Mie Miki verwandelt Akkordeon in Orchester

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Mie Miki verwandelt Akkordeon in Orchester

„Wahnsinn, was ein Akkordeon alles kann“, hat selbst das teilweise sehr fachkundige Publikum am Mittwochabend im Kesselhaus gestaunt. Vor allem dann, wenn eine begnadete Künstlerin wie Mie Miki mit Leib und Seele in der Musik versinkt und die rund 150 Zuhörer auf eine faszinierende Reise mitnimmt.

Als Veranstalter habe man sich mit diesem Konzert einen eigenen Wunsch erfüllt, bekannte Dieter Dörrenbächer, Geschäftsführer des Hohner-Konservatoriums, und freute sich über „die großartige Resonanz“. Professorin Mie Miki gibt bei „Akkordeon grenzenlos“ ihr Wissen über die Möglichkeiten, Klassik auf dem Akkordeon zu zelebrieren, im Workshop an interessierte Studierende und Musiker weiter. Das zweistündige Konzert zählt sicher zu den Höhepunkten dieser intensiven Arbeitswoche.

Werke von D. Scarlatti (1685 - 1757) ließen schon nach den ersten brillanten Takten beglückt aufhorchen. So hat man die drei Sonaten C-Dur K.159, d-moll K.9 und d-moll K.1 noch nicht gehört. Zuweilen kraftvoll, überwiegend jedoch hauchzart und dabei flirrend schwebten die Klänge. Professorin Mie Miki entlockte ihrem Hohner-Akkordeon eine Klangpracht, als stünde ihr ein ganzes Orchester zur Verfügung. Mit J. Ph. Rameau (1683 - 1764) öffnete sich mit Musette, Rondeau, Gigue und Tambourin die tänzerische Seite. Auch Händels Grobschmied-Variationen flossen geschmeidig dahin, verbreiteten eine ruhig-heitere Stimmung. In blaues Licht getaucht, verzauberte Mie Miki ihre Zuhörer mit „Dream“. Das Werk von John Cage (1912 - 1929) entfaltete eine mystisch-meditative Wirkung.

Einen krasseren Kontrast als John Zorns (1953) „Road Runner“ hätte Mie Miki nicht wählen können. Die wilde, irre Jagd zwischen Klopfen und Hauchen, ohne „rechte Melodie“ war auch für die Hörer eine Herausforderung und gefiel gerade deshalb. Die Vorlage fand großes Interesse und staunend wurde festgestellt, dass hier kaum Noten vermerkt waren. „Das gleicht eher einem Comic“ stellte ein Betrachter fest.

Nach der Pause war „Tango“ angesagt. Prägend hier die „Eurasian Tango“ (Nr. 1, 2, 5) von AYUO (1960). Zart schwebend glichen die Töne einem vorsichtigen Herantasten bis schließlich pulsierender Tango das Kesselhaus erfüllte. Astor Piazolla (1921 - 1992) ergänzte gleich vierfach den Tango-Reigen.

Mit 13 Jahren kam sie allein mit ihrem Akkordeon von Tokyo nach Trossingen zur Osterarbeitswoche, erzählte Mie Miki. Schon damals habe sie sich in Trossingen verliebt, die Stadt sei ihr zur zweiten Heimat geworden. Als 16-Jährige nahm sie ihr Studium am Hohner-Konservatorium auf. Wer Musiker wird, hat meistens ein prägendes Erlebnis, sagte. Sie habe als Mädchen gedacht, „etwas so Schönes“ habe sie noch nie gehört und schon damals seien die Weichen für ihre Musikerlaufbahn gestellt worden.

Auch die Konzerte heute und am Samstag stehen ganz im Zeichen des Akkordeons. Beginn ist jeweils um 20 Uhr im Kesselhaus.

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