Studentisches Orchester gibt in Trossingen ein umjubeltes Konzert

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 Barbara Lena Köbele, ehemaligen Jungstudentin der Hochschule Trossingen, war Solisten in Sibelius’ Violinkonzert.
Barbara Lena Köbele, ehemaligen Jungstudentin der Hochschule Trossingen, war Solisten in Sibelius’ Violinkonzert. (Foto: Cornelia Addicks)

Wagner, Sibelius, Tschaikowski: Das Studentische Orchester Baden-Württemberg gastiert am Sonntagabend unter der Leitung von Jonathan Föll im gut besuchten Saal der Musikhochschule. Gefeierte Violin-Solistin: Barbara Lena Köbele, die vor acht Jahren Jungstudentin in Trossingen war.

„Sensationell!“ fand eine begeisterte Konzertbesucherin die Leistung der 21-jährigen aus Nagold stammenden Violinistin. Im Opus 47 von Jean Sibelius, dem Violinkonzert in d-Moll, klang die Geige mal energisch und ausdrucksstark, dann wieder samtig, und schließlich glasklar in den hohen Tonlagen. Köbele, früher Schülerin des Trossinger Professors Rudolf Rampf, studiert derzeit in Lübeck und war bereits als 17-Jährige für eine Saison zur Ersten Konzertmeisterin des Bundesjugendorchesters berufen worden.

Zu ihrer Geige hat die junge Frau ein ganz besonders enges Verhältnis: Sie hat das rund 200 Jahre alte Instrument französischer Herkunft in Stuttgart erstanden und es nach längerer Ruhezeit sorgsam wieder eingespielt. Im Trossinger Konzert gelang es Köbele manchmal den Eindruck zu erwecken, als würden zwei Geigen erklingen, ganz so wie Sibelius es für manche Passagen seines 1905 uraufgeführten Stücks beabsichtigt hatte.

Im besonders schönen zweiten der drei Sätze, einem Adagio di molto, interagierte die Violine mit den sacht pulsierenden Streichern und mit einzelnen Bläsern. Apart bis hin zum hauchzarten Schlusston. Hochemotional und eruptiv das folgende Allegro ma non tanto, das zu den herausragenden Finalsätzen der Geigenliteratur zählt.

Stürmischer und langanhaltender Beifall folgte.

Nicht ganz so überzeugend war der Auftakt des Konzerts gewesen, nach Auftritten in Nagold und Ravensburg das dritte der diesjährigen Probenphase des 2016 gegründeten und in Konstanz verankerten Orchesters: Die Ouvertüre von Richard Wagners romantischer Oper „Tannhäuser“ traf nicht den Nerv des zahlreichen Trossinger Publikums. Das Dirigat von Jonathan Föll, Schulmusik- und Dirigierstudent in Trossingen, wirkte etwas steif.

Erst bei den anderen beiden Werken zeigte der 25-Jährige aus Ravensburg mehr Körpereinsatz. Eine sichere Hand hatte er bei der Auswahl des dritten Werks in dem gut zweistündigen Konzert gehabt, der Sinfonie Nr. 4 f-Moll, op. 36 von Pjotr Iljitsch Tschaikowski. Den Streichern, zu denen sich auch Köbele wieder gesellt hatte, den Bläsern und den drei Schlagwerkern gelang es, die so unterschiedlichen menschlichen Regungen, die der Russe vor 141 Jahren in die vier Sätze gepackt hatte, perfekt umzusetzen.

Schicksalsfanfaren ertönen

Schon im ersten Satz, der eigentlich wiederum aus vier Sätzen besteht, tönten Schicksalsfanfaren, wagte sich Hoffnung im Dreivierteltakt hervor, und baute sich ein Drama im „Allegro vivo“ auf. Schön das Oboensolo zu Beginn des zweiten Satzes, charmant die Einsprengsel einzelner Bläser in das Tongeflecht der Streicher. Südländisches Flair verströmten diese beim Pizzicato ostinato des Scherzos. Wahrlich „con fuoco“, also mit Feuer, agierte das Studentische Orchester beim turbulenten Finale, in dem die Paarbecken markante Akzente setzten.

Der folgende kräftige Applaus und der Jubel galten auch dem erst 18-jährigen Konzertmeister Aaron Biebuyck, der wie Köbele in der Hansestadt studiert. Als überraschende Zugabe sangen die 46 Orchestermitglieder einen sechsstimmig arrangierten Abendsegen.

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