So rüstet die Stadtbücherei den Betrieb corona-konform um

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Ralf Sorg auf Liefertour in Trossingen
Ralf Sorg auf Liefertour in Trossingen (Foto: Felker)
Schwäbische Zeitung

Da die Fallzahlen derzeit wieder in die Höhe schnellen, macht sich die Trossinger Stadtbücherei bereit, die Bücher wieder zu ihren Lesern nachhause zu bringen. Unserer Redakteurin Larissa Schütz hat Büchereileiter Ralf Sorg erzählt, was jetzt neu am Lieferservice ist und wie es nach der Corona-Pandemie mit dem Angebot weitergehen könnte.

Herr Sorg, die Stadtbücherei hat im Frühjahr als eine der ersten Büchereien in der Region einen Lieferservice angeboten. Jetzt, wo die Fallzahlen wieder ansteigen und die Einschränkungen angehoben werden, haben Sie das Angebot ausgebaut. Was ist neu?

Die Stadtbücherei hat zwar geöffnet, aber ich habe den Eindruck, dass es jetzt wieder ruhiger wird. Die Leute sind wieder vorsichtiger. Deshalb möchte ich unsere Leser gerne daran erinnern, dass es den Lieferservice weiterhin gibt. Keiner muss auf unsere Bücher verzichten. Wir haben das Angebot auch erweitert: Wer nicht genau weiß, was er lesen oder hören will, dem bringen wir auch gerne eine Auswahl an Büchern, Hörspiel-CDs, DVDs oder auch Zeitschriften mit. Natürlich ersetzt das nicht die Bücherei, aber ich denke, es hebt die Qualität des Lieferservices nochmal ein Stück an.

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Wie ist das Angebot in den vergangenen Monaten angenommen worden?

Wir haben den Lieferservice im Frühjahr vom ersten Tag an angeboten, nachdem das öffentliche Leben wegen der Pandemie mehr oder weniger zum Stillstand kam, und er ist gut genutzt worden. Natürlich brachte er uns nicht die Leserzahlen wie üblich, aber es lief sehr gut. Manche haben sich sogar frisch angemeldet. Wir bringen die gewünschten Bücher bis nach Seitingen-Oberflacht, Durchhausen und Aldingen. Wir haben auch Leser in Wehingen und Sunthausen, unter anderem, aber das ist leider zu weit. Natürlich gingen die Onlinezahlen seit dem Frühjahr nach oben.

Unsere Leser waren dann aber froh, als sie persönlich wieder in die Bücherei kommen und stöbern konnten. Und natürlich fehlten ihnen auch die sozialen Kontakte. Auch jetzt fehlt die gewohnte Aufenthaltsqualität in der Bücherei, wir mussten unsere Sitzecke absperren. Die wird sonst gerne genutzt - von Lesern, die ein bisschen schmökern wollen, einen Kaffee trinken oder eine aktuelle Zeitschrift durchblättern möchten. Die Zeitschriften kann man deshalb jetzt auch ausleihen. Und für die Schüler entfallen leider die Möglichkeiten, sich zum Lernen hinzusetzen.

Überlegen Sie, den Lieferservice dauerhaft beizubehalten?

Mein Wunsch wäre, dass sich der Lieferservice über die Corona-Pandemie etabliert. Gerade für unsere älteren Leser, die nicht mehr gut zu Fuß sind und für die jeder Besuch eine Herausforderung ist, wäre das eine gute Sache, denke ich. Derzeit haben viele Leser auch noch eine gewisse Hemmschwelle, weil sie denken, wir nehmen ihretwegen zusätzliche Arbeit auf uns, wenn sie Bücher per Lieferservice bestellen. Es wäre schön, wenn die Nutzung irgendwann ganz selbstverständlich wird. Und natürlich würde ich dem Lieferservice dann auch gerne einen Namen geben.

In den vergangenen Monaten sind bereits eine große Menge Bücher erschienen, die das Thema Corona in allen Facetten beleuchten. Stehen davon auch einige in den Regalen der Stadtbücherei?

Wir haben schon einige Bücher angeschafft, die sich mit Corona und den Auswirkungen beschäftigten. Erklärungen der Pandemie für Kinder, die psychischen Folgen und Auswirkungen oder Bücher übers Homeoffice zum Beispiel.

In der Stadtbücherei finden sonst auch das ganze Jahr über Veranstaltungen statt, von Lesenachmittagen für Kinder bis zu den Literaturtagen ...

Die ersten Schulklassen und Kindergärten haben bereits ihre Besuche abgesagt. Das wären Veranstaltungen im Rahmen des bundesweiten Vorlesetags gewesen. Mit der Volkshochschule sind wir derzeit in Kontakt und überlegen, wie die Diskussionsrunde im kommenden Jahr ablaufen könnte, ebenso die Literaturtage. 2021 feiern wir auch 100 Jahre Stadtbücherei. Es ist vieles in der Planung, aber über allem schwebt natürlich die Unsicherheit, ob und in welcher Form was stattfinden kann. Das ist oft sehr frustrierend.

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