„Sofort Fakten geschaffen“

Lesedauer: 5 Min
 Im Kindergarten Schura ist eine Diskussion über Öffnungszeiten und Gebühren entbrannt.
Im Kindergarten Schura ist eine Diskussion über Öffnungszeiten und Gebühren entbrannt. (Foto: Archiv: DPA/Gentsch)
Redaktionsleiterin
Schwäbische Zeitung

Bei der Diskussion über die veränderten Öffnungszeiten des Kindergartens Schuras (wir haben in der Ausgabe Mittwoch darüber berichtet), meldet sich nun auch der Elternbeirat der Einrichtung zu Wort. Elternsprecherin Katharina Hiepler übt dabei deutliche Kritik.

„Verlängerte Öffnungszeiten (VÖ) sind in Schura durchaus von einem Teil der Elternschaft gewünscht. In der heutigen Zeit ist es eine Selbstverständlichkeit, ein breit gefächertes Betreuungsangebot anzubieten. In Schura gibt es aber auch viele Familien, die die VÖ nicht in Anspruch nehmen wollen, daher aber auch nicht bereit sind, höhere Beitragskosten zu bezahlen. Die aktuelle Flexizeit wird in vielen Fällen in Anspruch genommen, da keine Mehrkosten entstehen“, so Hiepler.

Die Elternsprecherin greift auch das Thema Gebühren auf. Seit einigen Jahren steigen diese jährlich in allen Einrichtungen automatisch. „Die Familien in Trossingen werden ohnehin schon mit dem Spitzensatz an Kindergartenbeiträgen belastet. Nun soll dieser Satz nach Einführung der VÖ um 36 Prozent steigen. Dies bedeutet, dass der Monatsbeitrag von 124 Euro auf 170 Euro pro Kind ansteigt. Wir sprechen hier von einer wesentlichen Kostensteigerung, die in keiner Relation steht und von vielen Familien nicht mehr getragen werden kann.“ In diesem Zusammenhang wirft sie die Frage auf, „wie es andere Städte und Gemeinden gestemmt bekommen, welche viel weniger Beitrag verlangen als es die Stadt Trossingen es tut.“

Für Hiepler ist es klar, wie die Veränderungen ins Rollen kamen. „Ein paar Eltern haben sich nach verlängerten Öffnungszeiten erkundigt. Das hat die Kindergartenleitung aufgegriffen und sofort Fakten geschaffen. Eine Umfrage wurde per App durchgeführt. Dabei gab es lediglich zwei neue Modelle zu den verlängerten Öffnungszeiten zur Auswahl. Der Elternschaft war weder bewusst, dass diese VÖ mit höheren Kosten verbunden ist und dass die mittägliche Betreuung wegfällt“, betont sie. Die Kommunikation habe ausschließlich über die App stattgefunden, so die Mutter weiter.

Scharfe Kritik

Hiepler sagt, dass „der Elternbeirat nicht miteinbezogen (wurde), es gab keinen Elternabend und auch keinerlei schriftliche Informationen. Daher haben die Eltern leichtherzig, ohne weitere Fragen, an der Umfrage teilgenommen“.

Die Umfrage sei „als repräsentatives Ergebnis dem Träger vorgestellt und die Eltern wurden vor vollendete Tatsachen gestellt“, so die Mutter weiter. „Nur auf Drängen des Elternbeirates wurde kurzfristig eine Infoveranstaltung einberufen. An dieser Veranstaltung konnten leider nur wenige Eltern teilnehmen, da der Zeitpunkt ungünstig gewählt wurde und für viele zu kurzfristig war“, so die Elternsprecherin. Diesen Kritikpunkt hat die evangelische Kirchengemeinde bereits im Gespräch mit der Trossinger Zeitung eingeräumt und bedauert. „Das ist zeitlich schlecht gelaufen“, so eine Sprecherin.

Katharina Hiepler wählt scharfe Worte: „Diese intransparente Vorgehensweise hat das Vertrauensverhältnis zwischen Kindergartenleitung und Elternschaft stark zerrüttet. Nach den Worten von der Kindergartenleiterin soll den Familien nichts 'übergestülpt’ werden, doch genau so fühlt es sich für viele an.“

Forderung nach einer Umfrage

Während Bürgermeister Clemens Maier zum Thema am Montagabend im Gemeinderat sagte, dass in Schura eine Nachmittagsbetreuung kaum nachgefragt werde, schätzt die Elternsprecherin die Lage anders ein: „Ein großer Teil der Kinder, die unter drei Jahren sind, sind aus versicherungstechnischen Gründen von der Nachmittagsbetreuung ausgeschlossen. Hierbei möchten wir anmerken, dass man für die Kleinen den doppelten Betreuungssatz bezahlen muss.“

Weil auch die bisherigen Öffnungszeiten, die eine Mittagspause beinhalten, für berufstätige Eltern kaum zu stemmen seien, fordert Hiepler „eine Bedarfsanalyse in Form einer Umfrage, um herauszufinden, zu welchen Zeiten Betreuungsbedarf besteht“.

Ihr Schreiben hat die Elternsprecherin an die Kirche, die Stadt und den Gemeinderat gerichtet. Unterschrieben haben, so Katharina Hiepler, „schon 70 Prozent der Eltern“.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen