Rat und Tat rund um die Gründung des Deutschen Harmonikamuseums 1991 zur Verfügung. Dort gehörte er zu den Ehrenamtlichen „der ersten Stunde“. Bis in die jüngere Vergangenheit, solange es die Gesundheit zuließ, half er als Museumsführer und in anderen Funktionen aus. Für sein großes Engagement wurde Karl Martin Ruff 2011 zum Ehrenmitglied des Trägervereins Deutsches Harmonikamuseum ernannt.

Das brachte er auch als Vorstandsmitglied in die IG Erhaltenswerke Bauwerke und Umwelt ein. Dieser rührige Verein rettete und sanierte unter anderem das Alte Rat- und Schulhaus.

Karl Martin Ruffs Wissen lebt in Schriftdokumenten weiter: Er wirkte an zahlreichen Publikationen mit. So verfasste er den Abschnitt „Die Geschichte Trossingens bis 1871“ als ersten Teil des umfassenden Geschichtswerkes „Trossingen – Vom Alemannendorf zur Musikstadt“, das 1997 zur 1200-Jahrfeier unseres Ortes erschien. Er schrieb regelmäßig für das Trossinger Jahrbuch.

Gelegentlich fertigte Oberlehrer Karl Martin Ruff für seine Textbeiträge Zeichnungen an. Durch Gedichte, Zeichnungen, illustrierten Geschichten und kunstvolle Basteleien machte er seinen Mitmenschen Freude. Nicht zuletzt war er ein wunderbarer Geschichtenerzähler.

Neben seinen literarischen und anderen Hobbys war der Verstorbene auch ein leidenschaftlicher Sammler, vor allem – und das überrascht bei einem völlig friedfertigen Menschen – von Militaria; zurückzuführen auf seine Kindheitsprägung in Kriegs- und Besatzungszeit.

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