Theatergruppe hat nun eigenen Proberaum

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 Diese Truppe lässt hoffen: Das Ensemble des Trossinger Kunstspieltheaters.
Diese Truppe lässt hoffen: Das Ensemble des Trossinger Kunstspieltheaters. (Foto: Robin Möß)
Robin Möß

Endlich sind die mühevollen Zeiten fürs Kunstspieltheater Trossingen vorbei: Im ehemaligen Restaurant „Deibhalde“ hat die Theatergruppe nun einen eigenen Proberaum, der direkt genutzt wird – für das Stück „Burghotel Schlosshof“, das ab 19. Juni im Kesselhaus aufgeführt wird. Eine Probe fand am Dienstagabend statt.

„Wir haben schon alles abgeklebt, wie es später auf der Bühne sein wird“, sagt Melanie Spengler und zeigt auf den Teppichboden. Darauf ein Sofa älteren Modells und ein kleiner Tisch. Gegenüber steht noch der Fundus, „da müssen wir noch ein bisschen aufräumen“. Erst im Mai ist die Gruppe eingezogen. Zuvor fanden die Proben in Klassenräumen des Gymnasiums statt. „Doch ab einer bestimmten Zeit mussten wir draußen sein, da die Alarmanlagen losgehen“, erläutert Spengler. Da allerdings die Proben gerne mal bis 23 Uhr andauern, „war das keine Option“. Ein weiterer Nachteil: „Die ganzen Utensilien, die wir brauchten, mussten wir erst mal hineintragen, später wieder hinaus. Das kostet enorm Zeit.“

Und Zeit ist kostbar, „da wir alle berufstätig sind und das Theater reines Hobby ist“, betont Janine Steuer. Ein Glück, „dass wir von der Besitzerfamilie die Deibhalde zur Miete bekommen haben“, weiß Manuel Steuer zu schätzen. „Meine Mutter ist mit der Familie gut befreundet.“ Die Terrasse dürfen die Hobby-Schauspieler sogar nutzen, um am Bühnenbild zu werkeln, oder einfach nur, um zusammenzusitzen. Die Erleichterung ist den Leuten anzusehen – „wir sind endlich unabhängig und nicht mehr zeitgebunden“.

Trotz Unabhängigkeit drängt die Zeit. Ende Juni steht die Premiere an. „Bis alle den Text können, braucht es ein halbes bis dreiviertel Jahr“, so Manuel Steuer. Auch heute „müssen wir durchspielen – so weit, wie nur geht“. Dabei werden einige Passagen verbessert und nochmals genauer besprochen – jede Bewegung auf der Bühne muss sitzen. Und wenn der Text dann doch mal entfallen ist, hilft ein Souffleur weiter. „Weil wir alle Vollzeit arbeiten, geht das alles deutlich länger“, so Steuer. Während der Probe sieht man den Akteuren an, wie viel Ehrgeiz, Perfektionismus und Leidenschaft sie in ihre Arbeit investieren.

Für das Stück „Burghotel Schlosshof“ braucht es zwölf Personen, die in 13 Rollen schlüpfen: Manuel Steuer spielt Helmwald Fröhlitsch, Ulrika Bames ist Pitrella Partinowa, Hannelore Prügelhausen wird von Angelika Witzke besetzt, Sophie Müller ist Michaela Grauer, Edeltraud Theves hat die Rolle der Elvira von Zickenmeyer, Rüdiger Zickenmeyer ist Daniel Dworatscheck, Laura Schowner ist Bella Stüberle, Raffaele Lauro verkörpert Alessandro Faber Decastillo, außerdem gibt es die beiden Geister, gespielt von Melanie Spengler und Janine Steuer, einen von Daniela Musick gespielten verlorenen Gast, ebenso von ihr gespielt Frau Zitzewitz, und Edina Dumokos hat die Rolle der Aranka inne. Für die Technik ist Gerhard Steuer zuständig, Benjamin Steuer macht die Werbegestaltung, und den Kulissenbau übernehmen Melanie Spengler und Jörg Bauer. Parallel versucht der Verein, mit denselben und weiteren Leuten ein zweites Stück fürs Jahresende auf die Beine zu stellen.

Dem Kunstspieltheater geht es nicht schlecht. „Wir haben auch viele jüngere Leute mit dabei“, ist Janine Steuer begeistert. „Jede Generation ist vertreten.“ Das kann die Truppe gut brauchen – denn bei Theaterstücken sollte man an Akteuren gut aufgestellt sein. Und die sollten auch gut ausgewählt sein für jede Rolle. „Wir sind lange keine Profis“, schmunzelt Manuel Steuer. Dass dies so ist, merkt man aber kaum. Bei der Probe sind die Theaterbegeisterten voll in ihrer Rolle, verkörpern sie perfekt, und sind beim Spielen fast schon homogen mit ihr. Wer selbst Lust auf Theater bekommt, kann an den offenen Probetagen gerne vorbeischauen. „Wir können immer neue Leute gebrauchen“, betont Janine Steuer. Die Termine hierzu sind noch nicht bekannt.

Theater spielt in der hiesigen Literatur oft in der Vergangenheit. Die Schauspieler müssen sich der Zeit anpassen – doch nicht nur im Spiel, auch in der Gegenwart. So hat der Verein in der realen Welt noch einiges vor: Während sie aktuell „total Komödie“ forciert, „würden wir auch gerne mal etwas Ernsteres machen“, so die Pläne im Hinterkopf von Janine Steuer und ihrem Team. „Ein Stück für die Kinder wäre auch etwas Schönes.“ Dabei soll die alte Deibhalde womöglich in neuem Glanz erscheinen: „Wir wollen hier zum Beispiel den Boden neu machen und uns hier ein kleines Vereinsheim einrichten.“ Wer weiß, vielleicht kann eines Tages im kleineren Kreis auch in der Deibhalde das Publikum Platz nehmen. Doch erst mal steht der Auftritt im Kesselhaus an, wenn es heißt: „Theater, Theater, der Vorhang geht auf.“

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