Wald, Wiese, Blumen: Das Gelände, auf dem Neuen III entstehen soll, ist jetzt noch Natur pur.
Wald, Wiese, Blumen: Das Gelände, auf dem Neuen III entstehen soll, ist jetzt noch Natur pur. (Foto: Larissa Schütz)

Noch in diesem Jahr will der Zweckverband Interkommunales Gewerbegebiet Nägel mit Köpfen machen und die Erweiterung des Gewerbegebietes Neuen unter Dach und Fach bringen. Im Herbst werden dazu auch die Umweltvereine gehört, die in der Vergangenheit bereits heftig gegen das Vorhaben und die Fällung einen großen Gebietes Durchhausener Gemeindewald - protestiert haben. Auch dieses Mal wollen sie Stellung beziehen.

2015 und 2016 hatten alle anerkannten Naturschutzverbände im Kreis Tuttlingen in einer gemeinsamen Stellungnahme die damals geplanten 35 Hektar Erweiterung Neuen III als „enorm“ kritisiert. Ansatzpunkte damals: „keinerlei Anstrengungen zur Begrenzung des Flächenverbrauchs“, „inakzeptabler Ansatz des Flächennutzungsplans“, Schmetterlinge und insbesondere die Nachtfalter seien nicht speziell kartiert worden und die Ausgleichsmaßnahmen bei Weitem nicht ausreichend.

Seitdem hat sich beim Zweckverband einiges getan: Auf nur noch 23,7 Hektar - inklusive Randgebiete - soll auf Durchhausener Gemarkung Neuen III entstehen. Als Ausgleich sind unter anderem 20 Hektar Artenschutzfläche südlich des Erweiterungsgebietes geplant. Dort gebe es bereits eine Schmetterlingsart, die sich weiter ausbreiten soll, außerdem sollen Waldbiotope angelegt werden, wo sich Amphibien - darunter auch die Gelbbauchunke - ansiedeln können, so Durchhausens Bürgermeister Simon Axt. Auch Vögel sollen in dem Gebiet einziehen.

„Die Verkleinerung registrieren wir positiv“, stellt Berthold Laufer fest. „Glücklicherweise wurde die Fläche auf 23,7 Hektar verkleinert, auch wenn dies immer noch enorm ist.“ Der BUND sähe es lieber, wenn innerörtliche Brachen genutzt und in die Höhe statt in die Breite gebaut werde: „Parkplätze lassen sich in eine Tiefgarage verlegen und das Dach für Photovoltaik nutzen“, führt Laufer aus, „aber das kostet natürlich.“

Lieber Aufwertung als Aufforstung

Auch die Aufwertung des Waldgebietes südlich von Neuen III bewertet der Vorsitzende der Tuttlinger Kreisgruppe des BUND Umwelt- und Naturschutz Deutschland positiv. „Für Insekten, Pflanzen und Nachtfalter ist das eine gute Sache.“ Wie allerdings das Verhältnis von Schaden und Nutzen sei, könne er erst im Rahmen der Anhörung im Herbst sagen, so Laufer, wenn der Zweckverband nachweist, dass die geplanten Kompensationsmaßnahmen ausreichend und angemessen sind. „Zusätzlich zum Naturschutzausgleich muss schließlich auch noch ein Waldausgleich erfolgen“, erläutert der Vorsitzende.

Generell befürworten die Naturschützer die Aufwertung von Waldstücken gegenüber der Aufforstung. „Dafür werden oft landwirtschaftliche Randflächen genutzt, die zwar für die Landwirte nicht relevant sind, für den Naturschutz hingegen schon“, so Laufer.

Insgesamt hält der BUND die Fläche weiterhin für zu groß, auch wenn sie in Abschnitten erschlossen werden soll. „Es ist ein massiver Eingriff in die Natur“, so Laufer, der allerdings auch betont, dass es für die Gemeinden oft schwer sei, innerörtliche Flächen aufzutreiben. Besonders schmerzhaft in Neuen III: Dort treffen sich zwei Waldgebiete - Fichten- und Weißtannenwälder. Besonders letztere sind relevant für die Naturschützer: „Glücklicherweise wurde ein großer Teil davon aus den Erweiterungsplänen rausgenommen.“

Wie es jetzt weitergeht? Der Zweckverband jedenfalls hofft, im kommenden Jahr den ersten Bauabschnitt von Neuen III erschließen zu können. Im Herbst werden die Umweltverbände im Rahmen der Anhörung ein Statement abgeben, sagt Laufer, „und dann schauen wir weiter.“

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