Serientäter droht lange Haftstrafe

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 Ein Serientäter aus Trossingen muss sich derzeit vor dem Rottweiler Landgericht verantworten.
Ein Serientäter aus Trossingen muss sich derzeit vor dem Rottweiler Landgericht verantworten. (Foto: Michael Hochheuser)
Lothar Häring

Düstere Zukunftsaussichten für den 14-fach vorbestraften Serientäter aus Trossingen, der sich derzeit unter anderem wegen Einbruchs ins Gymnasium und Diebstahls im Penny-Markt vor dem Landgericht Rottweil verantworten muss (wir berichteten): Die Staatsanwältin forderte am Montag eine Haftstrafe von achteinhalb Jahren, der Verteidiger von fünf Jahren und sieben Monaten. Dabei muss der 34-Jährige erst einmal noch alte Strafen absitzen, wie Karlheinz Münzer, der Vorsitzende Richter, berichtete.

Es geht um Verurteilungen von einem Jahr Haft sowie einem Jahr und elf Monaten. Allein das wird sich bis zum Jahr 2021 hinziehen. Die jetzt verhandelten Strafen hätten verhindert werden können, reklamierte (Pflicht-)Verteidiger Alexander von Malsen-Waldkirch (Ditzingen): Das Oberlandesgericht habe seine Freilassung aus der Untersuchungshaft verfügt, weil die sechsmonatige Frist bis zum Beginn des damaligen Prozesses nicht habe eingehalten werden können.

Der jetzige Prozess ist juristisch außerordentlich komplex, weil es um zahlreiche Vorwürfe geht und auch ein Fall vor dem Konstanzer Landgericht mitspielt. Der Angeklagte hatte bereits zu Beginn gestanden, ins Trossinger Gymnasium eingebrochen zu sein und aus der Kasse des Penny-Markts rund 1100 Euro gestohlen, in Lörrach einen Parkautomaten-Aufbruch versucht und mit Drogen gedealt zu haben. Finanziell blieb das alles fruchtlos: Bei den ersten beiden Taten wurde er auf frischer Tat erwischt, in Lörrach blieb es beim Versuch, aber einem Schaden von rund 8000 Euro – und die Qualität der Drogen war nicht nur schlecht, sondern sie reichten gerade für den eigenen Konsum.

Offen blieben die weiteren Vorwürfe: Bei einem mutmaßlichen Computer-Betrug hatte sich Staatsanwältin Bettina Körber-Renz schon bald nach Beginn mit der Einstellung des Verfahrens einverstanden erklärt, „weil eine Strafe im Verhältnis zur Gesamtstrafe nicht beträchtlich ins Gewicht fallen würde“. Das wiederholte sich am Montag bei einem schwerwiegenderen Fall: Demnach soll der Angeklagte einen Bekannten zu einem Treffpunkt ans Feuerwehrhaus gelockt, ihn dann mit Gewalt in die Wohnung eines Freundes gebracht, dort mehrfach unvermittelt mit der Faust ins Gesicht geschlagen, mit einem langen Messer bedroht und gedroht haben, seine Familie umzubringen, wenn er nicht tausend Euro bezahle. Es ging um Drogen-Geschäfte.

Der Bedrohte konnte am Montag allerdings nicht alle Widersprüche aufklären. Er behauptete zum Beispiel, durch die Schläge des Angeklagten einen Nasenbeinbruch erlitten zu haben. Trotzdem sei er am Abend noch in eine Disco gegangen und habe sich erst vier Tage später im Klinikum behandeln lassen. Das war auffälligerweise kurz nachdem ihm ein anderer Angreifer mit einer Sektflasche die Frontscheibe des Autos zersplittert hatte. Dieser Täter ist spurlos verschwunden.

Roman Knorr, der psychiatrische Gutachter der Klinik Reichenau, attestierte dem Angeklagten eine Suchtkrankheit, das betreffe Alkohol und Betäubungsmittel aller Art. Allerdings weise er keine psychopathologischen Auffälligkeiten auf, auch sei weder seine Steuerungsfähigkeit eingeschränkt noch seine Schuldfähigkeit. Wegen seiner Sucht seien weitere Taten zu befürchten. Er wolle seine „Hand nicht ins Feuer legen“, sagte Dr. Knorr, ob der junge Mann wirklich bereit zu einer Therapie und sich der Dimension bewusst sei. Vielleicht wäre sein kleiner Sohn ein Antrieb.

Sowohl die Staatsanwältin als auch der Verteidiger plädierten für die Einweisung in eine Entzugsanstalt. Offen bleibt, wann das möglich wäre, denn über die Reihenfolge der (Rest-)Strafen entscheidet die Staatsanwaltschaft, wie Richter Münzer erklärte. Der Angeklagte nutzte die Chance zum letzten Wort zur Entschuldigung für seine Taten und zur Bitte, die Chance einer Therapie zu bekommen. Richter Münzer erklärte, das Gericht benötige Zeit, um die Komplexität des Verfahrens zur beraten. Das Urteil soll am Donnerstag, 6. Juni, um 11 Uhr verkündet werden.

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