Meisterkurs für Popmusik

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Sabine Bremer von Nitzsche und Hummel gehörte zu den älteren Teilnehmern. (Foto: Cornelia Addicks)
Schwäbische Zeitung
Cornelia Addicks

Fünf ganz unterschiedliche Gruppen haben an der ersten Arbeitsphase des diesjährigen Popcamps in der Bundesakadie teilgenommen. Eine Woche lang wurden die 18 Musiker von einem zehnköpfigen Expertenteam intensiv beraten.

In ihren Übungsräumen stellten die Gruppen nun das Ergebnis dieses „Feinschliffs“ vor. Den Auftakt machte Wildchild aus Berlin: Die Pianistin und Sängerin Aileen Phoenix verzauberte mit dem selbstgeschriebenen Song „The Pillaging“. Ihr Schlagzeuger Tilo Weber ahmte den Herzschlag nach und beging den Raum mit einer winzigen asiatischen Glocke. Kraftvoll und überzeugend klang „Distance“ – die Stimme Phoenix' ist beeindruckend.

Die Erhöhung der Schalldichtigkeit der Unterrichtsräume in der Bundesakademie bewährte sich bei dem Quartett Filius Nox aus dem pfälzischen Bad Bergzabern. Bei „A Fuel“ gossen die Jungs Öl ins Feuer, wild zuckte der Körper des Bassisten und Leadsänger Dominik Fischer trieb seine Stimmbänder in Sopranlagen hoch.

Nicht viel weniger Dezibel aber mehr Abwechslung brachte die Präsentation von The Munitors aus Friedberg in Hessen. „We are blue and green“ erklärten die fünf Musiker, die sich dem Indie Brit-Pop verschrieben haben. Sie überraschten mit einer Luftballon-Aktion und überzeugten mit gelungenen Laut-Leise-Effekten. Besonders Drummer Tim Preuss, mit 19 Jahren der jüngste Popcamp-Teilnehmer, erwies sich als wahres Energiebündel.

War bei den ersten drei Bands Englisch die Songsprache, so blieben die fünf Popmusiker von Mateo aus Dresden ihrer Muttersprache treu. Pianist, Sänger und Textautor Jan-Philipp Schneider reimte Stille auf Wille, sein auf befrei´n und sagen auf fragen. Er bat die Zuhörer zu einem intimen Solo an das Piano, bevor die Band zu ihrem Recht kam. Dabei hätte man gerne mehr vom Saxofonisten Steve Kuhnen gehört als die kurzen Intermezzi.

Neue Name für Band

Umbenannt hat sich ein Duo im Lauf der Trossinger Woche: Aus der Berliner electroband wurde Nitzsche und Hummel. Das Berliner Paar (mit 30 und 31 Jahren mit die älteren Popcamper in diesem Jahr) nutzte Violine, E-Bass, einen Computer und eine Vielzahl von Effekten, um ihren AcidClubPop zu Gehör zu bringen. „So etwas hatten wir noch nie“, stellte Projektleiter Michael Teilkemeier vom Deutschen Musikrat fest.

Das Popcamp sei kein Wettbewerb sondern ein „Meisterkurs für populäre Musik“: Knapp 200 Vorschläge gingen bis Mitte März von Experten aus der Musikbranche, von Medien und Organisationen im Bonner Popcamp-Büro ein. Eine Jury wählte daraus die fünf Teilnehmer aus, wie schon seit 2005.

Mit Bedauern erklärte Teilkemeier, dass 2014 das Popcamp nicht in Trossingen sein werde: Der Umbau an der Bundesakademie machen dies unmöglich.

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