Schmökern: Lesung begeistert Schüler

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Christian Linker zieht die Trossinger Schüler bei seiner Lesung in den Bann. Wie viele von ihnen danach auch selbst zum Buch gre
Christian Linker zieht die Trossinger Schüler bei seiner Lesung in den Bann. Wie viele von ihnen danach auch selbst zum Buch gre (Foto: Sabine Felker)
Sabine Felker

„Schade, dass Ihr nicht ganz freiwillig hier seid“, hat Christian Linker gestern zwei achte Klassen des Gymnasiums Trossingen zu seiner Lesung begrüßt. Auch wenn es ein Pflichttermin – am Vormittag hatten Realschüler Auszügen aus einem seiner Bücher gelauscht – für die Jungen und Mädchen gewesen war, so war die Stimmung locker. Das Eis war spätestens dann gebrochen, als Linker aus seinem Buch „Blitzlichtgewitter“ vorlas.

Die Sprache in dem mit dem „Hansjörg Martin Kinder- und Jugendkrimipreis 2009“ ausgezeichneten Buch ist direkt bis derb, scheint aber genau das Lebensgefühl der Jugendlichen zu treffen. „Hast Du sie wenigstens mal gefickt?“ wird da Fabian, Hauptfigur des Romans, gefragt, als sich gerade seine Freundin Becca von ihm getrennt hat.

Auch wenn die Achtklässler noch zwei Jahre jünger sind als Fabian, so scheinen ihnen seine Selbstzweifel nicht fremd zu sein. Der Schüler zweifelt an sich und seiner Coolness, raucht er doch nicht, hat noch nicht „gefickt und auch nicht den Kotz-Contest“ gewonnen.

Die kleinste Belanglosigkeiten, die einem unsicheren Jugendlichen tagelange Zweifel zufügen können, sie alle lässt Linker in seinem Buch gekonnt aufleben. So ist Fabian „so in seinem Selbstmitleid gefangen, dass er erst am nächsten Tag merkt, dass er Becca nicht mal gefragt hat, warum sie Schluss macht“, skizziert der Jugendbuchautor die egozentrische Welt hormongesteuerter Teenager.

Lieber freiwillige Leser

Dass sein Buch „Blitzlichtgewitter“ einen Preis gewonnen hat, freue ihn, sagt Linker; er betont aber auch: „Dass es nun in Schulen gelesen wird, gefällt mir weniger.“ Freiwillige Leser seien ihm bedeutend lieber.

Im Buch fotografiert Fabian seine betrunkene Ex-Freundin und verschickt das Bild per Handy. Als er realisiert, was er damit angerichtet hat, ist es schon zu spät: Das Bild macht an der Schule die Runde.

Die Beschäftigung mit diesem Thema mache das Buch für den Deutschunterricht so interessant, vermutet Linker. Als eine Warnung vor Handyfotos sei es aber nicht zu verstehen. „Wenn ich jemanden warnen wollte, dann per E-Mail oder SMS. Dafür würde ich keinen Roman schreiben“, ärgert sich der Autor darüber, dass seinem Buch von einem Kritiker nicht „mehr Tiefe“ zugesprochen worden war.

Die Trossinger Schüler waren nach einer Diskussionsrunde Feuer und Flamme für das Buch. „Vielleicht kommen jetzt einige ja auch öfter zu uns“, hoffte Ingrid Bauser, Leiterin der Stadtbücherei.

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