Tiefe Noten kontrastieren mit hauchzart gezupften Klängen

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Gitarrist Phileas Baun
Gitarrist Phileas Baun (Foto: Addicks)
Schwäbische Zeitung
Cornelia Addicks

Am 1. Juli 2016 jährt sich der Geburtstag des Komponisten Hans Werner Henze zum 90. Mal. Die Musikhochschule nahm dies zum Anlass für eine „Extraausgabe“ der sonst im Zweijahresrhythmus stattfindenden Lehrveranstaltung „Neue Musik für Gitarre“. Am Samstagabend erklangen Werke Henzes aus der Zeit von 1979 bis 1996.

Musikalische Porträts von drei Shakespeare-Figuren machten den Auftakt: Gitarrist Phileas Baun gelang es hervorragend, die tonalen Charakterstudien aus Henzes „Second Sonata“ umzusetzen: Mal bedächtig, dann wieder spontan und tatkräftig wurde in der „Royal Winter Music“ von 1979 Sir Andrew Aguecheek gezeichnet, eine humorvolle Figur aus „Was Ihr wollt“.

Tiefe Noten kontrastieren mit hauchzart gezupften Klängen bei der Charakterisierung von Nick Bottom, einem schlichten Weber aus dem „Sommernachtstraum“, gepiesackt und der Lächerlichkeit preisgegeben vom frechen Puck.

Sein hohes Talent stellte der junge Gitarrist aus Villingen besonders beim Porträt von Lady Macbeth unter Beweis: Die innerliche Zerrissenheit der ehrgeizigen Gattin des schottischen Heerführers und späteren Königs hatte Henze in der Komposition für sein „geliebtes Instrument“, die Gitarre, brillant nachgezeichnet und Baun setzte die abwechselnden Schmeicheleien, hoffärtigen Auftritte und Anfälle tiefster Reue gekonnt um.

Kraftvolle Zupfer, unterschwelliges Vibrato, düsteres Pochen und kurze, gellende Töne zählten zu den vielfältigen Klangelementen.

Überaus variabel ist Henzes Komposition „Selbst- und Zwiegespräche“, die 1985 beim Festkonzert zum 700-jährigen Bestehen des Bistums Brühl uraufgeführt worden war: Jede der drei Stimmen kann solistisch, oder mit einer zweiten als Zwiegespräch gespielt werden.

Vivian Krause nutzte drei Notenständer

Am Samstagabend erklang die vollständige Triofassung, bei der Marius Schnurr Gitarre und Manuel Wagner Akkordeon spielte. Vivian Krause nutzte drei Notenständer, um mit ihrer Viola im Lauf des Stücks immer näher zum Publikum zu kommen.

„Neue Volkslieder und Hirtengesänge“ nannte Henze sein 1983 geschriebenes und 1996 überarbeitetes Werk, das ursprünglich für ein Mürztaler Schauspiel gedacht war und schließlich 1997 von der Berliner Philharmonie uraufgeführt wurde. Hatte Henze zuerst eine Gesangsstimme konzipiert, so kam die zentrale Rolle dann dem Fagott zu. Shaohua Duan zeigte sich am Samstag dieser Rolle würdig. Die sieben teils dynamischen, teils elegischen Sätze von der „Pastorale“ bis zum „Ausklang“ fußen auf Bauernliedern aus der Steiermark.

Die Gitarre, hier als Begleitinstrument, wurde von Iván Garcia gespielt, das Streichtrio bildeten María Francisca Vinueza Espinel (Violione), Carmen Chacón Nuñez (Viola) und Benjamin Coyte (Violoncello).

Der Beifall galt den Instrumentalisten, Studenten der Musikhochschule, ebenso wie dem zu Lebzeiten vielfach preisgekrönten und dennoch umstrittenen Komponisten.

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