Trossinger erweisen Hans Werner Henze die Ehre

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Premiere in Trossingen: Hans Werner Henzes Werk „Musikmomente“ ist am Wochenende erstmals aufgeführt worden.
Premiere in Trossingen: Hans Werner Henzes Werk „Musikmomente“ ist am Wochenende erstmals aufgeführt worden. (Foto: Cornelia Addicks)
Schwäbische Zeitung
Cornelia Addicks

Posthume Welturaufführung in Trossingen: Im Rahmen der 6. Tage der Neuen Gitarrenmusik sind am Wochenende die 46 „Musikmomente“ für Gitarre Solo, 1955 von Hans Werner Henze (1926-2012) für den Rundfunkroman „Der sechste Gesang“ komponiert, zum ersten Mal vollständig vor Publikum gespielt worden.

Es muss eine herbe Enttäuschung für den damals 29-jährigen Komponisten gewesen sein: In der Endmontage des NDR der vierstündigen Produktion von Ernst Schnabels Fassung eines Teils der Odyssee waren nur noch einige weniger seiner kurzen Kompositionen verblieben, und die meist nicht mal an den Stellen, für die er sie vorgesehen hatte.

Die Partitur galt seither als verschollen. Bis der Trossinger Gitarrendozent Andreas Grün vor einigen Jahren im Rahmen einer Recherche über ein anderes Werk Henzes auf die Idee kam, beim Sohn des damaligen Interpreten nachzufragen. Von einer „sensationellen Entdeckung“ schwärmte die Gitarrenwelt. Und Grün gelang es darüber hinaus, die Autorisation für eine Aufführung des Werks zu erlangen.

Für die Lesung konnte das „O-Ton Ensemble Wort“ der Musikhochschule verpflichtet werden. Sabine A. Werner, die das Ensemble 2009 gegründet hatte, bereitete Sprecher auf die Mammutaufgabe vor, die Regie lag in den Händen von Rektorin Elisabeth Gutjahr. In der Rolle des Odysseus glänzte Klemens Mölkner, als Erzähler führte Jacob Fauser die Zuhörer durch das dreigeteilte Werk. Bis zu vier Rollen übernahmen die Ensemblemitglieder.

Andreas Grün spielte die in Dauer und Ausdruck so unterschiedlichen Stücke – nunmehr an genau den Stellen, die Henze dafür vorgesehen hatte. Als Bühnenhintergrund wirkte ein von Ole Wiedekamm aufgenommenes Video.

Kräftiger Beifall belohnte die Mitwirkenden, wenngleich die Uraufführung mehr Publikum verdient hätte. Unter den Zuhörern waren auch Corinna Schnabel, Tochter des Autors des „sechsten Gesangs“ Ernst Schnabel (1913–1986), und Anton Stingl jun., Sohn des Gitarristen Anton Stingl (1908-2000), der das Gitarrenwerk für das Rundfunkhörspiel eingespielt hatte.

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