LKA rückt wegen Handgranaten an

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Die Entschärfer des Landeskriminalamts waren am Dienstag in Trossingen im Einsatz.
Die Entschärfer des Landeskriminalamts waren am Dienstag in Trossingen im Einsatz. (Foto: Ralf Pfründer)

Vier Handgranaten haben die Entschärfer des Landeskriminalamts (LKA) Baden-Württemberg am Dienstagmittag aus einer Privatwohnung in der Trossinger Hauptstraße geholt. Der Einsatz sei ganz unproblematisch verlaufen, sagt Werner Dressler, Leiter des Trossinger Polizeipostens, gegenüber unserer Zeitung.

Zwei der Granaten seien leer gewesen und hätten lediglich aus der Ummantelung bestanden, so Dressler. „Bei den anderen beiden konnten die Experten nicht ganz ausschließen, ob noch Sprengladung enthalten war.“ Diese beiden seien in einem umliegenden Schotterwerk kontrolliert gesprengt worden. „Handhabungs- und transportunsichere Gegenstände werden in der Regel vor Ort sprengtechnisch vernichtet“, so LKA-Pressesprecher Ulrich Heffner. „Weniger gefährliche Gegenstände werden vom Kampfmittelbeseitigungsdienst oder von Entsorgungsfirmen professionell vernichtet.“

Das LKA war im Auftrag des Polizeipräsidium Tuttlingen tätig. „Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg ist zuständig, sobald der Verdacht einer Straftat besteht, beispielsweise wenn eine Person Explosivstoffe oder Gegenstände mit Explosivstoffen zu Hause hat, ausgräbt, oder ähnliches“, erläutert Heffner. Um Fundmunition, die direkt den Kampfhandlungen des 1. oder 2. Weltkrieges entstammt, kümmert sich hingegen der Kampfmittelbeseitigungsdienst.

Rund 450 Mal ist der Entschärferdienst des LKA 2017 ausgerückt. „Bei diesen Einsätzen ging es beispielsweise um verdächtige Gegenstände, nicht zugelassene oder selbst gebaute Pyrotechnik, militärische Kampfmittel und Sprengstoffe, welche ohne Zulassung in der Hand von Privatpersonen waren“, sagt Heffner. Die Entschärfer seien professionell geschulte Spezialisten und alle Einsatzmittel würden dem neuesten Stand der Technik entsprechen, so dass in den vergangenen Jahrzehnten alle Einsätze verliefen, ohne dass Menschen zu Schaden kamen.

60 bis 120 Tonnen Munition werden jährlich entdeckt

Deutlich öfter ist der Kampfmittelbeseitigungsdienst Baden-Württemberg im Einsatz: Zwischen 850 bis 950 Mal im Jahr rücken die Experten aus, wie Leiter Ralf Vendel mitteilt. „Vor allem im Frühjahr und Herbst, wenn die Leute in ihren Gärten arbeiten, wird immer wieder Kriegsmunition gefunden“, sagt er. Ein- bis zweimal pro Woche komme es vor, dass auf Wiesen, in Wäldern oder auf Privatgrundstücken Munition entdeckt werde - 60 bis 120 Tonnen Munition jährlich. „Teils liegt sie inzwischen oberirdisch“, sagt Vendel, „sie wandert im Laufe der Jahre im Erdreich nach oben.“ Einiges von dem, was Wanderer, Bauern, Jäger, Waldarbeiter und andere finden, seien aber lediglich Maschinenteile und keine Munition.

Wieviel Weltkriegsmunition in Deutschland oder Baden-Württemberg insgesamt nicht nicht gefunden wurde, kann Vendel nicht schätzen, er ist sich aber sicher, „dass wir noch viele Jahre zu tun haben werden“.

Karte: entschärfte Bomben in Baden-Württemberg

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