Mit dem Rollstuhl auf der Fahrrad-Rikscha durch die Stadt

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 Freuen sich über die Rollstuhl-E-Bike-Rikscha (von links): Bereichsleiterin Nadja Merkle, E-Bike-Spezialist Hans-Peter Müller,
Freuen sich über die Rollstuhl-E-Bike-Rikscha (von links): Bereichsleiterin Nadja Merkle, E-Bike-Spezialist Hans-Peter Müller, Stiftungsvertreter Ines Efinger-Soffa und Kunibert Wilhelm sowie Einrichtungsleiterin Simone Höschle. (Foto: Felker)
Sabine Felker

Damit auch das Leben in einem Alten- oder Pflegeheim erfüllt sein kann, dafür ist viel Engagement der Angestellten und Ehrenamtlichen nötig. Doch ohne Geld lassen sich die allerwenigsten Ideen umsetzen. Die Karl-Hans-Efinger-Stiftung unterstützt deshalb das Trossinger Dr.-Karl-Hohner-Heim finanziell. Eine Fahrrad-Rikscha und eine digitales Spielgerät zählen zu den neusten Anschaffungen.

„Die Fahrrad-Rikscha ist einfach toll“, schwärmt Heimleiterin Simone Höschle. In den vergangenen Wochen haben verschiedene Mitarbeiter und Ehrenamtliche das E-Bike, das ähnlich einem Lastenfahrrad, vorne eine Plattform für einen Rollstuhl samt Passagier hat, ausprobiert. „Wir mussten erst mal ein Gefühl dafür bekommen, wie schnell man fahren und um die Kurven kann“, sagt Höschle lachend. „Jeder hat auch mal vorne drin gesessen, um zu merken, wie es sich dort anfühlt“, sagt sie und ergänzt: „Es macht richtig viel Spaß.“

Auch Nadja Merkle, Bereichsleiterin der Stiftung St. Franziskus, die das Heim betreibt, ist voll des Lobes für das Rad. „Die Neuanschaffungen, die wir uns hier Dank der Karl-Hans-Efinger-Stiftung leisten können, haben eine Strahlkraft auf all unsere Bewohner, deren Angehörigen und unsere Mitarbeiter.“ Denn schon die erste Fahrt mit einer Bewohnerin habe gezeigt, dass den alten und meist pflegebedürftigen Menschen der Kontakt zum Leben außerhalb des Heimes gut tue. „Die Bewohnerin, die mit der Rikscha mitgefahren ist, wollte an ihrem ehemaligen Haus vorbei“, sagt Höschle. Die alte Dame zeigt sich im späteren Gespräch tatsächlich restlos begeistert. „Da fühlt man sich wie eine Königin“, sagt sie und freut sich schon auf die nächste Ausfahrt.

Künftig soll es immer zu festen Terminen Radtouren für die Bewohner geben. „Vielleicht finden wir auch noch ein paar ehrenamtliche Helfer, die Lust hätten, einige Touren zu übernehmen“, sagt die Heimleiterin. Dank elektrischer Starthilfe und E-Bike-Motor sei das Treten auch nicht anstrengend, versichert Simone Höschle.

„Hier kriegt das Geld Hand und Fuß“

6000 Euro habe das Rad gekostet, dazu musste auch noch eine Garage angeschafft werden, so Höschle weiter. Kunibert Wilhelm, der zusammen mit Ines Efinger-Soffa die Stiftung an diesem Tag repräsentiert, freut sich, dass mit deren Geld „den Menschen ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert werden kann. Hier kriegt das Geld Hand und Fuß.“ Dies sei ganz im Sinne der Stiftung. Er betonte aber auch, dass die finanzielle Unterstützung allein nicht aussreiche, um das Leben der Heimbewohner positiv zu beeinflussen. „Dafür braucht es das Engagment von Mitarbeitern und Ehrenamtlichen“, lobte er die Einsatzbereichtschaft aller Beteiligten.

Virtuelle Seifenblasen

Wie viel Spaß die Bewohner mit den Neuanschaffungen haben, probierte Wilhelm im Anschluss gleich selbst aus. Denn das Hohner-Heim hat vom Stiftungsgeld nicht nur eine Rikscha gekauft, sondern auch eine Tover-Tafel. Das Gerät, das ähnlich einem Beamer an der Decke installiert ist, projeziert interaktive Spiele auf einen Tisch. Die Senioren können gemeinsam Blätter mit den Händen wegfegen, virtuelle Seifenblasen zum Platzen bringen oder Fische fangen. „Hiermit können wir auch Menschen in Bewegung bringen, die viel sitzen“, sagt Höschle. Auch Demenzkranke könnten intuitiv das Spiel verstehen und gemeinsam interagieren.

Immer wieder kommen Höschle und Merkle auf den Begriff „Lebensqualität“ zurück. Diese auf einem möglichst hohen Niveau bei den Bewohnern zu halten, ist beiden wichtig. Dabei helfe die Efinger-Stiftung auch im Kleinen. „Die Senioren waren schon gemeinsam im Restaurant essen oder im Eis-Café. Gerade für Senioren, deren Heimaufenthalt durch Sozialleistungen gedeckt werde, sonst ein kaum zu realisierender Traum. 120 Euro Taschengeld im Monat sieht der Staat für diese Menschen vor. „Da ist es natürlich toll, wenn sie zu einem solchen Ausflug eingeladen werden“, sagt Höschle.

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