Massenschlägerei in der Heiligen Nacht

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Person hält geballte Faust in die Kamera
An Weihnachten 2016 flogen in Trossingen die Fäuste. (Foto: Karl-Josef Hildenbrand)
Wolf-Dieter Bojus

Wenig heilig ist es in der „Heiligen Nacht“ 2016 am Rand der Trossinger Innenstadt zugegangen: Bei einer Schlägerei zwischen zwei Gruppen gab es mehrere Verletzte. Die Haupttäter sind schon verurteilt worden (wir berichteten), jetzt standen zwei weitere Beteiligte, ein Paar mit italienischen Pässen, vor Richterin Beate Philipp am Spaichinger Amtsgericht.

Wobei: So richtig beteiligt wollen sie nicht gewesen sein, gaben sie an. Sie wollten nur einen der Beteiligten besuchen, vor dessen Wohnung die Schlägerei stattfand – eine Schlägerei zwischen den Kumpels des Angeklagten und einer Gruppe junger Feiernder. Er habe die Schlägerei nur beobachtet, führte der Angeklagte aus, aber nicht eingegriffen. Erst als einer aus der anderen Gruppe, ein 31-Jähriger, bei der Auseinandersetzung über seine Freundin gestolpert und auf ihr zu liegen gekommen sei, habe er diesen hochgezogen. Dann sei auch schon die Polizei gekommen.

„Ich habe niemand getreten und auch nicht mit Fäusten geschlagen“, beteuerte er. Seine Freundin habe vielleicht bei diesem Vorfall mit den Nägeln den 31-Jährigen versehentlich gekratzt, berichtete sie.

Zeugen wiedersprechen der Darstellung der Angeklagten

Die Zeugen allerdings schilderten den Vorfall völlig anders. „Er hat auf Schlichter gemacht, und als wir am Boden lagen, hat er zugetreten“, berichtete der 31-Jährige. Zweimal habe der Italiener gegen seinen Kopf getreten, wodurch er eine Gehirnerschütterung erlitten habe. Die Italienerin habe ihn im Gesicht gekratzt.

Auch ein 21-jähriger Zeuge berichtete von Tritten gegen seinen Kopf. Er hatte eine Schädelprellung davongetragen, an der er noch wochenlang mit Übelkeit und Kopfschmerzen litt. Seine detailreiche Schilderung des Vorfalls überzeugte Jan Welsch, den Vertreter der Staatsanwaltschaft, und auch die Richterin.

„Tritte gegen Opfer, die am Boden liegen, das geht gar nicht, das ist unterste Schublade“, sagte Philipp. Es sei eigentlich nicht nachvollziehbar, warum der Angeklagte überhaupt in die Schlägerei eingegriffen habe. Sie verhängte wegen Gefährlicher Körperverletzung neun Monate Freiheitsstrafe gegen den 33-jährigen Mann und drei Monate (die Mindeststrafe) gegen die 26-jährige Frau. Beide Strafen setzte sie zur Bewährung aus – gegen eine Zahlung von 1500 Euro an „Frauen helfen Frauen“ bei ihm und 500 Euro an die Kindernothilfe für sie. Die beiden können gegen das Urteil noch Rechtsmittel einlegen.

Eines der Opfer hat schon angekündigt, dass es Schadensersatz und Schmerzensgeld verlangen wird. Die Sache ist für die beiden Angeklagten also auch nach dem Strafverfahren nicht ausgestanden.

An der Vorgeschichte der Schlägerei waren die beiden Angeklagten nicht beteiligt gewesen. Einer aus der Gruppe der Verurteilten hatte in der Löhrstraße Autos beschädigt, eine Gruppe von Feiernden, darunter die späteren Opfer, hatte sie aufgefordert, das sein zu lassen, und die Polizei gerufen.

Nachdem diese wieder abgerückt war, ohne die Täter zu finden, hatten die vier jungen Männer ein paar Verdächtige bemerkt, denen sie nachgingen. Bei der Wohnung eines der Verdächtigen kam es dann zu der Schlägerei.

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