Theaterblut und Wasser spritzen auf die Bühne

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Neben viel Theater wurde auf der Bühne auch Gitarre gespielt.
Neben viel Theater wurde auf der Bühne auch Gitarre gespielt. (Foto: Cornelia Addicks)
Schwäbische Zeitung
Cornelia Addicks

Absurdes traf auf Minimalistisches: Im Rahmen der 5. Tage der neuen Gitarrenmusik wurden am Samstagabend Ausschnitte aus Ror Wolfs „Mehrere Männer“ mit Uwe Kremps Komposition „Kurze Schnitte“ im Konzertsaal der Musikhochschule zu einem ungewöhnlichen szenischen Konzert kombiniert.

Von „gewöhnungsbedürftig, ja befremdlich“ bis „höchst interessant“ und „tolle Choreographie“ reichten die Kommentare der Besucher am Ende der rund einstündigen Performance.

Als Leser der Männergeschichten fungierte Uwe Kremp, der sowohl in Trossingen als auch in Karlsruhe Musiktheorie unterrichtet und freischaffend als Gitarrist und Komponist arbeitet. Er vertraute dabei auf die Tragfähigkeit seiner Stimme und verzichtete auf ein Mikrofon. Das ging gut, solange die fünf Rhythmiker still standen. Doch wenn sie die Texte szenisch umsetzten, über die Bühne schritten, tanzten, stolperten, sich wie Stuntmen zu Boden fallen ließen, war von dem Leserpult nur noch Bruchstückhaftes zu vernehmen.

Nudeln landen im Publikum

Das „Männerballett“ erntete häufig Kichern oder Lachen. Einige der Szenen waren aber makaber und alles andere als komisch. So zum Beispiel das „Besäufnis unter Kumpanen“, mit der Konsequenz des – glücklicherweise nur fingierten – Wasserlassens an verschiedenen Stellen der Bühne. Echtes Wasser dagegen goss Keisuke Fujinami schwungvoll über Benedikt Ammon – einen ganzen Eimer voll. Später kippten Gabriel Cruz, Karam El Aschkar und Jonas Höffl große Schalen gekochter Nudeln von der Bühne in Richtung Publikum. Zigarrenrauch quoll von der Bühne und grellrotes Theaterblut rann von den zehn Männerarmen bei der Gruppen-Blutsbrüderschaft im Ringelreihen. Die fünf Darsteller zeigten Sparring- und Paartanzszenen, „Seiltanz“ auf der Bühnenkante und Denkerposen à la Rodin, für die Inszenierung zeichnete Dr. Dierk Zaiser.

Ebenso wie die fünf Rhythmiker sind die vier Gitarristen Studierende in Trossingen: Robert Menczel, György Michelberger, Alexander Ptitsyn und Marius Schnurr. Während sie als Mitglieder des Open Source Ensembles normalerweise in dezentem Schwarz auftreten, waren sie am Samstag sehr leger gekleidet: Feinripp-Unterhemden, Jeans und schwarze Stretchbandagen an den rechten Armen.

Das Finale änderte die Anspannung: zu den fünf Männern gesellten sich 16 Frauen in hübschen Sommerkleidern und die Gitarristen spielten Melodiöses im Quartett. Nachdem das letzte „Pling“ verhaucht war, gab es Applaus von den Fans zeitgenössischer Ausdrucksweise. Eine Besucherin fasste ihren Eindruck in vier Worte: „Viel Theater, wenig Gitarre“.

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