Tolle Stimmen lassen aufhorchen

Lesedauer: 4 Min

Jazz-Fans aus der ganzen Region sind zur 7. öffentlichen Prüfung im Verbreiterungsfach Jazz und Pop gekommen, der sich am Dienstagabend vier angehende Schulmusiker im Kesselhaus stellten. Die 20 Stücke aus neun Jahrzehnten wurden mit Jubel und kräftigem Beifall belohnt.

Anika Neipp, Lehrbeauftragte für Jazz-Gesang an der Musikhochschule, führte gemeinsam mit ihrem Kollegen Raphael Lott (Jazzklavier) durch das abwechslungsreiche Programm und wies auf einige musikalische Highlights hin. Die Namen der vier Kandidaten, die sich den Ohren und Augen der vierköpfigen Prüfungskommission stellten, gab sie jedoch nicht preis.

Den ältesten Jazztitel des Abends hatte sich Kristina Becker für ihre Gesangsprüfung ausgesucht: Jimmy McHughs „I can‘t give you anything but love“ von 1928. Nur drei Jahre jünger ist der Song, mit dem sie sich als Pianistin vorstellte: „Just friends“ von John Klenner. Hier behauptete sich Becker souverän gegen das kraftvolle „Gebläse“.

Amelie Schirmers Stimme variierte zwischen dominant und sinnlich schmeichelnd bei Buddy Johnsons Aufforderung „Save your love for me“. Bei ihrem zweiten Prüfungsstück, Gershwins „I got rhythm“, erwies sie sich als wahre Meisterin im Scat-Gesang.

Auch Männer sind multi-tasking-fähig

Flügelhornist Johannes Menge überzeugte Publikum und Juroren mit dem souverän interpretierten Standard „Fly me to the moon“ aus dem Jahr 1954. Einen zeitlich großen Schritt machte er dann zu dem erst sechs Jahre alten Stück „True sorry“ des französisch-libanesischen Komponisten Ibrahim Maalouf. Als lebender Beweis dafür, dass Männer sehr wohl multi-tasking-fähig sein können, absolvierte Menge seine Klavierprüfung „mit links“, denn mit der rechten Hand hielt er bei Harry Warrens „There will never be another you“ das Flügelhorn. Sonderapplaus für diese ungewöhnliche Leistung brandete auf.

Ein modernes Arrangement von Victor Youngs 70 Jahre altem „My foolish heart“ hatte Konstantin Heieck für seine Gesangs- und Klavierprüfung einstudiert. Auch als Vokaliser in Kurt Ellings „Resolution“ und am Synthesizer bei dem Wetterbericht-Song „I can see clearly now“ von Johnny Nash hinterließ Heieck einen sehr guten Eindruck.

Zahlreiche Kommilitonen der Prüflinge – Debütanten ebenso wie „schon Fertige“ – wirkten an dem gut zweieinhalbstündigen Programm mit.

Geballte Frauenpower

Besonders gut gefiel dabei die geballte Frauenpower (Philine Huppert, Sabrina Blatter und Marlene Holzwarth) mit ihrem selbstbewussten „I will survive!“ im Stil des Honey Pie Trios. Auch die Stimmen der Debütantinnen Paula Jacobs Fernandez in „Operator“ und Celine Ergün in „Lily’s Chalice“ ließen aufhorchen.

Den furiosen Abschluss machte die Big Band der Hochschule mit „In the sign of libra“ Sonderapplaus für Jeremias Fangauers Flügelhorn-Solo) und Sammy Nesticos „Hay Burner“.

„Großartig“, „super“ und „einfach toll“ waren einige der begeisterten Kommentare der Konzertbesucher im rappelvollen Kesselhaus.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen