Seit 150 Jahren dem Nächsten zur Wehr

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Die Feuerwehrverbände nutzten die Gelegenheit der Jubiläumsfeier „150 Jahre Trossinger Feuerwehr“, um zahlreiche Ehrungen auszu
(Foto: Bianka Roith)

Mit einem bunten, sehr gelungenen Programm hat die Feuerwehr Trossingen ihr 150-jähriges Bestehen im Konzerthaus gefeiert. Zu dem großen Festakt mit internationalem Flair waren viele Gäste gekommen, sogar Delegationen aus den Trossinger Partnerstädten Cluses, Frankreich, und Windhoek, Namibia. Sie alle wollten bei diesem großen Geburtstagsfest der Trossinger Lebensretter mit dabei sein. Und die anderen beiden Trossinger Hilfsorganisationen, DRK und THW, sorgten für die kostenlose Verpflegung der Besucher.

Lediglich eine Spende für die Feuerwehrstiftung Gustav Binder wurde erbeten. Mit dieser werden Feuerwehrangehörige oder im Todesfall deren Hinterbliebene finanziell unterstützt.

Durch den unterhaltsamen Abend führten Emanuel Werres und Ralf Sorg, die es verstanden, mit viel Witz und einer Prise Chuzpe die 150-jährige Geschichte der Feuerwehr Trossingen zu beleuchten und dabei auch Rückschau zu halten aufs Zeitgeschehen in der Welt. Erster am besonderen, originellen Rednerpult – ein rotes Feuerwehr-Quad – war Trossingens Bürgermeister Clemens Maier. „Die Feuerwehr hat sich in den langen Jahren prächtig entwickelt, sie steht unter Saft und Kraft“, lobte das Stadtoberhaupt. Und die Jugend sichere auch die Zukunft der Wehr. Das sei Anlass genug, denen Dank zu sagen, die in 150 Jahren immer wieder für die Bürger einstehen, ihre Freizeit opfern für Einsätze und Dienste.

Und diese seien oft nicht ungefährlich. „Sie sind bei jedem Einsatz bereit, ihr Leben für die Rettung einzusetzen. Das ist gelebte Nächstenliebe, mehr geht einfach nicht“, so der Bürgermeister anerkennend. Als Dankeschön überreichte er an Feuerwehrkommandant Thomas Springer eine Geldspende für die Jugendarbeit.

Zu den Gratulanten gehörte auch Agnes Kapula, die neue Bürgermeisterin von Trossingens Partnerstadt Windhoek, Hauptstadt von Namibia. Als Dolmetscher fungierte Oberstudienrat Peter Armbruster, stellvertretender Leiter des Gymnasiums Trossingen. Sie seien nicht zufällig hier, denn sie wissen, dass Namibia und Deutschland eine lange Geschichte verbindet, so Agnes Kapula. „Wir fühlen uns hier nicht fremd, Deutschland ist unsere Heimat fern der Heimat.“

Mit einem originellen Geschenk bedankte sich die Feuerwehrabteilung aus der französischen Parnterstadt Cluses für 40 Jahre Partnerschaft der Wehren. Kommandant Eric Guimaraes, Laetitia Paris und Bertrand Pasquier überreichten an Feuerwehrkommandant Springer eine hölzerne Skulptur mit einem goldenen Helm und lodernden Flammen im Hintergrund. Als Gastgeschenk hatten Ernst Heinemann vom Kreisfeuerwehrverband und der stellvertretende Kreisbrandmeister Klaus Vorwalder für Thomas Springer ein historisches Feuerwehrfahrzeug mitgebracht.

Festredner war Thomas Engelhaaf, der Leiter der Landesfeuerwehrschule. Er sei seit 20 Jahren aktiv in der Feuerwehr und auch schon in Trossingen gewesen. Es habe in 20 Jahren zwar einige gravierende Veränderungen gegeben, doch unverändert seien die Frauen und Männer, die zupacken können, wenn‘s drauf ankommt. „Wir dürfen uns aber nicht wundern, wenn sich immer mehr nur wenige Jahre engagieren können oder wollen“, so Thomas Engelhaaf. Der Trend gehe heute in Richtung Ellbogengesellschaft. „Es liegt an uns, die Weichen für die nächsten 150 Jahre zu stellen. Wir haben die Chance, die Zukunft aktiv mitzugestalten.“ Er wünsche der Feuerwehr Trossingen ein gutes, harmonisches Miteinander und eine Entwicklung, bei der der Mensch weiter im Mittelpunkt steht.

Ernst Heinemann vom Kreisfeuerwehrverband und der stellvertretende Kreisbrandmeister Klaus Vorwalder zeichneten verdiente Feuerwehrmitglieder und auch Bürgermeister Clemens Maier aus. Er erhielt die Silberne Ehrennadel des Kreisfeuerwehrverbands, Ehrenmedaillen in Silber des Landesfeuerwehrverbands gingen an Stefan Helbig und Karl-Heinz Held, die Goldene Ehrenmedaille des Landesfeuerwehrverbands an Erich Bertsche, das Ehrenkreuz in Bronze des deutschen Feuerwehrverbands an Udo Mattes, das Ehrenkreuz in Silber des Deutschen Feuerwehrverbands an Norbert Lewandowski und an Bernd Andreis aus Cluses die bronzene Medaille für Internationale Zusammenarbeit des Deutschen Feuerwehrverbands. Ein Geschenk gab es außerdem für die Ehefrauen.

Für die musikalische Gestaltung des Festakts sorgte die Musikschule Trossingen, das Jugendblasorchester unter der Leitung von Markus Burger, das Pianisten-Duo Noemi Lokodi und Uli Sakowsky sowie die Solistin Maria Martinez-Gabaldon. Die Musiker begleiteten auch die unterhaltsame Zeitreise durch 150 Jahre Feuerwehrgeschichte in Trossingen, von Löschversuchen mit Leder- und später Hanfeimern bis zur heutigen technischen Entwicklung.

Auch einen Blick in die Zukunft haben Ralf Sorg und Emanuel Werres gewagt. Sie überlegten sich, ob vielleicht in Zukunft mit Drohnen gelöscht werde und ob wohl die zart gesäte Pflanze der Hilfsbereitschaft so gedeihen werde, dass sie auch die nächsten Generationen überdauert. „Aber“, so Ralf Sorg, „wie gut kann ein Roboter einen Menschen trösten?“

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