Nudelhaus hat Großes vor

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Wer das Nudelhaus unterstützen möchte, kann sich ans Lebenshaus wenden, telefon 07424 / 4665 oder E-Mail lebenshaus-i.dapp@t-online.de. Spendenkonto: IBAN DE33 64292310 0019338007.

Die Stadtwerke gehen, das Nudelhaus kommt: Nachdem der Verein Lebenshaus den alten Stadtbahnhof und die historische Güterhalle gekauft haben, wird in den Gebäuden künftig die Produktion des Wirtschaftsbetriebs untergebracht werden. Startschuss für den Umzug ist der 1. Oktober. Um das Projekt zu stemmen, hofft der Verein auch auf Kooperationspartner.

Die Geschichte des Trossinger Nudelhauses ist eine Erfolgsgeschichte. 1992 wurde der Betrieb, in dem Menschen mit psychischen und sozialen Schwierigkeiten aufgenommen werden, vom Lebenshaus gegründet, seitdem ist er stetig erweitert worden. Insgesamt 32 Mitarbeiter - inklusive der Teilzeitkräfte - arbeiten hier. Neben dem Produktions- und Verwaltungsgebäude im Altbau Weidenstraße 3 gibt es auch einen vereinseigenen Laden in der Hauptstraße 35, wo die beliebten Produkte von Ravioli bis Süßgebäck verkauft werden.

In den vergangenen Jahren sei der Platz in der Weidengasse knapp geworden, berichtet Lebenshaus-Vorsitzende Ingrid Dapp. „Das Gebäude reicht nicht aus, um Hygienevorschriften wie die One-Way-Produktion einzuhalten.“ Geschäftsführer Sebastian Gläser fügt hinzu: „Wir tragen uns seit rund fünf Jahren mit dem Gedanken an eine neue Produktionsstätte.“

Eine Kostenfrage

In diese Situation platzte im Frühjahr der Trossinger Architekt Jochen Möller, der sich zu dieser Zeit für den Erhalt der historischen Stückguthalle am Bahnhof stark machte. Die Halle gehörte zu den Gebäuden, die die Stadtwerke im Zuge ihres Umzugs in den Neubau an der Christian-Messner-Straße verkaufen würden. „Wir haben uns das Gebäude dann angeschaut, wobei schnell klar wurde, dass wir das gesamte Areal benötigen werden“, erzählt Gläser. Nach reiflicher Überlegung und Diskussion entschied sich der Vereinsvorstand für die Bahnhofsgebäude anstelle eines Neubaus.

Bisher steht dem Nudelhaus eine Fläche von rund 377 Quadratmetern zur Verfügung, von denen etwa 100 für die Küche benötigt werden, der Rest als Lagerräume. In den Stadtwerke-Gebäuden kann der Betrieb künftig eine doppelt so große Fläche nutzen. Dann soll das Nudelhaus, so der Wunsch des Vereins, auch zu einem Inklusionsbetrieb werden, wofür es in eine gemeinnützige gGmbH umgewandelt werden soll.

Während einige Dinge bereits klar und beschlossen sind, müssen sich Lebenshaus und Nudelhaus mit anderen erst noch befassen. Unter anderem wird der Umzug von einem Altbau in den nächsten den Verein vor Herausforderungen stellen. „Wir wissen nicht, was alles auf uns zukommt“, sagt Ingrid Dapp, „das hat die Entscheidung auch so schwer gemacht.“ So muss zum Beispiel der Höhenunterschied zwischen Güterhalle und Verwaltungsgebäude ausgeglichen werden. Die Halle selbst darf als Denkmal nicht baulich verändert werden - zur Isolation muss im künftigen Lager ein „Haus im Haus“ errichtet werden, so Dapp. „Das ist natürlich alles lösbar, aber es ist natürlich eine Kostenfrage.“

Die Finanzierung für den 930 000 Euro teuren Gebäudekomplex und die Umbaukosten steht zwar, aber Dapp und Gläser hoffen auf möglichst viele Spenden, zinsfreie Darlehen und Unterstützung – auch von Seiten derjenigen, die sich bereits bisher für den Erhalt der Güterhalle eingesetzt haben.

Pop-Up-Kultur in der Güterhalle

Am 1. Oktober soll der Umbau starten, wenn alles gut läuft, könnte der Umzug im August 2019 vonstatten gehen. „Wir hoffen und beten, dass Handwerker zur Verfügung stehen und wir mit einer Winterbaustelle starten können“, so Dapp.

Bis das Nudelhaus in die neuen Räumlichkeiten umziehen kann, will der Verein dort aber bereits Veranstaltungen organisieren oder stattfinden lassen. „Beim Schwedenfeuer möchten wir zum Beispiel mitmachen“, sagt Gläser. „Bis der Umbau startet, soll es sozusagen mehr Pop-Up-Kultur geben.“

Da das Nudelhaus nur einen Teil der Güterhalle nutzen wird, kann sich der Verein vorstellen, die Restfläche zu vermieten, sowie es auch mit einem Teil der Bürofläche geplant ist. „Wir könnten uns dort viel vorstellen, zum Beispiel ein Café, wo Leute mit Handicap beschäftigt werden und mit Nudelhaus-Produkten gekocht wird“, sagt Ingrid Dapp, „aber das sind momentan alles nur Träume.“

Darüber hinaus ist das Lebenshaus daran interessiert, Kooperationspartner zu finden. „Wir sind für alle Arten der Zusammenarbeit offen“, meint Dapp, die beispielsweise an die benachbarten Eisenbahnfreunde denkt. Sie und Gläser hoffen, dass sich in den kommenden Monaten Vereine und Einrichtungen finden, mit denen das Nudelhaus gemeinsame Projekte umsetzen kann. „Wir möchten Teil des Stadtmarketings werden“, stellen sie klar.

Wer das Nudelhaus unterstützen möchte, kann sich ans Lebenshaus wenden, telefon 07424 / 4665 oder E-Mail lebenshaus-i.dapp@t-online.de. Spendenkonto: IBAN DE33 64292310 0019338007.

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