Nach Schlägerei: Ein halbes Jahr nur Flüssignahrung

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Hammer eines Richters
Die Folgen für das Opfer waren gravierend. Das Gericht sprach dem damals 14-Jährigen deshalb 9000 Euro zu. (Foto: Archiv: dpa)
Wolfgang Bojus

Bei einer Verhandlung vor dem Landgericht in Rottweil hat sich gezeigt, welche schlimmen Folgen eine Schlägerei haben kann.

Eigentlich waren sie in Trossingen zusammen gekommen, um sich auszusprechen. Doch statt eines versöhnlichen Händedrucks flogen die Fäuste, offensichtlich nur in eine Richtung. Mit dem Ergebnis, dass der Jüngere der beiden Brüchen an Jochbein, Kiefer und Kiefergelenk davontrug, dadurch bedingt ein halbes Jahr nur flüssige Nahrung zu sich nehmen konnte, eine Klasse wiederholen musste und auch noch psychische Probleme bekam. Jetzt muss der Ältere 9000 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Das Ganze hatte sich im März 2017 zugetragen, im Dezember 2017 war der Schläger vor der Strafrichterin gestanden und wegen Körperverletzung verurteilt worden. Der Jüngere, damals knapp 14 und im Donautal wohnend, wollte für seine Leidenszeit entschädigt werden. 15 000 Euro, das schien dem Anwalt angemessen, er klagte diesen Betrag ein. Und so kam es am Mittwoch zur Güteverhandlung beim Landgericht Rottweil – am 18. Geburtstag des Trossingers. Der zunächst mit Abwesenheit glänzte, aber durch seinen Anwalt vertreten war. So durfte verhandelt werden.

Der Vorsitzende Richter Dr. Armin Zirn trug vor, was seine Vorbereitung des Falles erbracht hatte: Dass der Donautäler von den Schlägen des anderen so schwer verletzt worden sei, war nachgewiesen. Von einer Notwehr könne keine Rede sein – der Schläger hatte vorbringen lassen, er habe sich gewehrt, weil der Jüngere ein Pfefferspray zücken wollte. Doch das entsprach nicht den Tatsachen – der Donautäler hatte gar kein Spray dabei. Eine sogenannte „Putativnotwehr“ (er glaubte, dass er sich wehren müsse) sei auch nicht gegeben. Ein Schmerzensgeld müsse also bezahlt werden – aber nicht so viel wie gefordert. 10 000 Euro seien bei diesen Verletzungen angemessen. Im Rahmen eines Vergleichs schlug er vor, dass der Schädiger 9000 Euro zahlt – dazu 800 Euro vorgerichtliche Anwaltskosten und 60 Prozent der Gerichts- und Anwaltskosten für dieses Verfahren.

Nach ein paar Minuten Beratung mit dem Anwalt war der Geschädigte damit einverstanden. Der Schädiger, der inzwischen eingetroffen war, brauchte deutlich länger, um mit dem Vorschlag einverstanden zu sein. Und so wurde der Vergleich abgeschlossen. Nun soll zwischen den beiden jungen Männern alles erledigt sein, wenn das Geld bezahlt ist.

Die Behandlungskosten des Geschädigten sind davon aber nicht betroffen, die kommen sicher noch dazu.

Richter Zirn gab zum Abschluss dem Schläger mit auf den Weg: Nicht zuschlagen, sondern Hände in die Hosentaschen, und wenn’s noch so sehr juckt.

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