Platzt die Immobilienblase?

Lesedauer: 4 Min
Bei Quadratmeterpreisen von acht Euro und mehr, wie sie in Trossingen durchaus bei Mietwohnungen normal sind, fragt sich so manc
Bei Quadratmeterpreisen von acht Euro und mehr, wie sie in Trossingen durchaus bei Mietwohnungen normal sind, fragt sich so mancher, ob er sich nicht auch ein Eigenheim leisten könnte. (Foto: Archiv: DPA/Warnecke)
Sabine Felker

Auf dem Trossinger Immobilienmarkt sind Wohnungen und Häuser hart umkämpft - die Quadratmeterpreise steigen scheinbar unaufhörlich. Die Frage ist, ob sich in Trossingen eine Immobilienblase entwickelt, die spätestens bei steigenden Darlehenszinsen platzen wird. Unsere Redaktionsleiterin Sabine Felker hat sich darüber mit Michael Weisser, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Trossingen, unterhalten.

Sie beobachten aus professioneller Sicht den Trossinger Immobilienmarkt. Besonders junge Familien, die auf Haussuche sind, bemängeln immer öfter unrealistische Preisvorstellungen der Verkäufer. Bemerken Sie einen solchen Trend auch?

Sowohl die Preise für Bestandsimmobilien als auch die Baupreise für Neubauvorhaben steigen, das ist ganz objektiv so. Die Preise sind auf ein Maß angestiegen, das noch akzeptabel ist. Allerdings scheint dieser Trend zum Preisanstieg bei freistehenden Einfamilienhäusern noch immer nicht gebrochen. Gerade für alte Immobilien wird häufiger zu viel gezahlt. Für Häuser in der Preiskategorie zwischen 180 000 und 250 000 Euro steigen die Preise derzeit weiter.

In der Preiskategorie darüber scheint langsam die Obergrenze erreicht zu sein. Natürlich kann aber für ein ganz besonders tolles Haus der Preis weiter steigen.

Bereitet Ihnen diese Entwicklung Sorge? Manche reden schon von einer Immobilienblase.

Eine gefährliche Immobilienblase sehe ich nicht. Jedoch stellt sich die Frage, wie viel junge Leute für eine gebrauchte Immobilie ausgeben sollten. Schon bei der Renovierung muss man schauen: Wo fange ich an, wo höre ich auf? Sehr häufig kommen so außerplanmäßige Kosten auf die neuen Eigentümer zu. Wenn dann keine finanzielle Luft mehr da ist, dann wird es ganz schön hart.

In der Niedrigzinsphase ist es verlockend, auch ohne Eigenkapital Immobilien zu kaufen. Noch vor zwölf, 15 Jahren, war das eigentlich ein Unding.

Das muss man von Fall zu Fall sehen. Doch klar ist, wir machen keine Finanzierung mit einer Tilgung von einem Prozent, das ist einfach zu wenig und bringt die Leute irgendwann ins Schleudern. Gerade jetzt sollten die Hauskäufer schneller und mehr tilgen, um dann, wenn die Zinsen wieder steigen, schon viel erledigt zu haben.

So mancher Marktbeobachter sieht in wenigen Jahren einen Zinsanstieg und damit so manch drohende Zwangsversteigerung, weil die Hausbesitzer die Darlehen nicht mehr bedienen können. Für wie realistisch halten Sie dieses Szenario?

Niemand kann mit einer Glaskugel in die Zukunft blicken, aber ich gehe davon aus, dass die Zinsen nur langsam steigen werden. Die Staatsverschuldung in der westlichen Welt ist so hoch, dass die Regierungen alles in ihren Möglichkeiten liegende tun werden, um die Zinsbelastung niedrig zu halten. Außerdem liegt es auch in der Verantwortung der Banken, Finanzierungen nur dann zu machen, wenn die Kreditnehmer noch Luft haben.

Wer ein Haus kauft oder baut, der soll sich nicht die nächsten zehn oder 15 Jahre krumm legen müssen. Da muss noch ein Familienurlaub und ab und an ein Restaurantbesuch drin sein.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen